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// Musik
06.08.2018

Metal-Maulwürfe machen alles platt

Mit etwas Glück erwischt man bei Konzerten einen Platz direkt hinter, neben oder vor dem Mischpult. Das ist gut für Stereo und gut für die Ohren. Bei Metalbands versteht man aber auch dort nicht unbedingt, was der Sänger inhaltlich sagen möchte, es sei denn, man kennt das Libretto. Bei den Metallern von De Winnewupps aus der Gemeinde Stadland ist das noch eine Nummer schwieriger. Es setzt entweder voraus, dass Kenntnisse der plattdeutschen Sprache vorhanden sind, oder man moscht einfach weiter.


De Winnewupps

De Winnewupps (Foto: photochocolat)

Thorben Scholz (Gesang), Tammo Gollenstede (Gitarre), Patrick Frerichs (Schlagzeug) und Matthias Ilse am Bass kennen sich schon lange und gut genug, um auf dem Polterabend eines Freundes, auf dem eher mit Bleikrügen statt mit Porzellan geworfen wird, an einem Tisch zusammen zu sitzen. Überflüssig zu erwähnen, dass sich ihre Gespräche weniger um Trauringe und Kirchenchoräle der bevorstehenden Hochzeit am nächsten Tag drehen. Von bester, hochprozentig begossener Laune beflügelt, verrät Patrick den Tischgenossen seinen immer wiederkehrenden Traum von einer Metal-Rockband mit plattdeutschen Texten. Schließlich seien sie doch zuhause alle tagein und tagaus mit dieser Mundart konfrontiert worden, werden es noch, und dadurch irgendwie mit ihr verwurzelt. Zudem sei es doch eine tolle Sache, die vom Aussterben bedrohte Sprache am Leben zu erhalten.

Diese geniale Symbiose aus altem Sprachgut und moderner Musik bringt begeisterten Glanz in die Augen seiner Kumpel und ist somit beschlossene Sache. Da Metaller mit Vorliebe in schwarzer Kluft auf die Bühne gehen, ist auch der Name schnell gefunden, De Winnewupps (Die Maulwürfe). Im eigenen Proberaum wird gebuddelt, was der Spaten hergibt. Eine Gesangsanlage wird aus der privaten Tasche fi nanziert. Instrumente und Backline waren ja sowieso schon aus Tagen mit anderen Formationen vorhanden. Die werden dann in Privatwagen zu den Gigs gekarrt. Meistens sind P.A. Anlagen bei ihren Konzerten vor Ort. Falls nicht, na gut, dann muss eben Großvaters Viehanhänger herhalten.

Das Quartett orientiert sich nicht an der Blindheit ihres Namensgebers, sondern an der Tugend seines Fleißes. Jede Komposition wird sofort im Heimstudio festgehalten und für das erste Album „He mööt swatt ween“ archiviert. Der nächste Schritt: Veranstalter angraben, sich bewerben, und sich entgegen der Art des kleinen unterirdischen Wühlers bei Live-Auftritten zeigen. Diese Kombination aus heftigem, ungebremstem Breitwandrock und heimatlichem Platt schlägt ein wie der Blitz. Eine Bühnenshow muss nicht geprobt werden. Jede Bewegung ergibt sich aus harten Rhythmen der elektrischen Schneidbrenner und des Schlagzeug- Gewitters. Das ist natürlich, volksnah und kommt bei den Leuten, die da unten genauso ekstatisch zucken, tierisch gut an.

De Winnewupps schaffen es ohne großen Anlauf, 2017 auf dem Plattsounds- Contest in Celle ihre Konkurrenz hinter sich zu lassen. Dieser 1. Platz ruft logischerweise Veranstalter auf den Plan und lässt ebenfalls neue Kontakte zu anderen Bands knüpfen. Das Kosmopolit Records Label in Berlin, bei dem auch andere plattdeutsch singende Formationen untergebracht sind, nimmt sie unter Vertrag. Der erste Gang ans Licht des Erfolges ist freigeschaufelt. Nach ihrem großartigen Auftritt beim Seestadtfest 2018 wird Bremerhaven bis zum nächsten Mal noch etwas auf sie warten müssen. Jetzt stehen erst einmal das Pixxen Festival in Leer am 25. August, der Local Heroes Bandcontest in Hannover am 8. September, und Plattsounds in Leer am 20. Oktober im Terminkalender. Es heißt also: weitermachen mit Weitermachen. Dann dauert es auch nicht mehr lange, und die Wiese von Wacken kann genommen werden. „Man wird ja wohl noch träumen dürfen“, sagen die überirdischen Vier.

WWW.DE-WINNEWUPPS.DE


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