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// Gesellschaft
08.05.2018
Von: sl

Auf der Straße gelandet

Wohl kaum ein Vogel hat so ein schlechtes Image wie die Taube. Als „Ratte der Lüfte“ wird sie vom Volksmund oft bezeichnet. Dass so eine Bezeichnung überhaupt als Beleidigung durchgeht, ist dem noch schlechteren Image der Ratte geschuldet. Tauben sieht man nahezu überall, vor allem aber in den Fußgängerzonen der Großstädte – und dort oft in Scharen. Viele Städte wollen sie vertreiben, verbieten das Füttern, setzen Abwehrsysteme ein, um sie los zu werden. Egal, ob tot oder lebendig.


Das traurige Schicksal der Stadttauben

Das traurige Schicksal der Stadttauben (Foto: tierretter.de)

Es ist schon erstaunlich, welche Wendung das Schicksal der Tauben hierzulande genommen hat. Vom Friedens- und Statussymbol zum lästigen Hassobjekt. Die Beziehung vom Menschen zur Taube begann bereits vor über 1000 Jahren mit ihrer Domestizierung. Sie wurde nicht nur zum Haus-, sondern auch zum Botentier. Es entstand sogar eine Sportart: Kurz vor der Jahrtausendwende zum 20. Jahrhundert schossen Brieftaubensportvereinigungen wie Pilze aus dem Boden. In den 1950er Jahren erlebte der Sport seine Blütezeit. Tauben galten als die „Rennpferde des kleinen Mannes“, ihre Züchtung ist heute noch vor allem im Ruhrgebiet beliebt.

Von Tierschutzorganisationen wird der Brieftaubensport scharf kritisiert. Der Grund: Viele Tauben, die auf Reisen geschickt werden, kehren aufgrund ihres mangelhaften Orientierungssinns nicht zurück. Die entflogenen oder ausgesetzten Haus- bzw. Brieftauben sind nach und nach verwildert, es entstand die Rasse der „Straßentauben“ oder „Stadttauben“. Und dort leben sie nun. In den Fußgängerzonen, stürzen sich auf fallengelassene Essensreste, ernähren sich vom Restmüll. Sie wurden von Menschen gezüchtet, dann verstoßen und werden jetzt angefeindet. Und trotzdem sind sie vom Menschen abhängig. Tauben sind chronisch unterernährt, auch wenn ihre Körperform das in der Regel nicht vermuten lässt. Eine gesunde, ausgewachsene Stadttaube wiegt im Schnitt 300 bis 350 Gramm. Laut dem Stadttaubenprojekt Frankfurt wiegen die Stadttauben in der Mainmetropole durchschnittlich 200 bis 250 Gramm, rund ein Drittel zu wenig. Sie ernähren sich nahezu ausschließlich von Abfällen, die mitunter schädliche Stoffe enthalten. Auch die Flüssigkeitsversorgung ist miserabel, das Wasser in den Pfützen mit Öl oder Putzmittel verunreinigt.

Die Fütterung von Tauben ist vielerorts verboten. Wer in Bremerhaven Wildtauben, verwilderte Haustauben oder Möwen füttert, dem kann eine Geldbuße von bis zu 2.500 Euro auferlegt werden. Dabei könnte die Fütterung Leben retten, denn Tauben sind eigentlich reine Körnerfresser. Artgerechte, vitaminreiche Ernährung kann nur mit Körnerfutter und Sämereien geschehen (z.B. Weizen, Erbsen, Mais, Wicken). Mit nur rund 70 Cent könnten laut dem Stadttaubenprojekt Frankfurt die Futterkosten pro Taube für einen Monat gedeckt werden. In den Städten ist jedoch keine Nahrungsgrundlage vorhanden. Futterstationen gibt es keine. Die Tauben sollen raus aus der Stadt, weil ihr Kot die Reinheit des Stadtbildes befleckt. Mit dem Fütterungsverbot wird den Vögeln der Hungertod verordnet.

Zusätzlich zum Fütterungsverbot witterten längst auch Unternehmen ein großes Geschäft bei der Bekämpfung von Tauben. Sie verkaufen diverse Taubenabwehrsysteme: Taubenspikes, Spanndrähte, Gitter, Netze, Chemikalien, Ultraschalldruckgeräte. Das Gesetz erlaubt sogar derlei Mechanismen. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof stufte Tauben 2011 als Schädlinge ein – ab einem Vorkommen von 10 Tauben auf 100 Quadratmetern dürfen sie bekämpft werden.

Hamburger Verein widmet sich dem Taubenschutz

Nicht alle Menschen schwimmen auf dieser Welle mit, nicht alle lässt das Schicksal der hochintelligenten Tiere kalt. Einige setzen sich beherzt für Tauben ein. Maria Hanika ist einer dieser Menschen. Sie holt mit ihrem Verein Hamburger Stadttauben e.V. in der Hansestadt kranke, verletzte, vom Hungertod bedrohte Tauben buchstäblich von der Straße. Für sie ist die Haltung der Bevölkerung gegenüber Stadttauben weitaus mehr als Gleichgültigkeit. „Das ist Hass, den die Leute mit der Muttermilch aufsaugen. Schon die kleinen Kinder springen in Taubenschwärme, um sie zu erschrecken“, sagt Hanika.

Am Hamburger Hauptbahnhof wurde das Taubenproblem mit Hilfe eines Taubenschlags behoben. Das „Tauben-Hotel“ befindet sich im Dachgeschoss des sogenannten Mäuseturms, wo die Tauben seit über einem Jahr fest leben. Sie verbringen 80 % ihrer Zeit dort und koten fast nur im Taubenschlag. Um weiteren Nachwuchs zu verhindern, werden die Eier der Tauben gegen Gipseier ausgetauscht. „Weil sie das richtige Futter bekommen, ist ihr Kot auch trockener und kann so weggefegt werden“, erklärt die Tierschützerin. Der von Menschen als lästig empfundene Kot sei Durchfall, der nur durch die notdürftige Ernährung mit Essensresten entstünde.

Gegenüber der Vergrämung von Tauben empfindet Hanika keine grundsätzliche Ablehnung: „Wenn die Systeme den Tauben keinen Schaden zufügen, ist es okay. Aber Spikes sind beispielsweise nicht profitabel.“ Das Beispiel vom Hamburger Hauptbahnhof zeigt, dass es solche Systeme gar nicht braucht. Mit Taubenschlägen und artgerechter Fütterung können zugleich lästiger Kot und traurige Schicksale der Tiere vermieden werden. Ein Gewinn für Mensch und Tier.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER WWW.HAMBURGERSTADTTAUBEN.DE



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