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09.08.2019
Von: bg

Wie Honig. Im Porträt: Musiker und Songschreiber Silas Herder

Gelegenheiten, sein Leben in die eigenen Hände zu nehmen, gibt es genug. Man muss nur den Mut aufbringen sie zu ergreifen, um vehement der Leidenschaft zu folgen, die in einem brennt. Einer der sich damit auskennt ist Silas Herder, der auf der Suche nach sich selbst und der Erfüllung seiner Träume kompromisslos sein Ziel verfolgt, egal wie zäh es auch sein mag. Denn nichts ist süßer, als das zu tun, was einem wirklich am Herzen liegt.


Im Porträt: Musiker und Songschreiber Silas Herder (Foto: Björn Gerken/LAUFPASS)

Im Porträt: Musiker und Songschreiber Silas Herder (Foto: Björn Gerken/LAUFPASS)

Für unser Gespräch haben wir uns im Findus, in der Alten Bürger Bremerhavens verabredet. Silas Herder empfängt mich lächelnd am Eingang. „Leider ist heute geschlossene Gesellschaft, wir müssen woanders hin, aber ich hab da schon eine Idee“, sagt er und nimmt sein Handy in die Hand, um zu telefonieren. Ein Ersatzort ist schnell gefunden: Wir verlegen unser Treffen in den Sound Center-Custom Shop in der Grazer Straße, ein Ort, an dem sich der Musiker nur allzu gern aufhält, verrät er mir. Auf dem Weg kämpfen wir uns durch das berühmte Bremerhavener Schietwetter und lernen uns unter prasselndem Regen ein wenig kennen. Barrieren gibt es nicht und wir plaudern munter drauflos. Als wir ankommen, werden wir freundlich vom Besitzer Bernd Eilers begrüßt. Die beiden kennen sich schon lange. Dabei verbindet sie nicht nur die Musik an sich, sondern vor allem der Anspruch, etwas Eigenes zu schaffen. Was bei Eilers die selbstgebauten Gitarren sind, ist bei Herder die hausgemachte Musik. Umringt von einer Kulisse aus Gitarren und Verstärkern, beginnen wir unser Gespräch.

Geboren ist Silas Herder in Ottersberg und aufgewachsen in dem kleinen Küstendörfchen Schottwarden zwischen Imsum und Wremen. Von Kindesbeinen an war Herder mit Musik in Berührung. Schon früh lernte er, Instrumente zu spielen. „Es gab in der Ecke ja auch sonst nichts zu tun“, sagt er lachend. Zuerst war es die Geige. Doch sein Herz schlug schon immer für die Gitarre und als er zwölf Jahre alt wurde, bekam er seine erste eigene. Auch seine Familie musiziert gern und unterstützt ihn bei seiner Leidenschaft. „Die ersten Akkorde hat mir meine Schwester beigebracht“, erzählt er stolz. Seine musikalischen Vorbilder sind der irische Blues-Rock-Gitarrist und Songwriter William Rory Gallagher, Django Reinhardt und Johann Sebastian Bach. Er liebt es, in unterschiedliche Genres einzutauchen und alle vorhandenen Aufnahmen möglichst genau zu studieren, um zu schauen oder vielmehr zu hören was gut klingt, erklärt er. Denn Noten lesen kann er nicht, er spielt gerne nach Gefühl.

Mit 16 Jahren stieg er dann in die Bremerhavener Band Pilefunk ein. Wie es dazu kam, ist ihm bis heute ein Rätsel: Eines Tages klingelte bei dem Drummer der Band jemand an der Haustür, während er gerade am Schlagzeug übte. Als er die Tür öffnete stand ein Fremder vor ihm und sagte, dass er ihn gehört hatte und sich fragte, ob sie eventuell noch einen Gitarristen suchten. Dies bejahte der überraschte Drummer und der Fremde drückte ihm einen Zettel mit den Kontaktdaten von Silas in die Hand. „Bis heute weiß keiner, wer dieser Kerl gewesen ist“, sagt er lachend. So kam er dann ziemlich unorthodox mit den Jungs um Max Wiegand (Badger) zusammen. Doch nichts währt ewig und nach einiger Zeit sorgten künstlerische Differenzen und unterschiedliche Ansichten darüber, in welche Richtung sich die Band entwickeln sollte, für Spaltungen. Silas Herder musste die Band wieder verlassen. Schon hier kam ihm erstmals der Gedanke, es solo zu versuchen, um sein eigener Herr zu sein und seine eigenen Ziele verfolgen zu können. Dennoch führte ihn sein Weg erstmal wieder in eine andere Band, Niberu. Auch wenn ihm diese Zeit viel Spaß bereitete und er es besonders liebte, Live-Gigs zu spielen, hatte er das Gefühl zu stagnieren und sich musikalisch nicht weiterentwickeln zu können. Beruflich kam es ebenfalls zum Stillstand. Nach dem er das Abi und danach eine Ausbildung abbrach, blieb nur die Musik.

