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// Gesellschaft
06.08.2018
Von: sl

Der Kampf gegen den Hass

„Seine Eier gehören abgeschnitten. Danach in einen kleinen Käfig nur von Raubtieren umgeben, damit sie ihn (aufessen) – schön langsam Stück für Stück. Der gehört nicht in den Knast, sondern gleich in die Hölle.“ Facebook-Posts wie dieser sind keine Seltenheit. Im Netz ballt sich der Hass, der Umgang miteinander verkommt zu einem aggressiven Schlagabtausch, Unsagbares wird sagbar gemacht. In den Kommentarspalten der sozialen Netzwerke – allen voran auf Facebook – wird der Ton immer rauer. Nach einer Umfrage der Landesanstalt für Medien NRW aus dem Jahr 2016 kamen zwei Drittel bereits mit Hasskommentaren auf Webseiten, in Blogs, in Foren und oder in den sozialen Netzwerken in Berührung. Hinter den Bildschirmen versteckt, ohne direkten zwischenmenschlichen Kontakt, ohne Schamgefühl und teils unter Pseudonymen lassen Nutzer ihrem Hass freien Lauf. Initiativen wie #ichbinhier kämpfen gegen diese Entwicklung an.


Hetze und Diskriminierung verseuchen das Internet

Hetze und Diskriminierung verseuchen das Internet (Foto: Burdun Iliya/shutterstock.com)

Gegen Flüchtlinge, gegen Ausländer im Allgemeinen, diskriminierend gegenüber Frauen – der verbreitete Hass im Internet äußert sich vor allem in Rassismus und Sexismus, stammt aus der Feder von Demokratie- und Frauenfeinden. Einwanderungen, Flüchtlingsströme und die Genderdebatte sind die Themen, zu denen sich die Hass-Poster in erster Linie äußern. Dabei genügt ein Artikel, auf den die Nachrichtendienste für mehr Klicks auf ihrer Facebookseite verlinken, und schnell wird die Kommentarspalte zum Ort wüster Beschimpfungen und gezielter Stimmungsmache. Konsequenzen? Zumeist Fehlanzeige. Und das, obwohl es sich bei den Inhalten um offensichtlich verfassungsfeindliche Äußerungen handelt, die rechtliche Folgen haben müssten.

Doch das Internet ist noch immer ein weitestgehend rechtsloser Raum. Die Bundesregierung hat das Problem von „Hate Speech“ zwar bereits erkannt und ist sich der Verrohung des Umgangstones auf den sozialen Plattformen bewusst. Doch die Verantwortung sieht der Staat nicht bei sich, sondern bei den Betreibern der Plattformen. Deshalb wurden diese im neuen Netzwerkdurchsuchungsgesetz, das am 1. Oktober 2017 in Kraft trat, dazu verpflichtet, offensichtlich rechtswidrige Inhalte binnen 24 Stunden ab Meldung zu löschen – ansonsten drohen erhebliche Bußgelder. In der Realität bleibt der Raum im Internet damit jedoch weitgehend rechtslos. Während alte hetzerische Beiträge gelöscht werden, sind schon längst wieder neue Hassschriften in die Tastaturen gehackt worden.

Das Problem liegt in der miserablen Diskussionskultur im Netz, der harsche Umgangston hat sich über Jahre etabliert. Zunächst in den Foren, wo die Internet-Trolle – der Begriff beschreibt die Personen, die absichtlich die emotionale Provokation anderer Nutzer anstreben – schon vor der Jahrtausendwende ihren Hass säten, um genervte oder verärgerte Reaktionen hervorzurufen. Schon damals galt: „Don’t feed the trolls“ („Trolle bitte nicht füttern“). Doch genau das ist zu häufi g passiert. Die Trolle fanden mit ihren provokanten Äußerungen Gehör. Und so waren sie die Wegbereiter für den Hass, der mit dem Aufkommen der sozialen Netzwerke schnell ein breiteres Publikum erreichte und salonfähig wurde.

