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// Musik
15.02.2011
Von: gbm

Musikszene Bremerhaven - Erst die Bühnen, dann die Bands?

In zunehmendem Maße sammeln sich die Nachrichten über Bremerhavener Bands, die sich auflösen oder in eine andere Stadt abwandern. Nachdem der Rock Cyclus Bremerhaven e.V. in den vergangenen Jahren mit mehreren Veranstaltungen auf das Bühnensterben in Bremerhaven aufmerksam machte, verschwinden nun reihenweise Bands aus dem einst so reichhaltigen Pool der lokalen Szene. Wieder ist es der gemeinnützige Musikerverein, der diese Bewegung besorgt verfolgt. Nicht, weil ihm die Mitglieder weglaufen, eher weil diese Tatsache Anlass genug ist, sich eingehend mit dieser beängstigenden Situation auseinanderzusetzen.


Musiker müssen sich ausprobieren, in der Öffentlichkeit präsentieren. Nichts ist tödlicher für das Bestehen einer Band, als eine potentielle Karriere im Proberaum abwartend abzuarbeiten. Das betrifft vorwiegend junge Künstler mit eigenem Material, müssen sie sich doch austoben, der Konkurrenz stellen können und sich an ihr messen. Der Rock Cyclus machte eindringlich darauf aufmerksam, dass die Bremerhavener Musikszene am ausgestreckten Arm verhungert.

Nacheinander, für Außenstehende fast unbemerkt, wurden unzählige Auftrittsmöglichkeiten einfach eingestampft. Im letzten Jahr wanderte die Erfolg versprechende Formation Pilefunk (jetzt: This could be yours) nach Berlin ab, junge Talente wie „Fucking in Champagne“ nach Bremen, die Rock’n’Roller von Sandy and the Ducktales lösten sich auf, wie auch Seasons of Time, Scull & Crossbones, Give oder Forgotten Sickness, um nur einige zu nennen. Scamp, Whaka, L.A. Jam sind durch Mitgliederverluste ins Trudeln geraten, weil es für ihre Genres in der Seestadt so gut wie keinen kompatiblen Ersatz gibt und die Heavy Metal Jungs von Roughcast gaben am 15. Januar ihr Abschiedskonzert im „Yesterday“. Manchmal genügt es schon, wenn ein einzelner Musiker die Band aus Resignation verlässt. Natürlich mögen mehrere Gründe eine Rolle spielen, aber meistens geht es um Unzufriedenheit über schlechte, teilweise herablassende Behandlung, fehlende Erfolgserlebnisse, schwer finanzierbare Kosten für Instrumente, Verstärker, Transport.

Bremerhaven ist für viele Musiker nicht mehr interessant. Die Schule hinter sich gelassen mit bestandenem Abitur, führt der Weg in eine andere Stadt wegen des Studiums, oder wegen eines Wechsels des Arbeitsplatzes. Ein trügerisches Aushängeschild? Eine gute funktionierende Band kann ein Standortfaktor für die Mitglieder sein. Deutliche Worte kommen von Dirk Berger, der Seasons of Time vor etwa 17 Jahren gründete: „Es ist sehr traurig, miterleben zu müssen, wie ignorant und unwürdig junge Musiker oder aufstrebende Bands von manchen Veranstaltern immer wieder behandelt werden. Eine lieblos hingestellte Bühne, ein Bierwagen, an einer Hand abzählbares Publikum, das mit der Band leidet, weil der Mann am Mischpult aus Unkenntnis den Sound nicht in den Griff bekommt. Ein versierter Mann steht Newcomern oder No Name Bands nicht zur Verfügung. Der Zeitplan verschiebt sich, wie im Jahr zuvor, um ein bis zwei Stunden nach hinten, und nicht einmal eine kostenlose Selters als gedachtes Bier, um den Ärger runter spülen zu können. Eine gewisse Zeit sagst du dir, da musst du eben durch, jeder Anfang ist schwer. Aber irgendwann fühlst du dich verheizt und verarscht, spielst du zudem noch, wie viele andere auch, ohne Gage. Dann den Eindruck durch die hohle Hand vermittelt zu bekommen, „sollen sie doch froh sein, dass sie überhaupt spielen dürfen“, macht es nicht gerade besser. Hinzu kommen mangelnde Auftrittsmöglichkeiten wegen eines Repertoires mit eigenen Kompositionen. Das ist weniger geeignet für Saufgelage, fördert also nicht den Umsatz wie bei Coverbands, die mit ihren reproduzierten Hits zum Mitgrölen animieren. Nichts gegen diese Form der Darbietung, aber sollen wir deshalb mit unseren Songs im Keller bleiben oder aufhören?“

Da sei die Frage gestattet: Machst du eigentlich noch Musik? Für Pilefunk war es, unter anderem ein guter Grund zu gehen, weil ihr vorhandenes Publikum, und das noch zu erobernde, es auch scharenweise tat, weil in nahegelegenen Städten das musikalische Angebot für Bands mit eigenem Material durch Kulturstätten vielfältiger ist. Die zunehmende Arbeitslosigkeit in der Seestadt allein für das Abwandern von Zuhörern oder Künstlern vorzuschieben, wäre Augenwischerei. Es ist erwiesen, dass Kultur in jeder Form das Wachstum der Wirtschaft fördert. Sei es wie es sei, das Jammern hilft nichts, Aktionen punkten. Neben der dankbar angenommenen „Meer Rock“-Serie, plant der Rock Cyclus für Samstag, 14. Mai, ein Open Air Konzert mit mehreren Bands im Spielpark Leherheide. Es soll erst einmal ein Test sein, wie dieser Schritt angenommen wird. Gibt es ausreichend Resonanz, steht dort im Sommer 2011 ein größeres Event in Aussicht. Wie das Wetter wird? Wetter gab’s mal.


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