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// Gesundheit
15.05.2014
Von: nh

„Ein Leben retten ist eigentlich ganz einfach“ Michael Feldmann ist DKMS-Stammzellenspender

Als bei dem zweijährigen Leon Leukämie diagnostiziert wurde, saß der Schock tief. Daher war der Bremerhavener Michael Feldmann als Freund von Leons Familie einer der ersten, der sich bei der für Leon veranstalteten DKMS-Aktion im Schaufenster Fischereihafen typisieren ließ. „Ich wollte unbedingt helfen“, sagt der heute 33-Jährige. Als Spender für Leon kam Michael Feldmann leider nicht in Frage – ebenso wenig wie die insgesamt 1.200 Menschen aus Bremerhaven und Umgebung, die sich für Leon testen ließen. Er starb im Februar 2004. Doch Leons Schicksal hat einiges in Bewegung gesetzt. Bremerhaven wurde 2004 die erste Partnerstadt der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei – und Michael Feldmann rettete aufgrund seiner Typisierung zwei Jahre später das Leben eines anderen Menschen.


Michael Feldmann ist DKMSStammzellenspender (Foto:Jeschke)

Michael Feldmann ist DKMSStammzellenspender (Foto:Jeschke)

„Ich bekam 2006 ganz unerwartet eine Nachricht von der DKMS, dass ich als Spender für jemanden mit Blutkrebs kompatibel wäre. Man fragte mich dann, ob ich noch immer zur Verfügung stehe“, erzählt Michael Feldmann. Im ersten Augenblick hat er „das große Flattern bekommen“, wie er sagt. „Mein erster Gedanke war: Die nehmen mir jetzt Knochenmark aus dem Rücken!“ Ein Vorurteil, das viele Menschen teilen. Dabei bleibt im Rahmen einer DKMS-Spende das Rückenmark komplett unangetastet: Bei einer Knochenmarkspende werden die Zellen aus dem inneren des Beckenknochens entnommen. Dazu werden unter Vollnarkose die im Mark des Knochens befindlichen Stammzellen abgesaugt. Diese Methode ist nahezu risikofrei. Innerhalb von etwa zwei Wochen hat sich das Knochenmark regeneriert.

Michael Feldmann denkt nicht lange nach, willigt ein. Dann geht alles ganz schnell: Nach einem weiteren Bluttest, einem Informationsgespräch und einem Gesundheitscheck stellt sich heraus, dass Michael Feldmann zu den 80 Prozent der Fälle gehört, wo eine Operation unnötig ist und die Stammzellen stattdessen aus der Blutbahn entnommen werden können. Dabei wird das Blut – ähnlich wie bei einer Dialyse – durch ein Gerät geleitet, in dem die Stammzellen durch eine Zentrifuge abgetrennt werden. Zuvor muss sich Michael Feldmann fünf Tage lang in Abstimmung mit der Behandlung des Empfängers ein Wachstumshormon spritzen, das die Vermehrung seiner Stammzellen anregt und sie aus dem Knochenmark ins Blut ausschwemmt. Nach nicht einmal drei Stunden ist alles vorbei und Michael Feldmanns Stammzellen werden wenig später seinem kompatiblen Empfänger injiziert. „Das war alles ganz unkompliziert, wie eine Blutspende, und es gab keinerlei Nebenwirkungen“, sagt Michael Feldmann.

