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// Politik
14.02.2019
Von: bg

Das Ende von Youtube? – Empörung über den Artikel 13

Seit einiger Zeit macht ein Brandbrief im Internet die Runde, der die Gemüter erhitzt. Der Inhalt lässt sich kurz und knapp zusammenfassen: Angeblich gefährde die neue Reform der Urheberrechtlinie die Zukunft von Youtube. Verantwortlich für das Schreiben ist die Youtube-Chefin Susan Wojcicki, die in dem Brief zum Widerstand aufruft. Im Mittelpunkt der Diskussion steht der Artikel 13 der Urheberrechtlinie, der nach Ansicht einiger Kritiker das Ende von Youtube einleitet – und eine Debatte um drohende Zensur bei den Nutzern entfacht.


Das Ende von Youtube? (Fotomontage: jeschke . GfK | Fotos: estherpoon/shutterstock.com | The7Dew/shutterstock.com)

Das Ende von Youtube? (Fotomontage: jeschke . GfK | Fotos: estherpoon/shutterstock.com | The7Dew/shutterstock.com)

Der Artikel 13 ist Bestandteil der geplanten Richtlinie der Europäischen Union zum Urheberrecht im digitalen Binnenmarkt. Er soll die Verantwortung bei Verstößen gegen das Urheberrecht regeln. So ein Verstoß liegt vor, wenn ein Nutzer ohne Einverständnis des Urhebers dessen Inhalte veröffentlicht. Im Augenblick ist derjenige, der Inhalte auf eine Plattform hochlädt, auch dafür verantwortlich. Der Artikel 13 sieht jedoch vor, dass diese Verantwortung nun auf Plattformen wie Youtube, Facebook, Instagram und Co übertragen wird. „Somit muss die Plattform zukünftig gewährleisten, dass das Urheberrecht eingehalten wird“, sagt Youtuber Mirko Drotschmann, vielen bekannt als Mr- Wissen2Go.

Um diesen Urheberrechtsschutz zu gewährleisten, sieht ein Entwurf des EU Parlaments sogenannte Uploadfi lter vor. Youtube macht so etwas schon mit ihrem Prüfsystem Content ID, dessen Entwicklung den Konzern rund 60.000.000 $ gekostet hat. Doch ist dieses System sehr anfällig für Fehler und fi ndet nur selten Urheberrechtsverstöße oder stellt Verstöße fest, wo keine sind. Im Augenblick werden Inhalte erst nach dem Upload geprüft. Das soll sich jetzt ändern. Denn zukünftig soll die Prüfung vor der eigentlichen Veröffentlichung stattfi nden. Dadurch würde Youtube in die Pfl icht genommen, sein Content ID System zu verbessern, was natürlich mit einem erheblichen fi nanziellen Aufwand für den Konzern verbunden wäre. Zusätzlich wäre Youtube dann für urheberechtsverletzende Inhalte auf seinem Portal verantwortlich und nicht der Uploader.

#saveyourinternet – die Angst vor Zensur
In ihrem Schreiben rief Wojcicki die Community dazu auf, sich auf der konzernfi nanzierten Seite „#saveyourinternet“ gegen die geplante Richtlinie zu wenden. Sie schreibt: „Diese Gesetzgebung stellt eine klare Bedrohung für euren Lebensunterhalt und eure Möglichkeit dar, euch weltweit Gehör zu verschaffen. Und falls Artikel 13 wie vorgeschlagen umgesetzt wird, sind hunderttausende Arbeitsplätze bedroht – von europäischen Creatorn, Unternehmen, Künstlern und jedem, den sie beschäftigen. Der Vorschlag könnte Plattformen wie YouTube dazu zwingen, nur eine kleine Anzahl von Inhalten großer Unternehmen zuzulassen. Es wäre schlichtweg zu riskant, Inhalte von kleinen Videomachern zu präsentieren, da die Plattformen nun direkt für diese Inhalte verantwortlich wären.“ „Für viele Youtuber war die Aussage Wojcickis eine indirekte Drohung, kleinere Kanäle schließen zu müssen“, sagt Drotschmann.

ARTIKEL 13 DER URHEBERRECHTSRICHTLINIE

Nutzung geschützter Inhalte durch Diensteanbieter der Informationsgesellschaft, die große Mengen der von ihren Nutzern hochgeladenen Werke und sonstigen Schutzgegenstände speichern oder zugänglich machen.
1. Diensteanbieter der Informationsgesellschaft, die große Mengen der von ihren Nutzern hochgeladenen Werke und sonstigen Schutzgegenstände in Absprache mit den Rechteinhabern speichern oder öffentlich zugänglich machen, ergreifen Maßnahmen, um zu gewährleisten, dass die mit den Rechteinhabern geschlossenen Vereinbarungen, die die Nutzung ihrer Werke oder sonstigen Schutzgegenstände regeln, oder die die Zugänglichkeit der von den Rechteinhabern genannten Werke oder Schutzgegenstände über ihre Dienste untersagen, eingehalten werden. Diese Maßnahmen wie beispielsweise wirksame Inhaltserkennungstechniken müssen geeignet und angemessen sein. Die Diensteanbieter müssen gegenüber den Rechteinhabern in angemessener Weise darlegen, wie die Maßnahmen funktionieren und eingesetzt werden und ihnen gegebenenfalls über die Erkennung und Nutzung ihrer Werke und sonstigen Schutzgegenstände Bericht erstatten.

