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// Gesellschaft
12.08.2019

Gesicht zeigen! Wer sind die Omas gegen Rechts?

Im Juni 2019 fand das Fest der Begegnung der Kulturen statt. Ausgeführt wurde es von dem Bremerhavener Verein „Dialog – Verein für gleiche Rechte“ in Kooperation mit dem Bündnis gegen Rechts: „Bremerhaven bleibt bunt“. Es fand auf dem Gelände des Vereins in der Hansastraße 2a in Bremerhaven statt. Jeder, der Lust hatte vorbeizukommen und mitzufeiern, war herzlich eingeladen. Hier konnte man auch den Omas gegen Rechts begegnen, eine Gruppierung, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, sich gegen faschistische Tendenzen zu stellen. Und das ohne Hass und Gewalt, sondern mit der Ruhe und Besonnenheit, die ein älteres Semester so mit sich bringt. Die Omas stehen für eine kreative Welle des Protests, welche Menschen in ganz Europa mitreißt.


Gesicht zeigen! Wer sind die Omas gegen Rechts? (Foto: Björn Gerken/LAUFPASS)

Gesicht zeigen! Wer sind die Omas gegen Rechts? (Foto: Björn Gerken/LAUFPASS)

Auch die Beverstedter Sängerin Andrea Türk ist eine solche „Oma“. Sie trat mit ihrer Band auf dem Fest auf. Die Texte der 52-jährigen sind laut und eindringlich. Und das müssen sie auch sein, um sich Gehör zu verschaffen. „Ich kann nicht mehr still sein“, singt sie. Ein Song der amerikanischen Sängerin Milck, der in der #metoo Bewegung entstand und dazu auffordert, sich gegen Ungerechtigkeit, Diskriminierung und Hass zu stellen. Andrea Türk hat einen deutschen Text dazu verfasst. Ein weiteres Lied aus dem Repertoire der Sängerin ist „Bella Ciao“. Ursprünglich wurde das Lied von italienischen Arbeiterinnen gesungen, welche die schlechten Bedingungen, unter denen sie arbeiten mussten, beklagten. Weltweit berühmt wurde das Lied im zweiten Weltkrieg durch die Adaption der italienischen Widerstandbewegung gegen den Faschismus und ist heute eine der Hymnen sozialdemokratischer und antifaschistischer Bewegungen.

Andrea Türk hat 2018 die Facebook Gruppe „Omas gegen Rechts Bremerhaven und Umzu“ erstellt, nachdem sie auf einer Demo in Bremen die Initiatorin der deutschen Omas gegen Rechts Gerda Smorra kennenlernte. Im Januar 2019 gab es bereits ein erstes Treffen der Omas in der Quartiersmeisterei in der Alten Bürger 190. Erste Aktionen fanden auf dem Beverstedter Regio Markt statt und mittlerweile sind fünfzig aktive Mitglieder dabei. Auch bei der Begegnung der Kulturen sind die Omas gegen Rechts anzutreffen, um sich mit anderen Menschen zu solidarisieren. Die Frauen berichten von den Anfängen der Initiative und welche Ziele sie damit verfolgen. Marion Hansen, Marie Pfeiffer, Evelyn Meyer, Dorothea Schulz, Marlene Vowe und Andrea Türk – sie alle haben schon als „Die Omas gegen rechts“ an Aktionen teilgenommen: vor der Europa- und Bürgerschaftswahl haben sie auf Wochenmärkten Gespräche geführt und zur Wahl aufgerufen, an Fridays for Future-Demos ebenso teilgenommen wie an den Mahnwachen der Seebrücke und des Bündnises gegen Rechts vor der großen Kirche. Und es soll weitergehen – auch bei der großen #ungeteilt-Demo in Kassel am 24. August sind sie dabei, mit Omas aus dem ganzen Bundesgebiet. „Alt sein heißt nicht stumm sein“ lautet die Devise, und „die ältere Frau ist im kollektiven politischen Bewusstsein nicht verankert“ - und das wollen sie ändern, indem sie Gesicht zeigen und laut sind!

Ihren Ursprung haben „Die Omas gegen rechts“ in Österreich. Ins Leben gerufen wurde die Initiative von der Psychotherapeutin und Pfarrerin im Ruhestand Monika Salzer. Angefangen hat das 2017 mit einer kleinen Facebook-Gruppe, die mittlerweile über 13.000 Mitglieder zählt. Auch in Deutschland wächst das Netzwerk immer weiter und jedes Bundesland und kleinere Teilregionen verfügen schon über Ortsgruppen – wie auch die Omas gegen Rechts aus Bremerhaven und Umzu. Sie sind eine überparteiliche Initiative mit dem Ziel, sich gegen rechtsradikale Strömungen zu stellen und für eine bunte Gesellschaft einzustehen. Dabei soll es auch darum gehen, nicht nur gegen das aufzustehen, was die Vielfalt einer offenen Gesellschaft bedroht, sondern vor allem diese Vielfalt zu fördern und zu unterstützen. Denn für die Omas ist es besonders wichtig „für die junge Generation eine bessere Zukunft zu schaffen“, sagen sie.

Dabei spielen auch die sozialen Netzwerke eine wichtige Rolle, denn sie helfen Gleichgesinnten, sich zusammenfinden und zu mobilisieren. Doch das Medium hat auch seine Schattenseiten: unter diversen Youtube Videos sind reißerische und boshafte Kommentare zu lesen. Unter manchen Videos wurde die Kommentarfunktion schon deaktiviert, denn wirkliche Diskussionen ersticken nicht selten an dem Übermaß aus Hass, der den Omas teilweise entgegenschlägt. Trotzdem lässt sich dieser Aspekt auch positiv betrachten, denn er zeigt, wie nötig Initiativen wie die Omas gegen Rechts sind.

In einem Artikel der Welt werden die Omas als „grauer Block“ bezeichnet, doch so ganz möchten sie in dieses politische Spektrum nicht eingeordnet werden. „Wir sind nicht alle links, aber auf jeden Fall gegen Rechts“, sagt Marie Pfeiffer. Die Omas sind ein bunter Haufen und die einzelnen Mitglieder kommen aus allen Bildungsschichten. Auch sind es nicht ausschließlich Frauen, die sich in der Initiative zusammengefunden haben, „und Enkelkinder muss man auch nicht unbedingt haben“, erklärt Dorothea Schulz. Aber nicht nur gesellschaftspolitisch sind die Omas aktiv, sondern auch klimapolitisch. Denn nur so können sie für ganzheitliche Lösungen einstehen, die ihrer Ansicht nach essentiell für eine bessere Zukunft seien. Deshalb machen die Omas auch bei den „Friday For Future“-Demonstrationen mit – Omas gegen Klimawandel sozusagen.

Wer selber gerne bei den Omas mitmachen oder sie unterstützen möchte, kann über die Facebook Gruppe „Omas gegen rechts Bremerhaven und Umzu“ oder über die Homepage www.omasgegenrechts-nord.de mit ihnen in Kontakt treten. Außerdem findet meist am ersten Montag eines Monats das Monatstreffen in der Quartiersmeisterei in der Alten Bürger statt. Auf der Homepage kann man die weiteren Termine und Aktionen einsehen. Die Omas freuen sich auf neue Mitglieder und darauf, sich gemeinsam für Demokratie, Menschenwürde und eine offene Gesellschaft einzusetzen – und gemeinsam Gesicht zu zeigen.

www.omasgegenrechts-nord.de


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