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06.11.2019

#7_Patrick Schäfer

Der schnellste Mann von der Nordseeküste


Patrick Schäfer (Foto: Ingmar Janner)

Patrick Schäfer (Foto: Ingmar Janner)

Als Patrick Schäfer im letzten Jahr in die Superbike-Meisterschaft einstieg, war das Erstaunen groß. Der Bremerhavener Motorsportler war in der Szene noch gänzlich unbekannt und fuhr von Anfang an Platzierungen in den Top 10. Und das, obwohl hier viele erfahrene und erfolgreiche Fahrer seit Jahren an den Start gehen – unter ihnen auch Deutsche Meister und WM-Lauf-Gewinner. Wer also war dieser Junge, der plötzlich vorne mitfuhr? Und das noch mit einem Motorrad, das weniger Leistung als die der meisten seiner Konkurrenten hatte?

Patrick Schäfer ist zweifellos ein großes Talent. Wer ihn fahren sieht, merkt sofort, dass hier Leidenschaft und fahrerisches Können zueinandergefunden haben. Bei einem freien Training auf dem Heidbergring in der Nähe von Hamburg konnte man erleben, wie er mit einer kleinen KTM 390 innerhalb von 20 Minuten das gesamte Fahrerfeld zweimal überrundete. Die Zuschauer waren sich einig: das ist Fahrkönnen von ganz besonderer Klasse.

Seine Erfolge in der ersten Rennsaison auf den großen Rennstrecken kommen nicht von ungefähr. Onkel Jörg und Vater Jens Schäfer sind selbst Rennsportler. Bereits mit acht Jahren saß Patrick auf der ersten Rennmaschine, eine Honda NSR 50. Ein Fahrzeug, das damals im ADAC Mini Cup eingesetzt wurde. „Ich habe aber immer nur trainiert und bin nie in Wettbewerben gefahren. Mein Vater fuhr Rennen in der Rollerklasse und ich nutzte jede Gelegenheit, um mit meinem Bike meine Trainingsrunden zu fahren.“ Als dann sein Vater vor zwei Jahren einen schweren Rennunfall erlitt und beschloss, aus dem Rennzirkus auszusteigen, nahm Sohn Patrick seinen Platz ein.

Über verschiedene zweitaktgetriebene Rennmaschinen führte ihn die wachsende Erfahrung von 50, 80, 125, 200 und Viertakter mit 390 ccm bis in die Literklasse. Heute fährt er eine RSV Mille von Aprilia. Ein Serienfahrzeug mit „nur“ 120 PS – deutlich weniger, als die meisten Konkurrenzfahrzeuge, die bis zu 170 PS leisten können. „Dafür“, sagt Patrick Schäfer, „ist meine Maschine sehr standfest und nicht reparaturanfällig.“ Die fehlenden PS versucht Schäfer durch fahrerisches Können, eine gute Vorbereitung und eine optimale Fahrwerkseinstellung auszugleichen. „Es macht schon Spaß, mit einer leistungsmäßig unterlegenen Maschine vorne mitzufahren“, sagt er lachend.

Am Ende der gerade abgeschlossenen Saison hatte Patrick Schäfer eine gute Begegnung mit einem Konkurrenten aus der Superbike-Serie. Der deutsche Unternehmer, der unter dem Namen Philipp Messer antritt, fährt in der Superbike- Meisterschaft eine Ducati 916 SPS, verfügt aber auch über Rennmaschinen von KTM. Gemeinsam mit Patrick Schäfer nahm er am Bridgestone 100 Langstreckenrennen teil, bei dem sich die beiden als Team hervorragend platzieren konnten: im ersten Lauf Platz 1, im zweiten Lauf Platz 3. Auch in der Pro Thunder Open beim Biketoberfest in Oschersleben konnte Schäfer mit den Plätzen 2 und 3 auf der KTM erneut auf sich aufmerksam machen.

„Die Zusammenarbeit mit Philipp Messer hat mir sehr viel Spaß gemacht und ich habe extrem viel von ihm gelernt. Das Streckenmanagement und die Vorbereitung spielen eine große Rolle. Man muss sich seine Bremspunkte suchen und festlegen. Wo bremse ich, wo lege ich die Maschine um, wo beschleunige ich – je besser ich die Strecke in meiner Vorbereitung im Kopf habe und meine wichtigen Punkte verinnerliche, desto schneller bin ich im Rennen.“

Rund sieben bis zehn Rennen fährt Schäfer in der Saison. Auch über eine Teilnahme am legendären Bremerhavener Fischereihafenrennen hat er bereits häufig nachgedacht. „Es wäre sicher interessant, einmal mitzufahren – sollte das Rennen überhaupt noch einmal stattfinden. Aber die Strecke ist nicht ohne. Anders als auf den ganzjährig als Rennstrecken betriebenen Kursen sind die Sturzräume im Fischereihafen sehr klein oder gar nicht vorhanden. Wer hier mit hoher Geschwindigkeit abfliegt, tut sich mit ziemlicher Sicherheit richtig weh. Die Weitläufigkeit der echten Rennstrecken ist da ein großer Sicherheitsvorteil. Na ja – und meine Eltern würden es auch nicht gerne sehen, wenn ich da mitfahren würde. Aber jucken tut es mich natürlich schon …“

Wer mit einem Motorsportler zusammenlebt, muss sich mit den Risiken dieser Sportart abfinden. Das gilt für die Eltern, aber auch die engsten Freunde. Patrick Schäfers Lebensgefährtin begleitet ihn oft zu seinen Rennen und Trainings. „Es ist toll, dass sie mich mit meiner Leidenschaft für den Motorsport so unterstützt.“

In der aktuellen Superbike-Meisterschaft (Super Bike Klassik 90) wurde Schäfer in diesem Jahr Gesamtdritter. In der European Moto Classics erreichte er ebenfalls einen exzellenten 3. Platz. Mit seinen Teamerfolgen mit Philipp Messer und den sehr guten Platzierungen in der Thunder Open bewies er seine Qualitäten. Er hat das Zeug, auch in anderen Klassen erfolgreich zu fahren – auch unter Profis würde der 23-jährige eine gute Figur machen. „Das wäre schon eine schöne Sache – aber der Rennsport ist teuer und Sponsoren zu finden, ist nicht einfach.“ Die Teilnahme am IDM Twin Cup kostet pro Saison etwa 25.000 Euro. Im Moment finanziert Patrick Schäfer seine Superbike-Saison mit Unterstützung von seinem Vater privat. Vielleicht wird aber schon bald ein Team oder ein Sponsor auf ihn aufmerksam. Verdient hätte er es, der schnellste Motorradfahrer aus dem Norden.

Patrick Schäfer
Geboren 26.09.1996
Geburtsort: Bremerhaven
Klasse: Superbike 90
Bridgestone 100 Langstrecke
Thunder Open
Motorrad: ApriliaRsv Mille
Erfolge: Superbike 90 Platz 3
European Moto Classics Platz 3
Bridgestone 100 im Team mit Philipp Messer Plätze 1 und 3


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