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04.02.2020
Von: bg

Ist nicht wahr?! Mimikama klärt Nutzer von sozialen Medien über fragwürdige Inhalte auf

Falschmeldungen zu entlarven, ist sein Beruf: Andre Wolf ist Mitarbeiter beim „Mimikama-Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch“. Nach mehreren Semestern Theologiestudium und einigen Jahren Berufserfahrung als Verantwortlicher für Medien und Kommunikation, ist nun die Analyse von Internetinhalten, speziell der sozialen Medien, Wolfs Fachgebiet.


Mimikama wurde 2011 von Thomas Wannenmacher gegründet, nachdem er selbst 2011 auf einen Betrug hereingefallen war und feststellte, dass es keine Internetseite im deutschsprachigen Raum gab, die sich mit Falschmeldungen und Betrügereien auseinandersetzt, um Nutzer aufzuklären. „Ursprünglich ging es lediglich darum, kleine Fakes oder Betrugsgeschichten aufzudecken, die bei Facebook so geteilt wurden. Im Laufe der Jahre ist Mimikama jedoch entsprechend gewachsen und das Themenfeld ebenso größer geworden. Neben Falschmeldungen, Hoaxes und urbanen Legenden warnt Mimikama nun auch vor Malware, wie Viren, Trojanern und so weiter – deckt aber auch Manipulationen und Desinformation auf“, erklärt André Wolf, Content und Social Media Koordinator bei Mimikama. Auf dem eigenen Blog werden diese Inhalte dann aufbereitet und veröffentlicht. Daraus hat sich auch die Initiative „Zuerst denken, dann klicken“ (ZDDK) entwickelt. Eine Facebook-Gruppe, deren Mitglieder vermeintliche Falschmeldungen ausfindig machen und deren Inhalte auf ihren Wahrheitsgehalt prüfen.

Mimikama ist aber nicht nur mit der Aufklärung diverser Meldungen beschäftigt, sondern auch in der Medien-Bildung tätig und bildet Menschen in Bereichen wie Social Media, Faktenprüfung und im Umgang mit digitalen Medien weiter. Schwerpunkt ist hierbei auch die Ausbildung von Multiplikatoren, wie zum Beispiel Lehrer und Lehrerinnen, um Medienkompetenz zu schulen und diese auch an die Kinder weiterzugeben. Darüber hinaus ist Mimikama mit Workshops und Vorträgen an Hochschulen tätig. Zusammenfassend ist das Ziel von Mimikama der Schutz von Nutzern und Nutzerinnen auf diversen Social Media Kanälen, wie zum Beispiel Facebook.

Wie arbeitet Mimikama? Wie kann man sich den Ablauf einer Überprüfung oder Recherche vorstellen? „Der redaktionelle Part auf Mimikama ist recht einfach erklärt: Wir suchen nicht nach Falschmeldungen, sondern über unsere Kommunikationskanäle reichen Nutzerinnen und Nutzer uns Inhalte ein. Entweder mit einem Hinweis, dass es sich um einen Fake handelt oder mit einer Anfrage, weil sie sich nicht sicher sind. Darauf reagiert unser ehrenamtliches Rechercheteam entsprechend und trägt zunächst alle greifbaren Informationen zusammen, beziehungsweise befragt Experten, Sachverständige und Behörden zur tatsächlichen Situation. Aus dem heraus werden dann unsere Redakteure aktiv und verfassen einen Artikel, den wir zunächst auf der Webseite publizieren und danach auch in den sozialen Medien verlinken“, erklärt Wolf.

Seit der Entstehung von Mimikama hat sich der Verein mit den verschiedensten Internet-Phänomenen auseinandergesetzt, zwei Fälle sind Wolf dabei besonders in Erinnerung geblieben: „Es gibt viele Geschichten, die es zu erzählen gäbe. Besonders spannend ist dabei die „Anonymous.Kollektiv-Geschichte“, die man schon fast verfilmen könnte, aber auch der Kampf gegen die Momo-Hysterie in den letzten Jahren war ein Thema, was einen zwar fast verzweifeln ließ, jedoch unheimlich wichtig war“, sagt Wolf.