Michael Feldmanns Spende rettete ein Leben. Die Urkunde, die er für seine Spende von der DKMS erhielt, steht gut sichtbar in der Wohnzimmervitrine. „Ich bin stolz darauf, dass ich mich nicht durch Vorurteile habe abschrecken lassen. Durch meine Spende konnte ich einem Menschen das Leben retten. Das ist so ein tolles Gefühl!“ Erst nach zwei Jahren besteht bei der DKMS die Möglichkeit für Spender und Empfänger, Kontakt zum jeweils anderen aufzubauen. Auch Michael Feldmann ist neugierig, wer sein genetischer Zwilling ist. Doch dieser lehnt den Kontakt ab. „Anfangs war ich enttäuscht, ich bekam dann aber einen Brief der Mutter des Empfängers. Sie schrieb mir, wie dankbar die Familie mir wäre und dass es dem Empfänger gesundheitlich wieder sehr gut gehe“, sagt Michael Feldmann. Nachdem die zwei Jahre vorbei waren, in denen Michael Feldmann für seinen Stammzellen-Empfänger sozusagen exklusiv reserviert war, tat er das für ihn einzig richtige: Er ließ sich sofort wieder bei der DKMS für weitere Stammzellenspenden registrieren. „Ich würde jederzeit wieder spenden!“

Michael Feldmann war 2006 der 9.000. Spender der DKMS und der zweite Spender aus Bremerhaven überhaupt. Inzwischen haben aus Bremerhaven 51 Menschen ihre Stammzellen gespendet, 123 im Landkreis Cuxhaven. In der Spenderdatei der DKMS registriert sind in Bremerhaven rund 5.500 Menschen und im Landkreis nahezu 12.000. Noch mehr Resonanz aus der Bevölkerung wäre wünschenswert – denn was viel klingt, relativiert sich auch schnell wieder: 2008 sind allein in Deutschland fast 33.000 Menschen an Blutkrebs erkrankt. 16.901 von ihnen sind daran gestorben. Lediglich 30 Prozent der Patienten finden innerhalb der Familie einen geeigneten Stammzellenspender; der Großteil ist auf einen Fremdspender angewiesen.

Die DKMS registriert seit 1991 weltweit potenzielle Spender in ihrer Datei und hilft, für möglichst jeden suchenden Patienten einen passenden Stammzellenspender zu finden. Die DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH wurde 1991 aus einer privaten Initiative heraus gegründet und hat sich innerhalb kürzester Zeit mit heute über 3,6 Millionen registrierten Spendern zur weltweit größten Einzeldatei entwickelt. Jeden Tag erhalten mindestens zwölf Patienten weltweit Stammzellen von Spendern aus der DKMS. Trotz dieser positiven Entwicklung kann in Deutschland für etwa jeden fünften Patienten, der auf eine Stammzelltransplantation angewiesen ist, noch immer kein geeigneter Spender gefunden werden. Erklärtes Ziel der DKMS ist es, durch den weiteren weltweiten Ausbau der Datei einen geeigneten Lebensspender für möglichst alle Patienten zu finden. Nach einer anfänglichen Förderung durch das Bundesministerium für Gesundheit und die Deutsche Krebshilfe ist die DKMS seit Ende 1994 für den Ausbau der Datei finanziell auf sich gestellt. Die Spenderneugewinnung wird seitdem ausschließlich über Privat und Firmenspenden finanziert. Die Registrierung und Typisierung eines neuen potenziellen Stammzellspenders kostet die DKMS 50 Euro. Der Großteil der Kosten entfällt dabei auf die Analyse der Gewebemerkmale im Labor. Die DKMS freut sich deshalb über jeden Spender, der sie im Kampf gegen den Blutkrebs nicht nur durch eine Typisierung sondern auch mit einer Geldspende unterstützt.

Der Bremerhavener Arbeitskreis, initiiert durch den kleinen Leon, setzt bis heute seine Arbeit fort, plant und koordiniert Veranstaltungen und ist für alle Interessierten offen. Über Kooperationspartner für Typisierungsaktionen würde sich der Arbeitskreis sehr freuen, ebenso über Spenden.

Kontakt:
Ansprechpartner: Karlheinz Michen
Tel: 0471/3010 00 3
E-Mail: info@schaufenster-fischereihafen.de

Spendenkonto:
„DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei“
Kto.: 211 64 80 | Sparkasse Bremerhaven
BLZ: 292 500 00
DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH www.dkms.de


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