Das Ergebnis dieses Prozesses ist immer wieder in den Kommentaren und Beiträgen auf Facebook ersichtlich – und es lässt nicht nur am Verstand der Verfasser, sondern auch an der allgemeinen gesellschaftlichen Entwicklung zweifeln. Von alleine wird sich der Umgangston nicht ändern. Doch es gibt Menschen, die ihn verändern wollen. Dafür haben sich aus Eigeninitiative im Netz Nutzer zusammengetan, die die Diskussionskultur nicht mehr ertragen können und wollen. Die nicht nur gegen den Hass kämpfen, sondern zu faktenbasierter und sachlicher Kommunikation anregen wollen. Die Nutzer bündeln sich in Kampagnen wie „No Hate Speech“, #nichtegal, „Das Nettz“, „Debate Dehate“ oder #ichbinhier.

#ichbinhier: Facebook-Gruppe gegen Hass und Fake News

Die Facebook-Gruppe #ichbinhier wurde Ende 2016 von Hannes Ley gegründet. Der Hamburger wollte die Hasskommentare nicht weiter erdulden, sondern eine Initiative starten, die sich überparteilich für eine bessere Diskussionskultur und gegen Hetze in den sozialen Medien einsetzt. Dabei orientierte er sich am schwedischen Vorbild #jagärhär. Heute gehören #ichbinhier bereits über 40.000 Mitglieder aus allen Altersgruppen, diversen Herkunftsländern und mit unterschiedlichen politischen Ansichten an. Ihre große Gemeinsamkeit: Sie setzen sich für einen konstruktiven Dialog ein, in dem Hetze, Hass und Fake News keinen Platz haben.

Seit der Gründung gibt es bei #ichbinhier täglich viel zu tun. Dabei hat sich innerhalb der Gruppe ein Tagesablauf mit festen Ritualen etabliert. Der Tag startet mit einem sogenannten „Lagerfeuer“, einem Beitrag, der von einem der Moderatoren der Gruppe gepostet wird. Unter diesem Beitrag können die Gruppenmitglieder auf Diskussionen verlinken, die aus dem Ruder gelaufen sind und in denen Hate Speech zu finden ist. Die Moderatoren entscheiden dann, ob zu diesen Themen Aktionen gestartet werden und suchen parallel auf den Facebookseiten von großen Zeitungen oder TV-Sendern (z.B. Tagesschau, ntv, Focus, Stern) nach Reizthemen, unter denen in der Kommentarspalte mit hoher Wahrscheinlichkeit Hassparolen zu finden sein werden.

In separaten Beiträgen werden schließlich Aktionen gestartet. Mitglieder werden dann aufgefordert, an den Brennpunkten durch Likes und Kommentare Präsenz zu zeigen. In den Kommentaren versuchen die Mitglieder, sachlich gegen Beleidigungen, Hate Speech und Fake News vorzugehen. Es geht nicht darum, die anderen Nutzer zu diskreditieren, sondern darum, der Diskussion die Schärfe zu nehmen und gegen die Verrohung in der Kommunikation vorzugehen. Die Kommentare werden mit dem Hashtag #ichbinhier gekennzeichnet, damit andere Mitglieder sie schneller finden und liken können, um mehr Beachtung zu finden. Am Abend gibt es dann noch eine Abmoderation, einen Rückblick auf den Tag. Hier wird das Lagerfeuer gelöscht, ehe am darauffolgenden Tag wieder neue Aktionen gestartet werden.

Die Arbeit von Gruppen wie #ichbinhier ist mühsam und führt die Beteiligten täglich an die Abgründe des Internets. Und doch ist sie unabdingbar, weil sich Menschen zusammenfinden, die gemeinsam eine größere Präsenz erreichen können. Nur durch derartige Initiativen kann nachhaltig etwas für eine Verbesserung der Diskussionskultur getan werden. Wer sich für den Erhalt der Demokratie, gegen Vorurteile, Falschmeldungen und Hasskommentare einsetzen will, findet in diesen Gruppen Gleichgesinnte und kann selbst aktiv zu einem besseren Umgangston in den sozialen Netzwerken beitragen.

WEITERE INFORMATIONEN GIBT ES HIER
WWW.FACEBOOK.COM/ICHBINHIERDERVEREIN
WWW.DAS-NETTZ.DE
WWW.NO-HATE-SPEECH.DE
WWW.DEBATE-DEHATE.COM
WWW.NICHTEGAL.WITHYOUTUBE.COM



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