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// Freizeit
09.08.2013
Von: Nadine Hünefeldt

Teppichklopfer sammeln ist auch seltsam - Harald Sawatzki besitzt über 236 Kaffeemühlen


Teppichklopfer sammeln ist auch seltsam – Harald Sawatzki besitzt über 236 Kaffeemühlen. (Foto: jeschke .)

Teppichklopfer sammeln ist auch seltsam – Harald Sawatzki besitzt über 236 Kaffeemühlen. (Foto: jeschke .)

Sie ist ein einfaches Haushaltsgerät, das für die meisten Menschen in unserer Gesellschaft bereits nicht mehr alltäglich ist – allenfalls ist sie in elektrischer Form zum Zerkleinern von widerspenstigen Koch- und Back-Zutaten noch in einigen Haushalten vorhanden. Für Harald Sawatzki jedoch dreht sich alles um die gute, alte Kaffeemühle.

Rund 236 Kaffeemühlen sind es inzwischen, die Harald Sawatzki über die vergangenen Jahre gesammelt hat. Besonders ausgeprägt entwickelt hat sich das Sammelfieber seiner Pensionierung, wie Harald Sawatzki eingesteht. Und dabei hatte alles eher harmlos angefangen: Als Sawatzki 1960 in die Lehre ging, schenkte ihm seine Stief-Oma eine Handkaffeemühle aus Holz, damit er – wenn er schon nicht mehr zuhause leben würde – weiterhin morgens eine Tasse Kaffee trinken könnte.

Sanft hält Harald Sawatzki seine allererste Kaffeemühle in den Händen. Sie ist gut erhalten. Keinerlei Gebrauchsspuren, keine Kratzer, selbst das Innere sieht aus wie neu. Harald Sawatzki schaut die kleine Kaffeemühle an und lacht: „Ich habe sie nie benutzt – ich konnte mir als Lehrling doch gar keinen Kaffee leisten!“

Irgendwann hatte sie ihn dann gepackt, die Sammelleidenschaft. Warum gerade Kaffeemühlen, das weiß Sawatzki selbst nicht mehr so genau. „Alle meine Freunde und Bekannten haben irgendwas gesammelt: Feuerzeuge, Bierdeckel oder Streichholzschachteln. Ich wollte einfach etwas Außergewöhnliches sammeln.“ So sind es dann eben Kaffeemühlen geworden. Dass manche Menschen das vielleicht merkwürdig fi nden mögen – „Meine Frau versteht das gar nicht “, schmunzelt Sawatzki – ist ihm egal: „Ach was, es gibt Leute, die sammeln Teppichklopfer, das ist auch nicht unbedingt weniger seltsam“, meint Sawatzki und winkt ab.

Die Leidenschaft liegt für ihn auch nicht einfach nur im Sammeln, im Zusammentragen von Kaffeemühlen. Die echte Faszination liegt für Harald Sawatzki in den jeweiligen Geschichten seiner Stücke: „Woher stammt diese Kaffeemühle? In welchen Familien, durch wie viele Hände ist sie schon gegangen?“ Akribisch recherchiert Harald Sawatzki die Hersteller, Produktionszeiträume und etwaige Besonderheiten der Kaffeemühlen.
Bekommt er eine Kaffeemühle aus privater Hand geschenkt und obendrein die Geschichte der Kaffeemühle erzählt, ist das für ihn mindestens genauso kostbar wie sein ältestes Exemplar, das aus dem Jahr 1820 stammt. Dabei liegt ihm eine Kaffeemühle ganz besonders am Herzen: diese wurde ihm von der Familie eines ehemaligen Aufsehers des KZ-Außenlagers Farge bei Bremen überlassen. Ein Kriegsgefangener aus St. Petersburg hatte diese Kaffeemühle einst gegen eine Scheibe Brot eingetauscht, so die Geschichte um das wohl schönste Stück in Sawatzkis Sammlung. „Es sind nicht immer alles gute Geschichten“, meint Harald Sawatzki nachdenklich und setzt den Gang durch seine Kaffeemühlen-Sammlung fort.

Und dort sind sie versammelt, Kaffeemühlen in allen Formen und Materialien: Handmühlen, Schoßmühlen, Tischmühlen, Mokkamühlen, Wandmühlen und auch neuere elektrische; Kaffeemühlen aus Holz, Messing, Porzellan oder auch Bakelit, dem ersten industriell produzierten Kunststoff, aus dem auch Kaffeemühlen ab den 1930er Jahren hergestellt waren. Anfangs hatte Harald Sawatzki seine Kaffeemühlen- Sammlung in einem Raum seines Hauses ausgestellt oder sie in Heimathäusern im Umkreis gezeigt. Doch je größer seine Sammlung wurde, umso beschwerlicher wurde es zugleich, sie in wechselnden Ausstellungen zu präsentieren. So traf es sich gut, dass der Wulsbütteler Verein Alte Schule e.V. Nutzer für ihr Gebäude suchte: Im September vergangenen Jahres zog Harald Sawatzkis Kaffeemühlen- Sammlung dort schließlich ein.

Seither besichtigen Kindergärten und Schulklassen, Wanderer und Touristen des Ferienortes, aber auch ganze Geburtstagsgesellschaften und Fahrradgruppen Sawatzkis Ausstellung, lassen sich von ihm über Kaffeemühlen informieren und lauschen den Geschichten, die er über seine Stücke zu erzählen hat.

Kaffeemühlen-Sammlung
Alte Schule Wulsbüttel | Lindenstr. 3 | 27628 Wulsbüttel
Oktober bis März: sonntags von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr
April bis Oktober: sonntags von 10.00 Uhr bis 12.00 Uhr
und von 14.00 Uhr bis 16.00 Uhr

Der Eintritt ist frei, die Ausstellung basiert auf Spenden.

Harald Sawatzki | Hobbysammler | Tel: 04746 / 6816


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