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// Musik
15.02.2011
Von: gbm

Golly & Radio 73 - Funk vom Feinsten und noch viel mehr

Michael Schanze lächelt sein kinderfreundlichstes Breitwandlächeln, als der 5-jährige Vincent Golly beim Casting der TV Sendung „Kinder Quatsch“ mehr Töne vergeigt, als das vorgetragene Lied eigentlich hat. Er darf trotzdem singen und mitmachen, Initiatorin und Begleiterin Urgroßmutter Elfi freut’s und es ist der Start einer außergewöhnlichen, musikalischen Karriere in halsbrecherischem Tempo für den 1993 in Bremerhaven geborenen Vincent.


Golly & Radio 73 - Funk vom Feinsten und noch viel mehr

Golly & Radio 73 - Funk vom Feinsten und noch viel mehr (Foto: LAUFPASS)

Schweißtreibendes Dauerfeuer auf Mamas Kochtöpfen zum DVD Live Konzert seines Vorbildes Phil Collins, musikalische Früherziehung in einer Bingo-Bongo-Gruppe und dann sofort in die Musikschule zum Schlagzeugunterricht beim Suntana Drummer Bob Renner. Mit Siebenmeilen-Stiefeln ab in die Welt der Musik. Was Vincent da vielleicht noch nicht realisiert, seine Eltern stecken es ihm. Getrommel allein reicht nicht aus, um Texte zu schreiben oder Schilder lesen zu können. Nichts ist also erst einmal wichtiger als der Unterricht im Lloyd Gymnasium, wo er momentan in der 12. Klasse den Stoff für das Abitur trommeln, ähm, pauken muss. Sich seinem Traum aber Schritt für Schritt zu nähern, das ist absolut erlaubt. Und Vincent ist ein typischer Macher mit Teamgeist, selbstlos mit einem gesunden Schuss Egoismus, selbstkritisch genug zu wissen, dass er viele Talente in sich vereinigt, keines aber vollständig beherrscht. Es muss immer etwas passieren, Stillstand ist Rückgang.

Die erste Combo nennt sich NeaterrA, was ein bisschen nach Neuland klingt, das große „A“ für Anfang stehen könnte, also durchaus passend. In erster Linie ist Vincent nun zwar für den Groove zuständig, aber als seine Sängerin mit eigenen Texten daher kommt, kümmert er sich auch um eingängige Melodien. Zeitgleich wird er bei den Prayers & Preachers von Vivian Glade aktiv, schaut der Pianistin auf die Finger, hamstert ein paar Akkorde, die wiederum seiner Band in umgewandelter Form zugute kommen. Theorie in der Musikschule, Praxis am Instrument sind wichtig, bringen aber nicht unbedingt Ideen für eigene Songs. Die kommen ihm auf dem Nachhauseweg von der Schule oder mitten in der Nacht. Völlig losgelöst von kommerziellen Gedanken, ergibt sich Vincent seiner Vorliebe für Funk und Soul. Er hat es sich nicht ausgesucht, dieses Genre hat ihn gefunden. Jazz gehört eigentlich auch dazu aber das Verständnis, diese Richtung musikalisch umsetzen zu können, muss erst noch kommen. Im Grunde alles was Geräusche macht, steht auch auf der Liste aber sekundär und hauptsächlich für den heimischen CD Player. Im September 2009 ist die Zauberzeit für NeaterrA vorbei.

Auf zu neuen Ufern, denn das starke Bedürfnis, sein aktuelles Material auf die Bühne zu bringen, lässt den Gymnasiasten nicht los. Den Live Kick genießen, Seelen verzaubern mit seiner Band, Jeans in Flammen. Kritisches Publikum sagt ihm am ehesten, was seine Lieder wert sind. Im Handumdrehen akquiriert er eine „neue“ Besetzung mit Marco Kabelitz an der Gitarre, Simon von Glahn am Bass und weil er singt und selbst am E-Piano sitzen möchte, kommt Dauerfreund Dominic Harrison an die Felle. Dessen Vater Pete, Hornist am Stadttheater, ist von der Formation beeindruckt und so begeistert, dass er den Kollegen Krisztian Jambor samt Trompete mitbringt. Die Horn Sektion kann aus beruflichen Gründen nicht jedes Konzert mitspielen aber wenn, dann kommt zu den fetten Grooves der Vier ein strahlender Satz Halali Funk. Für den Harmoniegesang wird die 16-jährige Jasmin Flathmann ins Boot geholt. „Ein gnadenloses Talent“, schwärmt Vincent, „die mich ohne Anstrengung in Grund und Boden singen könnte.“ So denkt er auch über die Qualitäten der Mitstreiter, die, wie er, authentisch und echt auf der Bühne das abfeiern wollen, was sie wirklich fühlen. Ohne sie würde wohl nur wenig gehen.

Kräftigen Rückenwind bekommt er von seinen Eltern, ob nun Mama als Schlagzeug-Taxi, Papa als P.A. Konstrukteur, da ist Zuspruch ohne Ende. Golly und Radio 73, so der Bandname, sind eine große Familie. Geprobt wird zwischen Kleiderschrank und Schreibtisch im eigenen Zimmer, alle Gains am Limit nach dem Motto: Es klingt nur wenn es leuchtet. Verständnisvolle Nachbarn, mit ängstlichem Blick auf Eigenleben entwickelnde Dachpfannen, machen die letzten Ecken rund. Überall riecht’s mächtig nach Musik und Selbstbewusstsein, und das wird auf der aktuellen CD „Irgendwie immer“ absolut deutlich. Viel Vielfalt lässt auch ein bisschen Unentschlossenheit auf dem Silberling zu, bietet dem Hörer aber auch Freude am Entdecken versteckter Pfade. Produktion und Songs, alles von ihm aber ohne seine Freunde von Radio 73, die er für die Größten hält, geht’s nicht auf die Bühne. Und nach der sind alle süchtig wie nach der Luft zum Atmen.


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