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15.05.2011
Von: cj

Die Wildnis ruft Wolfscenter – Dörverden-Barme

Groß ist das Interesse am Wolf als Urvater des Hundes. Was man schon immer über sie wissen wollte, hier ist es erfahrbar, hier kann man den Wolf in nahezu freier Wildbahn beobachten. Im Juni 2010 wurde das Wolfscenter durch den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff eröffnet. Seitdem haben es über 25.000 Menschen besucht. Auf 1,1 Hektar, zwischen Bäumen und Büschen, streifen die Wölfe umher. Zurzeit leben hier zwei Rudel. Ein Viergespann, bestehend aus drei Rüden und einer Fähe, ein weiteres ist in einem zweiten Gehege beheimatet. Weitere rund 20 Hektar große Freigehege sind geplant und werden in den nächsten Jahren entstehen.


Wölfe und Menschen: das ist eine lange Geschichte von Freundschaft und Feindschaft. In Fabeln, Märchen, Comics und Zeichentrickfilmen, Mythen und Literatur spielt der Wolf als Motiv eine große Rolle. In etlichen Kulturen erscheint der Wolf als Totem, in der Bibel wird er erwähnt und angeblich sollen Romulus und Remus, die Gründer Roms, von einer Wölfin gesäugt worden sein. Der Wolf galt bei allen Völkern als klug, schnell und ausdauernd und wurde einerseits dafür verehrt, andererseits als Raubtier gefürchtet.

Bis zur Entwicklung von Land- und Herdenwirtschaft war der Wolf das am weitesten verbreitete Raubtier der Erde. Er war in ganz Europa und Asien bis nach Nordafrika sowie in Nordamerika beheimatet. In weiten Teilen dieses einst riesigen Verbreitungsgebietes, besonders im westlichen Europa und in Nordamerika, wurde die Art durch menschliche Verfolgung ausgerottet. In Osteuropa, auf dem Balkan, in Kanada, Sibirien, der Mongolei und zu einem geringeren Grade dem Iran gibt es heute noch größere zusammenhängende Populationen.

Auch in Niedersachsen hat es früher Wölfe gegeben. Vor dem Hintergrund, dass die Menschen damals von kleiner Landwirtschaft und Viehzucht lebten, also Kleinbauern waren, ist nachvollziehbar, dass besonders im Mittelalter Wölfe intensiv bejagt wurden. Die Bürger wurden verpflichtet, an Wolfsjagden teilzunehmen. Und so wurde der Wolf nahezu ausgerottet.

Seit Inkrafttretens des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES=Convention International Trade in Endangered Species of the Wild Fauna und Flora) 1973, dem 152 Staaten angehören, steht der Wolf unter Naturschutz. Die Rückkehr des Wolfes 150 Jahre nach seiner Ausrottung ist ein erster Erfolg für den Artenschutz, allerdings mangelt es an länderübergreifenden Konzepten. Bei den Schutzbemühungen für den Wolf in Deutschland gibt es noch große Lücken, vor allem wenn es darum geht, das Nebeneinander von Mensch und Wolf zu regeln und Konflikten vorbeugen. Es gibt sie wieder: frei lebende Wölfe in Deutschland. 1998 wurden auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz in Sachsen zwei, im Jahr 2000 sogar sechs Wölfe – Eltern und Jungtiere – von Revierförstern beobachtet. Die Reaktionen auf die Rückkehr der Wölfe ins östliche Deutschland sind überwiegend positiv. Gelegentlich begegnet man den Wölfen aber auch mit Vorbehalten und Sorgen; denn wir Menschen in Deutschland müssen erst wieder lernen, mit dem Wolf in unserer Nachbarschaft zu leben.

Ein großes Verdienst, Wölfe artengerecht zu halten, ist Frank und Christina Fass, den Gründern und Geschäftsführern des Wolfscenters, zuzuschreiben. 1974 in Niedersachsen geboren, wuchs Frank Fass in einer Jägerfamilie auf, die den Grundstein zu seiner Naturverbundenheit legte. Ursprünglich gelernter Luft- und Raumfahrttechniker, bildete er sich in seiner Freizeit weiter und ist heute der festen Überzeugung, dass ein Zusammenleben mit Wölfen in Deutschland möglich ist.

Gezüchtet werden Wölfe hier nicht. Um Inzucht zu vermeiden, werden Welpen aus anderen Zoos geholt. Dies ist deshalb erforderlich, weil meist zwei Welpengenerationen mit dem Elternteil zusammenleben und dadurch inzestuöse Verbindungen entstehen können.

Das Wolfscenter betritt der Besucher durch ein modernes Restaurant, in dem Getränke und sowohl Hausmannskost als eine Spezialität – die Volkswagen-Currywurst – angeboten werden. Das bot sich durch den Namen an, schließlich kommt VW aus WOLFSburg. Ein großer offener Shop bietet umfangreiche Lektüre, DVDs, CDs und natürlich Souvenirs, ehe man in einen großen Dauersstellungsraum gelangt, in dem in Lebensgröße präparierte Tiere zu sehen sind. Das zentrale Element und Orientierungspunkt bildet ein großes Diarama. Um diesen Mittelpunkt gruppieren sich die fünf Themenbereiche: „Faszination Wolf“ (Sinne, Leistung, Biologie), „Unter Wölfen“ (Population, Kommunikation, Aufzucht), „Von Wölfen gejagt“ (Ernährung, Beutetiere, Jagdverhalten), „Wölfe und Menschen“ (Wolfsgeschichten, Wolfsjagd, Wolfsmanagement) und „Vom Wolf zum Hund“ (Wolfsvielfalt, Domestikation, Zucht).

Hier erfährt man, dass der Wolf einen Nahrungsbedarf von täglich vier Kilogramm hat, bestehend aus Beeren oder Beutetieren wie Hirschen, Elchen – und sicherlich auch Haustieren. Selbst wiegt er durchschnittlich 43 kg und ist in der Lage, einen großen Hirsch oder Elch hinter sich herzuziehen. An Touchscreens sind Laute und Mimik des Wolfes abrufbar, man erfährt, dass der Wolf deutlich besser hört als wir Menschen und man kann sein eigenes Hörvermögen testen. Videofilme in einem kleinen Kinoraum zeigen Wölfe in freier Wildbahn.

Für Kindergärten und Schulen werden eigens entwickelte Führungen angeboten. Dritte und vierte Grundschulklassen erhalten im Vorfeld Lehrmaterial. Eine Projektwoche ermöglicht weiterführenden Schulen, sich bis zu fünf Tage lang dem Wolf zu widmen, um zu erfahren, welche Bedingungen für die Rückkehr der Wölfe nach Deutschland erforderlich sind. Das Wolfcenter arbeitet mit einem Team aus Förstern, Schäfern, Wildnispädagogen und einer nahegelegenen Jugendherberge zusammen, um eine hohe Qualität und Abwechslungsreichtum zu ermöglichen. Unter professioneller Anleitung werden Fotografie-Workshops angeboten.

Es gibt hier auch einen Streichelzoo mit Schafen und Ziegen, ein Naturspielplatz bietet Kindern ein phantasievolles Ambiente und ungewöhnliche Abenteuer. Das Wolfscenter Dörverden-Barme ist immer einen Ausflug wert, in einer knappen Autostunde ist man dort. Es ist ganzjährig geöffnet, kostenlose Parkplätze stehen zur Verfügung.

www.wolfcenter.de
Kasernenstraße 2 | 27313 Dörverden-Barme | Tel: 04234/934402


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