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// Gesellschaft
15.05.2011
Von: vc

112 – Helfer in der Not: „Jeder braucht irgendwann einmal einen dieser mutigen Menschen.“

Im Hauptberuf ist er als Geschäftsführer für den Energieversorger swb in Bremerhaven zuständig. Sein berufliches und persönliches Wirken in der Region reicht jedoch viel weiter: Er ist einer der Väter des Rockcyclus e.V., mit dem seit vielen Jahren die regionale Musikszene gefördert wird, Veranstalter der besten Jazz-Events in der Region und Förderer des Breiten- und Leistungssports mit großer Leidenschaft für das Eishockey. Doch wenn Jörn Hoffmann über die Feuerwehr spricht, leuchten seine Augen auf ganz besondere Weise.


Als Stadtrat ist Jörn Hoffmann für das Dezernat XI zuständig und damit auch für die Feuerwehr. Das ist hörbar mehr als ein Job, es ist ihm ein persönliches Anliegen. „Ein Mutiger braucht Ermutiger“, zitiert er Wolff Biermann und benennt damit seine Motivation. „Jeder Mensch braucht irgendwann einmal einen dieser mutigen Menschen, einen, der für ihn durch das Feuer geht, einen Sanitäter, einen Notarzt, einen Taucher. Jeder bekommt einmal Kontakt zu Feuerwehr und Rettungsdienst.“ Hoffmann interessieren besonders diese Berufe, hinter denen auch eine Überzeugung steht und ein solidarischer Gedanke. „Hilfsbereitschaft ist auch eine Position meines gesellschaftlichen Selbstverständnisses als Sozialdemokrat.“

Die Mutigen zu ermutigen, bedeutet für Hoffmann, sich um viele Themen zu kümmern. Strukturen organisieren, Netzwerke knüpfen, Mittel beschaffen, Kooperationen herstellen, die Zukunft von Rettungsdiensten und Feuerwehr gestalten. Dafür hat er bald mehr Zeit, denn seinen Job als swb-Geschäftsführer beendet er planmäßig in einigen Monaten. Was steht aktuell auf seiner Agenda bei der Feuerwehr?

„Wir müssen uns weiter entwickeln. Auf der einen Seite müssen wir immer schneller werden, um in einer wachsenden Stadt schnellstmöglich am Ort des Ereignisses zu sein. Mittelfristig brauchen wir dafür aber sicher eine zweite Wache, um die Entfernungen zu verkürzen.“ Die Stadt Bremerhaven wächst naturgemäß nicht in die Breite sondern entlang des Flusses in die Länge. Die Erweiterung des Containerhafens im Norden und der Ausbau der Gewerbeflächen im Süden lassen die Entfernungen enorm anwachsen und damit auch die Fahrzeiten für die Rettungskräfte.

Eine weitere Verbesserung der Einsatzkoordination soll mit der Zusammenfassung der regionalen Leitstellen zu einer zentralen Einheit ermöglicht werden. Die Landkreise Cuxhaven und Osterholz sowie die Stadt Bremerhaven können dann ihre Einsätze zentral steuern. „Wir schaffen das auch heute schon durch enge Kooperationsstrukturen, aber mit der gemeinsamen Leitstelle wird das noch einfacher und effizienter werden.“

Zu bewältigen ist auch die wachsende Zahl an Einsätzen: „Vor elf Jahren waren es 9.600, heute sind es fast 18.000“, so Jörn Hoffmann. Dieses Aufkommen zu bewältigen, kann nur durch die enge Zusammenarbeit mit den Freiwilligen Feuerwehren und den Wehren in den umliegenden Gemeinden gelingen. „Man kann deren Arbeit gar nicht hoch genug schätzen, deshalb unterstützen wir die die Freiwilligen Feuerwehren auch nach besten Kräften. Auch die Bildung neuer Jugendfeuerwehren liegt uns am Herzen – in Weddewaren und Lehe haben wir bereits begonnen, in Wulsdorf werden wir das nächste Jugendfeuerwehr-Projekt aufbauen.“ So sollen freiwillige Helfer, aber auch künftige Profis für die Aufgaben von Feuerwehren und Rettungsdiensten begeistert werden.

