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// Gesundheit
14.11.2016
Von: Anna-Lena Buchheim

Lebensmittelunverträglichkeiten. Eine Modeerscheinung oder ein wachsendes Problem?

„Ich esse keinen Weizen!“, „Bitte ohne Nüsse!“, „Ich vertrage keine Fruktose!“, „Ist da Milch oder Sahne drin?“ Jeder vierte in Deutschland verzichtet auf Nahrungsmittel wie Milch, Weizen oder Zucker. In den Supermärkten sprießen laktose- oder glutenfreie Produkte wie Pilze aus dem Boden, Restaurantbesitzer reagieren mit speziellen Gerichten auf der Karte und wer zu Hause für Freunde kocht, muss als guter Gastgeber inzwischen Unverträglichkeiten abfragen. Noch vor zehn Jahren waren Verdauungsvorgänge ein Tabuthema. Heute breitet sich beim gemeinsamen Essen die neue Innerlichkeit aus. Jedes Grummeln im Magen, jedes Ziehen im Bauch wird diskutiert und kategorisiert. Werden wir immer sensibler oder verfallen wir in eine Ernährungshysterie?


Lebensmittelunverträglichkeiten (Foto: FabrikaSimf/shutterstock.com)

Lebensmittelunverträglichkeiten (Foto: FabrikaSimf/shutterstock.com)

Fakt ist, dass Nahrungsmittelunverträglichkeiten existieren und Betroffene unter großen gesundheitlichen Belastungen leiden. 20% der deutschen Bevölkerung ist laktoseintolerant, jeder 10. reagiert empfindlich auf Fruktose und 1% leidet unter einer Glutenunverträglichkeit. Betroffene haben oftmals wenig Alternativen zur simplen Vermeidung des Auslösers. Eine Fruktoseintoleranz ist unter den drei Spitzenreitern sicherlich der unangenehmste Quälgeist. Unterscheiden wir hier doch die äußerst seltene, erbliche Störung des Fruktosestoffwechsels, von der in Deutschland nur etwa 4.000 Menschen betroffen sind und die viel häufiger vorkommende Fruktosemalabsorbation, unter der immerhin jeder 10. Deutsche leidet. Ist bei der ersteren keine Behandlung möglich, und diese nur durch den kompletten Verzicht auf Fruktose beherrschbar, lässt sich bei der erworbenen Fruktosemalabsorbation der Körper doch wieder an viele fruktosehaltige Lebensmittel gewöhnen. Laktose- und glutenfreie Produkte findet man inzwischen glücklicherweise in vielen Supermarktregalen. Nahrungsmittelunverträglichkeiten sind, sofern wirklich vorhanden, keine Modekrankheiten. Die Betroffenen suchen oft lange, bis die Ursache ihrer Beschwerden ermittelt ist.

Doch gibt es wirklich immer mehr Menschen mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten? Die Zahl von Menschen, die auf bestimmte Nahrungsmittel verzichten, nimmt zu. Der Grund hierfür ist nicht immer die Diagnose vom Arzt. Gegenwärtig werden wir von einer Flut der Problematisierung von Nahrungsmitteln überrollt. Lebensmittel werden immer genauer analysiert und somit als potenzielle oder vermeintliche Gefahrenquellen identifiziert. Jede Woche wird ein anderer schädlicher Inhaltsstoff gefunden und oft genauso schnell wieder freigesprochen. Die Verbraucher sind verunsichert und entscheiden sich zum Selbstschutz zur Eliminierung bestimmter Nahrungsmittel aus ihrem Speiseplan. Die neuerdings von einigen „Promis“ propagierte glutenfreie Ernährung zur Verbesserung von Schönheit und Gesundheit, trägt sicher auch nicht zum entspannten Umgang mit Lebensmitteln bei. Ganz zu schweigen von den Büchern, die gesunden Menschen zu einer Diät ohne vermeintlich gefährliche Stoffe raten.

So werden munter immer mehr Selbstdiagnosen gestellt. Halb- und Unwissen sind schlechte Berater. Die Gefahr hierbei ist, dass durch den Verzicht auf bestimmte Lebensmittel ohne einen medizinischen Grund, überhaupt erst Unverträglichkeiten entstehen können. Daher ist eine eindeutige Diagnose, bevor man anfängt auf Laktose, Fruktose und Co. zu verzichten, unumgänglich. Hierfür sind seriöse Testverfahren nötig. Wollen Ärzte herausfinden, ob jemand unter Glutenunverträglichkeit leidet, nehmen sie Blut ab, testen es auf bestimmte Antikörper und untersuchen Gewebe aus dem Dünndarm. Bei vermuteten Schwierigkeiten mit Laktose und Fruktose trinken die Patienten den jeweiligen Zucker in Wasser gelöst und pusten in ein Röhrchen. Am H2-Gehalt in der Atemluft sehen Ärzte, wie gut jemand Zucker abbaut – oder eben wie schlecht.

Leider tummeln sich auch unseriöse Tests am Markt. Eine Befragung laktoseintoleranter Personen hat ergeben, dass nur 10 % der Befragten eine ärztliche Diagnose haben. Die anderen Personen durchliefen nicht geeignete IgG- oder Onlinetests oder machten eine Selbstbeobachtung.

Bei einer diagnostizierten Unverträglichkeit ist es wichtig, sich Fachwissen anzueignen. Die simple Meidung von Milch bei einer Laktoseunverträglichkeit reicht oft nicht aus. Oder hätten Sie gedacht, dass in einer Bratwurst viel Laktose enthalten und der Konsum von Alkohol Beschwerden verstärken kann? Noch differenzierter ist es gar bei einer Fruktoseintoleranz. Eine qualifizierte Ernährungsberatung hilft hier versteckte Feinde in unserer täglichen Nahrung aufzuspüren, die eigene, individuelle Toleranzgrenze heraus zu finden, Alternativen zur Vermeidung von Mangelzuständen aufzuzeigen und auch, bei notwendigem Verzicht auf bestimmte Lebensmittel, genussvoll weiter essen zu können.

Anna-Lena Buchheim leitet die Ernährungsberatung im outfit Bremerhaven. Sie ist studierte Ernährungsberaterin, absolvierte zusätzlich die Ausbildungsgänge der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) und dabei auch Zusatzqualifikationen im Bereich der Nahrungsmittelunverträglichkeiten. In Einzel- und Gruppenkursen berät sie Menschen zur gesunden Ernährung und Gewichtsreduktion.


outfit Bremerhaven
Heinrich-Brauns-Str. 3
27578 Bremerhaven
Tel: 0471/6 20 66
www.dasoutfit.de



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