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// Gesellschaft
07.08.2017
Von: sl

Alltagsparadies

Endlich Wochenende. Samstagmorgen wachen meine Freundin und ich nach acht Stunden erholsamen Schlafs um 9.00 Uhr in unserem bequemen und weichen Boxspringbett auf. Der erste Weg führt mich ins Badezimmer – erstmal eine schöne Dusche zum Wachwerden. Nach einem kurzen kalten Schauer stelle ich das Thermostat auf eine angenehme lauwarme Temperatur ein. Zwischendurch verwende ich die Massageeinstellung meines Duschkopfes, um die kleinen Verspannungen der Nacht zu lösen. Ein perfekter Start in den Tag. Nachdem ich zehn Minuten lang geduscht habe, fühle ich mich frisch und sauber – mein Körper duftet jetzt nach Zitrone, meine Haare nach Pfirsich.


Alltagsparadies

Alltagsparadies (Foto: Bobex-73/shutterstock.com)

Vor dem Kleiderschrank habe ich dann wieder die Qual der Wahl. Blaue Jeans, schwarze Jeans oder doch eine kurze Hose? T-Shirt, Hemd oder Poloshirt? Und welche Farbe passt am besten zu welchen Schuhen? Geschafft. Das Outfit steht: Weißes T-Shirt, schwarze Jeans, schwarze Sneakers. Bei meiner Freundin dauert der Prozess wie gewohnt etwas länger. Währenddessen decke ich schon mal den Tisch für die wichtigste Mahlzeit des Tages. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Brötchen, gekochte Eier, Marmelade, Honig, Käse, Schinken, Salami, Frischkäse, Nougatcreme und Lachs zieren den Frühstückstisch. Dazu natürlich ein frisch gebrühter Kaffee, für mich soll es heute ein starker Arabica sein. Meine Freundin entscheidet sich hingegen für einen Zitrone-Ingwer-Tee.

Nebenbei hören wir Radio und blättern in der Zeitung, die uns am frühen Morgen durch den Zeitungsschlitz in die Wohnung geschoben wurde. Ich lese einen Bericht über die Länder in der Dritten Welt. Die Zahlen schockieren mich: Mehr als eine Milliarde Menschen haben keinen Zugang zu Trinkwasser. Außerdem leben immer noch 1,2 Milliarden Menschen auf der Welt komplett ohne Elektrizität. Vorstellen kann ich mir das Ganze nur allzu schlecht. Im Radio läuft ein Bericht über den Bürgerkrieg in Syrien, mehr als 250.000 Menschen sollen den Auseinandersetzungen nach Angaben der Vereinten Nationen bereits zum Opfer gefallen sein.

Nach dem Frühstück räumen wir schnell ab, packen das Geschirr in die Spülmaschine und machen uns auf den Weg nach draußen. Direkt vor der Tür befinden sich ein Bürgersteig und eine geteerte Straße. Zwei Häuser weiter ist die nächste Apotheke, der nächste Supermarkt ist 500 Meter entfernt. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg zum Supermarkt, als ein Krankenwagen mit Blaulicht und Sirene an uns vorbeifährt. Vor zehn Minuten war auf der Kreuzung vor dem Supermarkt eine Radfahrerin angefahren worden. Jetzt wird sie schnell erstversorgt und in das nächste Krankenhaus gebracht. Dort profitiert sie von der optimalen medizinischen Versorgung und der professionellen Betreuung bestausgebildeter Ärzte.

Wir gehen weiter Richtung Supermarkt. Mein Handy vibriert. Mein Kumpel Daniel hat mir ein Bild aus dem Mallorca-Urlaub gesendet. Innerhalb von zwei Stunden ist er von Bremen zur 1.500 Kilometer entfernten Baleareninsel geflogen. Dabei muss ich an meine Großeltern denken, die damals in der DDR nie die Chance hatten, das Land zu verlassen. Wie schlimm muss es gewesen sein, innerhalb der Grenzen gefangen zu sein und für das Leben in einer besseren Welt eine lebensgefährliche Flucht in Kauf nehmen zu müssen. Das alles ist nun auch schon wieder ein Weilchen her.