Die Momo-Challenge ist ein Kettenbrief, der per WhatsApp verschickt wurde und seit einigen Jahren Kinder in Angst und Schrecken versetzt. Halb Frau, halb Vogel mit großen verstörenden Augen fordert Momo, den Empfänger der Nachricht auf, sie weiterzuschicken, ansonsten sei die körperliche Unversehrtheit in Gefahr. Darin steht:

Hallo ich bin Momo und bin vor 3 Jahren verstorben. Ich wurde von einem Auto angefahren und wenn du nicht möchtest das ich heute Abend um 00:00 Uhr in deinem Zimmer stehe und dir beim Schlafen zuschaue, dann sende diese Nachricht an 15 Kontakte weiter.“ (Quelle: Watson.de)

Bei der Momo-Figur handelt es sich um eine Skulptur des japanischen Künstlers Keisuke Aiso mit dem Titel „Mother Bird“. Der Erschaffer, dessen Werk für diese Nachrichten missbraucht wurde, teilte diversen Medien mit, dass er mit seiner Arbeit niemandem schaden wollte und sie bereits zerstört hat, berichtet Mimikama.

Manche Menschen machten sich einen Scherz daraus, diese Kettenbriefe per WhatsApp in Umlauf zu bringen und damit Kinder zu ängstigen. Daraus entwickelte sich die sogenannte Momo-Challenge, bei der Kindern den Aufforderungen, die in der WhatsApp Nachricht zu lesen sind, nachgehen sollten. Durch die starke Verbreitung der Nachrichten und die anschließende Behandlung in den Medien schaukelte sich die Geschichte immer weiter hoch. Auch bei Kindern beliebte Youtuber griffen das Thema auf, um durch die Aufmerksamkeit ihrer meist jungen Community Likes und Klicks zu generieren. Neuerdings verbreiten sich die Momo-Nachrichten neben WhatsApp auch in den Chatrooms von Videospielen wie Minecraft und Fortnite.

Ein weiteres Beispiel der Arbeit von Mimikama ist ein Fall der im Zusammenhang mit der Facebook Gruppe „Anonymous.Kollektiv“ steht. Nicht zu verwechseln mit dem tatsächlichen Anonymous-Netzwerk. Das Kollektiv hat mit der wirklichen Netzaktivisten-Bewegung außer dem Namen nur wenig gemein und Themen wie Informationsfreiheit und Internetzensur fristeten nur ein Schattendasein. Hauptsächlich verbreitete das Kollektiv rechtsradikales Gedankengut in Form von Falschmeldungen, Verleumdungen, Hetze und Verschwörungstheorien im Netz. So erklärten die Verantwortlichen den Anschlag auf Charlie Hebdo 2015 als eine angebliche Tat von Geheimdiensten im Interesse der USA oder stellte die Flüchtlingskrise in Europa als eine von den USA gesteuerte Flüchtlingsinvasion dar, wie die Zeit am 6. Juni 2016 berichtete. Fast zwei Millionen Likes hatte die Seite gesammelt bis sie von Facebook gesperrt oder von ihren Betreibern gelöscht wurde.

Einer der Administratoren Mario Rönsch betrieb auch nebenbei einen Online-Shop namens „Migrantenschreck“, der sich dem illegalen Waffenhandel verschrieben hat. Gegen wen sich diese Bewaffnung richtet, ist durch den geschmacklosen Namen selbsterklärend. Neben dem rechtspopulistischen Magazin Compact wurde auch „Migrantenschreck“ vom Anonymous.Kollektiv aktiv mit Posts beworben. Auch hier berichtete Mimikama und deckte mögliche Zusammenhänge auf. Daraus entwickelte sich ein Schlagabtausch, bei dem mehrere Versuche unternommen worden sind, den Verein zu diskreditieren. So wurde im Impressum von „Migrantenschreck“ beispielsweise die Adresse des Sitzes von Mimikama angeben und Wolf und Wannenmacher als Betreiber ausgewiesen, was nicht den Tatsachen entsprach. Im Mai 2016 wurde Mimikama vom Anonymous.Kollektiv unterstellt, Geldbeträge von Spiegel, ARD und Vice erhalten zu haben. Dies sollte mit einem Kontoauszug belegt werden, der sich allerdings wenig später als gefälscht herausstellte. Gegen den Betreiber Mario Rönsch wurde in mehreren Fällen Anklage erhoben – ohne die Arbeit von Mimikama wäre es höchstwahrscheinlich nie dazu gekommen. Das ist ein Beweis, wie wichtig Aufklärung im Netzt ist, da viele Falschmeldungen kursieren und verbreitet werden, dabei aber alles andere als wahr sind.

WWW.MIMIKAMA.AT
WWW.FACEBOOK.COM/ZDDK.EU/


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