Von einem Tag auf den anderen entschloss er sich für einen radikalen Schritt: Ein Tapetenwechsel musste her. Er packte seine Sachen und brach auf nach Berlin. Erst hier konnte er sich kreativ entfalten und sich als Songschreiber versuchen. Die Band „Da“ gab ihm die Gelegenheit dazu und er hat es immer genossen, am Anfang der Konzerte die Band mit: „Wir sind Da“ anzukündigen, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Während seiner Zeit in Berlin arbeitete er in einem Jugendclub in Kreuzberg, der gleichzeitig ein Tonstudio samt Label beherbergte und ihm das Arbeiten mit seiner Leidenschaft ermöglichte. Irgendwann löste sich auch „Da“ auf, weil die einzelnen Bandmitglieder eigene Ziele verfolgen wollte. Nun wurde Silas Herder klar, dass er erneut etwas ändern und musikalisch eigene Pfade beschreiten musste.

So wurde aus dem Gitarristen der Songschreiber, der er heute ist. Angetan von dem Gedanken ungebunden zu sein, startete er erste Solo-Projekte. Da es aber ganz allein nur halb so viel Spaß macht, holte er zu seiner Unterstützung weitere Musiker mit ins Boot. Auch mit seinen ehemaligen Bandkollegen von Pilefunk fand er sich erneut zusammen, um ein Silas Herder Konzert im Rock Center in Bremerhaven zu geben. Selbstverständlich wurde Liedgut, das aus seiner Feder stammte, gespielt. Seine Vision Musik zu machen, trieb ihn weiter hinaus in die Welt. Für 14 Monate lebte er mit einem Freund auf Teneriffa. Sein Kumpel versuchte sich als Imker und stellte Honig her, um ihn zu verkaufen. Silas Herder folgte dem Beispiel seines Freundes und machte es ähnlich. Allerdings war sein Honig für die Ohren bestimmt. Daraus entstand auch das nach dem süßen Nektar benannte Album, das von den Eindrücken der Insel und ihren Bewohnern inspiriert ist und in gemeinsamen Jam-Sessions seine Form fand. Nach dieser Zeit verschlug es ihn erneut in Richtung der deutschen Hauptstadt, allerdings diesmal ins Umland nach Brandenburg in ein Bauernhaus im Nirgendwo. Hier arbeitet er zeitweise an einem Album mit Kinderliedern, das leider nie fertig gestellt wurde. Nach einiger Zeit in relativer Einsamkeit kam er mit neuen Ideen im Kopf wieder zurück in die alte Heimat.

In Bremerhaven unterrichtet er zurzeit Schüler im Fach Musik und realisiert Schul- und Theaterprojekte. Für seine Karriere als Musiker suchte er sich erneut Weggefährten, mit denen er seine Vision umsetzen konnte. In der Silas Herder Band stehen ihm Drummer Torben Janz (Kit und Klampfe) und Bassist Maximilian Buja zur Seite. In dieser Konstellation hat Herder, nach langem Ausflug in akustische Gefilde, auch wieder die E-Gitarre für sich entdeckt. Das Ergebnis gibt es auf der neuen Platte mit dem Titel: „Schwarze Schafe“ zu hören. Eine Kostprobe des neuen Materials bekomme ich bei einer kleinen Session nach unserem Gespräch zu hören. Wenn er spielt und singt, ist Herder ganz in seinem Element, das merkt jeder, der ihm lauscht. Auch wenn sein Leben bisher von ständigen Veränderungen geprägt ist, gibt es doch immer eine verlässliche Konstante: Die Musik und das damit einhergehende Streben nach den süßen Klängen, die kleben bleiben.



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