Im Supermarkt stehen wir wieder vor unzähligen prall gefüllten Regalen. Allein die Obst- und Gemüseabteilung liefert uns ein Spiegelbild der Globalisierung: Litschis aus Madagaskar, Bananen aus Ecuador, Papayas aus Mexiko, Granatäpfel aus Indien – Spezialitäten soweit das Auge reicht. Die Vielfalt erstreckt sich über alle Abteilungen des Supermarktes. Bei uns geht es nicht darum, ob wir etwas zu essen bekommen, sondern darum, was es zu essen gibt. Die Wahlmöglichkeiten sind schier unbegrenzt. Nach einer halben Stunde verlassen wir mit vollen Tüten den Laden. Den Rückweg treten wir mit dem Bus an – die 500 Meter wollen wir nicht mit der schweren Last laufen, und die Busse fahren ohnehin alle fünf Minuten.

Im Bus treffen wir Sophie, eine alte Bekannte. Meine Freundin kennt sie schon aus dem Kindergarten, ging mit ihr zur Grundschule und aufs selbe Gymnasium. Nach ihrem Abitur absolvierte sie eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin und arbeitet heute in einer Einrichtung, die Menschen mit Behinderung die Teilhabe am sozialen Leben ermöglicht. Sie überlegt noch zu studieren oder eine der zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten wahrzunehmen. Glücklicherweise habe hierzulande ja jeder das Recht auf Bildung. Bei uns in Deutschland sei es dafür außerdem nie zu spät, sagen wir und verabschieden uns von ihr.

Zuhause angekommen, schmeißen wir die benötigten Zutaten in unsere Küchenmaschine und lassen uns eine mediterrane Tomatensuppe zubereiten. Als Nachspeise gibt es noch ein leckeres Eis. Nach einem kurzen Mittagsschlaf planen wir unseren weiteren Tagesverlauf. Gehen wir ins Schwimmbad, ins Theater, zu einem Konzert, in einen Freizeitpark oder doch ins Museum? Die Wahl fällt uns extrem schwer. Die Entscheidung fällt auf einen Museumsbesuch mit anschließendem Stadtbummel. Die Anfahrt verzögert sich ein wenig, weil in der Stadt eine Verdi-Demonstration für höhere Gehälter im Einzelhandel stattfindet. Damit müssen wir leben, es ist sogar gut so. In unserer freiheitlichen Gesellschaft dürfen alle Bürger friedlich ihre Meinung kundtun, dürfen sich zu Organisationen zusammenschließen und für ihre eigenen Ideen und Vorstellungen einer guten Gesellschaft friedlich tätig werden.

Im Museum nehmen wir an einer Führung teil. Die Ausstellung handelt von der Entwicklung Deutschlands nach dem Ende des 2. Weltkriegs. Es ist schon erstaunlich, wie Deutschland innerhalb von 70 Jahren zu einem toleranten Land gewachsen ist, voller verschiedener kultureller Einflüsse. Was uns auch nicht bewusst war: Wir leben seit über 70 Jahren im Frieden – und so eine lange Friedensphase wie bis heute in Mitteleuropa gab es in unserer Zeitrechnung noch nie. Mit vielen neuen Eindrücken verlassen wir gegen Abend das Museum und begeben uns in die Fußgängerzone.

Wir suchen nach einem Restaurant. Manchmal kann die Fülle an Auswahlmöglichkeiten echt ätzend sein. Bei der Wahl zwischen Griechisch, Spanisch, Chinesisch, Türkisch, Afrikanisch oder Italienisch entscheiden für uns für Letzteres. Zu unserer köstlichen Pasta genießen wir einen ausgezeichneten Chianti und italienische Musik. Die Vorfreude auf unseren Urlaub steigt, in zwei Wochen fliegen wir nach Venedig. Nach dem Essen fahren wir nach Hause und legen uns zum Fernsehen aufs Sofa. Es läuft eine Dokumentation über das Leben in Afrika. Erst jetzt wird mir richtig klar: Dieser Tag war voller Privilegien, unsere Gesellschaft hat es trotz aller Probleme verdammt gut. Wir leben in einem Paradies.



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