Die Belastung der Feuerwehrleute und Rettungsdienst-Mitarbeiter ist in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Einerseits ist die Einsatzzahl erheblich schneller gewachsen als die Zahl der Mitarbeiter. Andererseits finden sich Retter heute auch immer häufiger in Konfliktsituationen wieder, deren Lösung nicht zu den eigentlichen Aufgaben der Helfer gehört. Im Rettungsdienst treffen Sie immer häufiger auf Menschen in atypischen Notlagen: Betrunkene, Aggressive, Drogenabhängige und hilflose Personen. Das Rettungswesen ist längst ein Arbeitsfeld zwischen Rettung und Sozialarbeit geworden. Sogar Übergriffe auf Rettungsassistenten hat es schon gegeben. „Hier wollen wir spezielle Trainings anbieten, um unsere Mitarbeiter besser vorzubereiten. Ein Thema ist das Deeskalationstraining, das wir in Zusammenarbeit mit der Berliner Feuerwehr absolvieren wollen. Der Schutz der Kollegen steht hier an oberster Stelle.“

Doch nicht nur die Hilfe in der Not ist tägliches Brot bei Feuerwehrleuten. Auch Informations- und Vorsorgeleistungen stehen auf dem Programm der Kollegen. Einerseits die enge Kooperation mit der Hochschule, andererseits auch Präventionsaufgaben bei den Jüngsten der Gesellschaft: Seit einigen Jahren gehen Mitarbeiter der Feuerwehr Bremerhaven regelmäßig in die Schulen Bremerhavens, um dort im Zusammenwirken mit den Lehrkräften bei den Kindern Sensibilität für das wichtige Thema „Häuslicher Brandschutz“ zu entwickeln. Gefahren durch Feuer und Rauch werden hier anschaulich dargestellt und den Kindern verdeutlicht: Feuer ist kein Spielzeug! Zahlreiche praktische Beispiele veranschaulichen die Brandgefahren und vermitteln das richtige Verhalten im Brandfall. In Verbindung mit einem Besuch in der Feuerwache werden die Kinder so in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt und in die Lage versetzt, bei einem tatsächlichen Brand richtig zu reagieren und vor allem, sich selbst rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Die Zahlen belegen den Erfolg der Brandschutzerziehung: Bundesweit sinken Jahr für Jahr die Zahlen der bei Bränden getöteten Kinder, auch in Bremerhaven.

Doch was können die Bürger tun, um die Retter und Helfer zu unterstützen? „Die Freiwilligen Feuerwehren aktiv oder finanziell unterstützen, den Helfern im Einsatz eine ordentliche Durchfahrt verschaffen und den Rettungsdienst anrufen, wenn Gefahr im Verzug ist.“ Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig? „Genau – sofort anrufen, die Situation ruhig schildern und die eintreffenden Helfer abwarten. Und den Rettern die Beurteilung der Lage überlassen, die wissen, was sie tun.“ Was muss man dazu wissen? Jörn Hoffmann „Die wichtigste Nummer, wenn es um Rettung geht: 112!“

Die Feuerwehr Bremerhaven
Die Feuerwehr unterhält eine Zentrale Feuerwache in der Stadt und wird von drei Freiwilligen Feuerwehren unterstützt. Die Berufsfeuerwehr Bremerhaven verfügt über drei Wachabteilungen mit 220 Einsatzkräften. Die Aufgaben bestehen unter anderem in vorbeugendem und abwehrendem Brandschutz, technischer Hilfeleistung, CBRN-Gefahrenabwehr, Rettungsdienst und Unterhaltung der Regionalleitstelle. Zur Erfüllung dieser Aufgaben ist die Feuerwache mit zwei Löschzügen ausgerüstet. Für Sonder- und Spezialeinsätze besitzt die Feuerwehr zusätzlich diverse Gerätewagen und Abrollbehälter, die auf ihren Einsatzbereich zugeschnitten sind. Die Feuerwehr Bremerhaven ist alleiniger Notfallversorger in Bremerhaven, ohne Einbezug von Hilfsorgani- sationen/privaten Rettungsdiensten. Für diese Aufgabe stehen den Einsatzkräften neun Rettungstransportwagen sowie ein Notarzteinsatzfahrzeug zur Verfügung. Für Großschadenslagen mit einer Vielzahl an Verletzten oder Erkrankten (MANV) werden zusätzliche Gerätschaften und ein Abrollbehälter „Rettung“ bereitgehalten.

www.feuerwehr-bremerhaven.de


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