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// Gesellschaft
10.08.2016
Von: kl

Das Wattenmeer: Ein Weltnaturerbe ist in Gefahr

Das Wattenmeer ist die größte zusammenhängende Wattlandschaft der Welt. Sie erstreckt sich von den Küsten der Niederlande bis nach Dänemark. Unter dem Einfluss der Gezeiten hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine vielfältige Landschaft entwickelt, die sich noch heute immer wieder verändert. Mit seiner Vielfalt an Lebensräumen beherbergt es mehr als 10.000 Tier- und Pflanzenarten. Doch trotz seiner Ausweisung als Nationalpark und Weltnaturerbe ist das Wattenmeer zahlreichen Bedrohungen ausgesetzt.


Das Wattenmeer: Ein Weltnaturerbe ist in Gefahr (Foto: jRobnroll/shutterstock.com)

Das Wattenmeer: Ein Weltnaturerbe ist in Gefahr (Foto: jRobnroll/shutterstock.com)

Im Juni 2009 ernannte die UNESCO den größten Teil des Wattenmeeres zum Weltnaturerbe. Dieses ist eigentlich die höchste Auszeichnung und der formal beste Schutzstatus, den ein Naturraum erhalten kann. Doch trotz der hohen Auszeichnung gibt es nach wie vor Handlungsbedarf, denn einige Flächen wurden vom Weltnaturerbe ausgeklammert. In diesen Flächen wurden jüngst weitere Ölexplorationen beantragt. Seit 1987 fördert der Energiekonzern RWE DEA über die Plattform „Mittelplate A“ Erdöl vor der Schleswig-Holsteinischen Nordseeküste. Das Sicherheitskonzept der Förderanlage konnte Ölaustritte zwar bisher verhindern, dennoch besteht durch die Ölförderung eine latente Gefahr für das Wattenmeer. Bau- und Wartungsmaßnahmen verhindern die deutliche Dynamik in diesem einzigartigen Lebensraum. Versorgungsschiffe und Hubschrauberflüge stören die Rast- und Brutvögel. Die Konzerne wollen die Ölförderungen sogar noch massiv ausweiten. Störungen für Vögel und Meeressäuger werden hierbei in Kauf genommen, sind aber aus artenschutzrechtlicher Sicht unverantwortlich. Ebenfalls nötig war schon die natürliche Verlagerung des Priels „Trischenflinge“, denn dieser drohte, eine der Förderwannen der „Mittelplate A“ zu unterspülen. Um dies zu verhindern, wurden als Kolkschutz inzwischen mehr als 85.000 m² Wattenmeerboden mit Gestein, Beton und Mörtel versiegelt. Spundwände und Vliesmatten wurden metertief ins Watt getrieben. Mit dieser Maßnahme wurde die natürliche Dynamik des Wattenmeeres, ein eigentlich besonders schützenswertes Merkmal, an dieser Stelle zerstört.