Die Empörung der Nutzer ließ dabei nicht lange auf sich warten, da dies für viele einen Eingriff in die Meinungsfreiheit darstelle, falls nur noch die Inhalte großer Medienkonzerne veröffentlicht würden. Der Vorwurf der Zensur wurde laut. Weiter angeheizt wurde die Diskussion nicht zuletzt durch das Youtube-Video „Warum es Youtube nächstes Jahr nicht mehr gibt“, das mittlerweile fast vier Millionen Aufrufe zählt und ein dunkle Zukunft für Youtube prophezeit, sollte der Artikel 13 in Kraft treten. „Durch die Aussagen der Youtube-Chefin und das darauffolgende Medienecho wurde eine Drohkulisse aufgebaut, durch die viele Youtuber sich unbewusst für PR Arbeit vor den Karren spannen haben lassen, indem sie sozusagen Lobbyarbeit leisten und Druck auf die Politik ausüben. Ganz gezielt werden hier Menschen instrumentalisiert, die auf der Plattform Youtube aktiv sind“, sagt Drotschmann und fügt hinzu: „Zusätzlich muss man aber sagen, dass ein reges Interesse an dieser Thematik herrscht und viele sich auch kritisch mit dem propagierten Ende von Youtube auseinandersetzen.“

Die Kritik am Artikel 13 ist berechtigt, findet Drotschmann. „Der Entwurf lässt im Moment viel Raum für Interpretation und würde auch eine Zensur ermöglichen“, stellt er fest und fordert eine Überarbeitung des Entwurfs: „Meiner Auffassung nach sollten die Plattformen haftbar gemacht werden. Aber ihnen sollte auch gestattet werden, mithilfe eines Formulars, dass der Nutzer bestätigen muss, zu gewährleisten, dass eventuelle Urheberechtsansprüche an den jeweiligen Urheberrechtsverletzer weitergegen werden. Damit wäre dann zumindest der größte Kritikpunkt am Artikel 13 ausgeräumt.“

Letztendlich handelt es sich bisher nur um einen Entwurf. Der muss erst einmal auf nationaler Ebene in tatsächliches Recht umgewandelt und angepasst werden. Nichtsdestotrotz ist es äußerst schwierig, aber immens wichtig, das Urheberrecht zu stärken und Autoren und ihre Werke zu schützen – und gleichzeitig das Internet als zensurfreien Raum zu erhalten. Doch sind diese beiden Dinge nicht unbedingt das Ziel das Frau Wojciki mit dem Brief und der daraus resultierenden Mobilmachung der Internetcommunity verfolgt. Unter dem Deckmantel der Abwehr drohender Zensur könnten auch wirtschaftliche Interessen stecken. Denn sollte das neue Urheberrecht samt dem Artikel 13 in seiner jetzigen Form verabschiedet werden, bedeutet das für Youtube drastische finanzielle Einbußen, da sich das Angebot an Videos dermaßen verringert, dass das Unternehmen weniger Einnahmen generieren würde, was wiederum das Wachstum einschränkt. Außerdem wäre Youtube bei Verstößen gegen das Urheberrecht verantwortlich und müsste bei eventuellen Klagen zahlen.

Da sich das EU-Parlament bisher uneinig über die Reform der Urheberrechtsrichtlinie ist, bleibt sie bis zu einer Entscheidung nur Entwurf.

„Allgemein sollten Urheberrechte im Internet genauso gewahrt werden wie in der offline Welt“, sagt Drotschmann. Aber es scheint bei vielen Nutzern das Bewusstsein dafür zu fehlen. Im Internet stehen mittlerweile unendlich viele Filme, Spiele, Musikstücke illegal und kostenlos zur Verfügung. Dadurch habe sich eine Art Kostenlos-Mentalität unter vielen Nutzern eingebürgert. Besonders im Medienjournalismus, in dem viele Geschäftsmodelle auf die Schaltung von Werbeanzeigen aufbauen, bekommt man das zu spüren, da viele das Angebot als selbstverständlich wahrnehmen und zusätzlich Programme wie Adblocker benutzen, um der ungeliebten Werbung zu entgehen, so Drotschmann. Eine größere Sensibilität und Wertschätzung für geistiges Eigentum und die Arbeit die dahintersteckt ist daher gefragt.

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