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// Kunst
15.05.2019

Um Luft zu schnappen

Die fantastischen Bildwelten von Norbert Schwontkowski


Norbert Schwontkowski | „FLAMINGO“, 2009 (Foto: Jochen Littkemann)

Norbert Schwontkowski | „FLAMINGO“, 2009 (Foto: Jochen Littkemann)

Eine Pier, die das Meer überblickt. Das Brechen der Wellen schafft ein vertrautes Rauschen. Nur das unregelmäßige Kreischen der Möwen unterbricht die Monotonie. Am Rand der Pier steht ein Münzfernsprecher. Der Hörer ist nicht richtig aufgelegt und baumelt, nur vom Kabel getragen, hin und her. Die Person, die hier zuvor telefonierte, scheint in Eile aufgebrochen zu sein. Was veranlasste sie dazu? Hatte sie eine gute oder eine schlechte Nachricht erhalten? Mit solchen Fragen sehen sich Betrachter konfrontiert, die sich mit den Arbeiten des Bremer Malers Norbert Schwontkowski auseinandersetzen. Dabei schüren die melancholisch anmutenden Bildthemen die Sehnsucht nach Veränderung.

Am 29. April 2019 wäre der Künstler 70 Jahre alt geworden. Erst spät in seinem Leben wurde ihm und seinem Werk die Aufmerksamkeit und Anerkennung zu teil, die ihm zusteht. Schwontkowksi vermengt in seinen Arbeiten Alltägliches und Absurdes miteinander und kreiert dabei surreale Bildwelten, deren Schönheit und Tiefgründigkeit ihn zu einem der bedeutendsten norddeutschen Vertreter der zeitgenössischen figurativen Malerei machen.

Geboren und aufgewachsen ist Norbert Schwontkowski 1949 in Bremen-Blumenthal. Er studierte Anfang der 70er Freie Malerei an der Hochschule für Gestaltung in Bremen und der Hochschule für bildende Künste in Hamburg. 1973 hatte er seine erste Einzelausstellung bei der Kunstschau Böttcherstraße in Bremen. Es folgten weitere Einzel- und Gruppenausstellungen. 1994 erhielt er den Bremer Kunstpreis und den Overbeck-Preis für Bildende Kunst. Neun Jahre später, in 2003, stellte er, anlässlich des hundertjährigen Vereinsjubiläums des Deutschen Künstlerbundes, in der Bonner Bundeskunsthalle mit anderen namhaften Künstlern, wie Bjørn Melhus, Harald Naegeli und Susanne Weirich, aus. Schwontkowski hatte Lehraufträge für Malerei in Bremen, Greifswald, Braunschweig und Hamburg. Er starb am 14. Juni 2013.

In einem Interview mit dem Hamburger Kunstverein kurz vor seinem Tod gab Schwontkowski einen Einblick in seinen Schaffensprozess: Er arbeitete meist ohne Konzept, nach Tageslaune und dem, was in seinen mehr als 200 Skizzenbüchern zu finden war. So entstanden die Bildideen, die er später in Malerei umsetzte. „Ich male nicht nach Fotos, ich male nach meiner inneren Empfindung. Diese verblassende Erinnerung ist Thema und Inhalt meiner Malerei“, sagte der Künstler. Mit einer reduzierten tonigen Farbpalette malte er ununterbrochen und trat dabei nur selten von der Leinwand zurück. Denn die Arbeiten sind nie fertig gedacht, sondern entwickeln sich mit jedem Pinselstrich. Schicht für Schicht entstehen diese Arbeiten und nehmen Gestalt an. Das Skizzenbuch dient ihm dabei als Inspirationsquelle und bildet die Grundlage für die, aus seinen Erinnerungen gespeisten Bildwelten.

So auch bei der Arbeit „Flamingo“ von 2009. Auf der Leinwand ist eine Industrielandschaft zu sehen, die sich aus bekannten Strukturen wie Kesseln, Treppen, Rohren und Schläuchen zusammensetzt. Im Vordergrund fischen Flamingos in einem matschigen Morast nach etwas Essbaren. Die Vögel sind nur durch ihre typischen Silhouetten zu erkennen, da das grelle Scheinwerferlicht der Industrieanlagen den Betrachter blendet. Wieso Flamingos? Während er malte wollte er der dystopischen Industrielandschaft einfach etwas Paradiesisches gegenüberstellen – ein wirkliches Konzept gab es nicht. Anlässlich seines 70. Geburtstags widmen zwei Häuser dem Künstler eine Ausstellung. Bereits am 28. April startete die Ausstellung „Norbert Schwontkowski – aus Bremerhavener Sammlungen“ in der Kunsthalle Bremerhaven. Die sich, wie der Titel bereits verrät, aus ausgewählten Werken von Bremerhavener Sammlern zusammensetzt. Begleitet wird die Ausstellung von einem gelungenen Rahmenprogramm mit Sammlergesprächen und Radiointerviews des Künstlers. Am 30. Juni zeigt die Kunsthalle Worpswede im Barkenhoff die Ausstellung „Norbert Schwontkowski – Gemalte Poesie“. Die ausgestellten Arbeiten stammen aus der Sammlung des Bremer Galeristen-Ehepaars Seinsoth.

Kunsthalle Bremerhaven
Norbert Schwontkowski | Aus Bremerhavener Sammlungen
28. April – 16. Juni 2019

Kunsthalle Worpswede, Barkenhoff

Norbert Schwontkowski – Gemalte Poesie | Die Sammlung Seinsoth
30. Juni bis 3. November 2019


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