Eine weitere Bedrohung des wertvollen Naturraumes liegt im Ausbau der erneuerbaren Energien. „Hier leistet man in der Wattenmeer- Region bereits überwiegend Vorbildliches“, erklärt Eberhard Brandes, Vorstand der Geschäftsleitung WWF Deutschland. „Die meisten Landstandorte für Windenergie an der schleswig-holsteinischen Westküste sind auch aus Naturschutzsicht akzeptabel. Das liegt auch an der Konzentration in sorgfältig ausgewählten Eignungsgebieten. Bei der Offshore- Windenergie ist in Sachen Naturschutz noch mehr Luft nach oben: nicht alle gewählten Standorte sind geeignet. Probleme sind dabei der Lärm beim Rammen und massenhaft Kollisionen von Zugvögeln.“ Die Bestände vieler Vogelarten sinken zum Teil drastisch. Betroffen sind sowohl Rast- als auch Brutvögel, besonders aber die muschelfressenden Arten, wie zum Beispiel die Eiderente, die in den überfischten Muschelbänken keine Nahrung mehr findet. Immer wieder werden Eingriffe durch die Fischerei ohne Rücksprache mit der Nationalparkverwaltung vorgenommen. So wurden jüngst Miesmuscheln aus anderen Ländern ins Watt eingeschleppt, mit denen weitere gebietsfremde und invasive Arten ins Watt gelangten. Die einzige Möglichkeit, die Unterwassernatur des Wattenmeeres zusätzlich zu schützen, wären sogenannte „Nullnutzungszonen“, also Gebiete, die weder befahren, noch befischt, noch auf andere Art genutzt werden dürfen. Ohne diese können sich die Bestände von Meerestieren nicht mehr erholen. Die Folge: viele Vogelarten verlieren ihre Nahrungsgrundlage und die Artenvielfalt im Wattenmeer sinkt immer weiter. Gerade einmal 1% des Wattenmeeres wurde zur „Nullnutzungszone“ bestimmt, was aber dennoch fast wirkungslos ist. Da die Gebiete auf keiner Seekarte fest dargestellt sind, können angetroffene Fischerkutter auch nicht belangt werden. WWF, Schutzstation Wattenmeer und NABU sind sich jedoch einig: in 25 Jahren war genügend Zeit, um allen Behörden zu vermitteln, dass die Natur im Nationalpark gesetzlichen Vorrang hat. Das sagt auch schon der §24 des Bundesnaturschutzgesetzes: „Nationalparke sind rechtsverbindlich festgesetzte einheitlich zu schützende Gebiete… Nationalparke haben zum Ziel, in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets den möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik zu gewährleisten.“ Natürlich gehört die Fischerei zur Küste, jedoch sollte sich die Fischerei an diese Prioritätensetzung zugunsten des Naturschutzes halten. Denn die Unterwasserwelt des Wattenmeeres hat schon deutliche Einbußen zu verzeichnen: es gibt keine bekannten Sandkorallen-Riffe mehr, europäische Austern sind schon vor langer Zeit verschwunden, Miesmuscheln werden immer knapper und altwerdende Fischarten wie Rochen, Katzenhaie und Störe kommen praktisch nicht mehr vor.

Auch für mehr als zehn Millionen Zugvögel pro Jahr ist das Wattenmeer sehr wichtig als Zwischenziel zu den arktischen Brutgebieten oder den Westafrikanischen Überwinterungsgebieten. An dieser Station gibt es, in der Regel, ein enormes Nahrungsvorkommen, welches zwingend erhalten bleiben muss. Gerade im küstennahen, flachen Wasser der Nationalparks und Vogelschutzgebiete kommen Freizeitliebhaber, wie Kitesurfer, durch die idealen Bedingungen, zwar voll auf Ihre Kosten, jedoch kommen diese den brütenden und rastenden Vögeln sehr nahe. Kitesurfer haben durch ihre schnellen Bewegungen, großen Lenkdrachen und ihre schnell über das Wasser gleitenden Surfbretter eine erwiesene erhebliche Scheuchwirkung auf die Tiere. Daher ist es wichtig, dass Kitesurfzonen nur außerhalb der Schutzgebiete oder per Ausnahmegenehmigung in den wenig von Vögeln genutzten Bereichen großer Nationalparke eingerichtet werden.

Die Tourismuswirtschaft im Wattenmeer ist ebenso auf eine intakte Natur angewiesen. Schließlich wird diese von den Gästen erwartet. Verschiedene Naturschutzorganisationen bieten vielfältige Angebote, wie Wattführungen oder Infozentren, um über den Nationalpark und seine Bedeutung sowie den Schutz und Erhalt aufzuklären. Man darf aber nicht vergessen, dass der Tourismus trotz aller Aufklärungs- und Schutzmaßnahmen, immer eine Belastung für die Natur ist.

Wir müssen uns also auch in Zukunft Gedanken machen. Wie wirkt sich der Klimawandel auf den Tourismus aus? Wenn es im Mittelmeer bald unerträglich heiß wird, wo machen wir Urlaub? Die Vermutung liegt nahe, dass wir dann vermehrt die Nord- und Ostseeküsten aufsuchen werden. Einerseits ist das natürlich gut für die Region, dennoch wird es für unsere Natur eine große Belastung. Die Tierwelt des Wattenmeeres besteht überwiegend aus im Boden lebenden Tieren wie Wattwürmern, Muscheln und Schnecken. Neben den wirbellosen Kleintieren leben auch eine ganze Reihe von Fischarten sowie Seehunde, Kegelrobben und seltene Schweinswale im Wattenmeer. Wissenschaftlich fundierte Renaturierungs-Projekte wären eine Möglichkeit, negative menschliche Eingriffe wieder zu korrigieren und letztendlich durch sie, die natürliche Entwicklung des Wattenmeeres wieder zu stärken.

www.wwf.de
www.nabu.de
www.nationalpark-wattenmeer.de


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