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// Gesellschaft
15.08.2011
Von: cj

Der letzte Weg – Hospizinitiativen und Hilfsorganisationen

Tod und Sterben galten bis in die 90er Jahre als Tabu-Themen. Die bis dahin eher geringe öffentliche Aufmerksamkeit lässt sich möglicherweise darauf zurückführen, dass Sterben bei uns primär eine persönliche und weniger eine gesellschaftliche Relevanz hat. Krebs und tödlich verlaufende Krankheiten sind elementare Ereignisse, die zu jeder Zeit das Leben abertausender Menschen bestimmen. Sterben, Tod und Trauer werden jedoch weitgehend von der Gesellschaft verdrängt und so lange das Schicksal nicht in das eigene Dasein eingreift, werden diese Aspekte nicht in das Leben einbezogen. Es scheint, als sei in einer zunehmend auf Spaß, Konsum und Heiterkeit fixierten Welt für den Tod kein Platz mehr. Er wird geleugnet, bis er sich ankündigt. In einer immer älter werdenden Gesellschaft nimmt das Sterben jedoch immer größeren Raum ein.


Und so scheint es in der Natur der Sache zu liegen, dass es immer mehr Hospizvereinigungen gibt, die Hilfe, Schutz und Geborgenheit bei schwerer Krankheit und im Sterben geben. Die Nachfrage nach Hospiz-Plätzen für Schwerstkranke und Sterbende ist groß, gleichzeitig steigt der Bedarf nach Unterstützung, werden zunehmend Sponsoren und ehrenamtliche Helfer gesucht.

Viele Menschen sterben in einer fremden Umgebung, ohne Angehörige oder Freunde. Die meisten Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern sind zeitlich und oft auch menschlich überfordert, Sterbende in ihren letzten Stunden zu begleiten. Großfamilien, wie beispielsweise bei vielen ausländischen Mitbürgern, in denen sich die Angehörigen die Betreuung teilen, gibt es in Deutschland nicht mehr. Darum ist es das vorrangige Ziel der Hospizbewegung, die Wünsche sterbender Menschen und ihrer Angehörigen zu erfüllen: Sterben an einem vertrauten Ort, möglichst zu Hause oder wie zu Hause, umgeben von lieben Menschen, die pflegenden Angehörigen zu entlasten, finanzielle Nöte, die häufig mit der Krankheit verbunden sind, zu lindern. Bundesweit bildeten sich in den letzten Jahren Hospizinitiativen, die auch überregional agieren. Der Vernetzung zwischen Palliativmedizin und Hospizarbeit kommt eine gestiegene Bedeutung zu. In immer mehr Gemeinden werden Hospizvereinigungen gegründet. Einige von ihnen sollen hier vorgestellt werden.

Kinderhospiz
Cuxhaven-Bremerhaven

Wie schwer muss es zu ertragen sein, ein Kind durch eine tödlich verlaufende Krankheit frühzeitig zu verlieren, wie ohnmächtig und allein mag man sich trotz der Anteilnahme von Freunden und Verwandten fühlen, wer kann diesen Schmerz wirklich nachempfinden und die Betroffenen in ihrer Verzweiflung stützen? Von diesem Schicksal Betroffene können das. So auch Dr. Dieter Czapski, der den schmerzlichen Verlust seines sechsjährigen Sohnes verarbeiten musste. Gemeinsam mit Leidensgenossen gründete er 2001 das Kinderhospiz Cuxhaven/Bremerhaven. Nach ihren persönlichen Erfahrungen wollten sie eine Organisation schaffen, die Familien mit lebensverkürzend erkrankten Kindern verlässlich Hilfe bietet. „Durch David haben wir gelernt, jeden Tag zu leben und zu lieben, und das möchten wir weitergeben,“ sagt Dr. Czapski.

Nach der Einrichtung einer Beratungsstelle wurde ein ambulanter Kinderhospizdienst für den Landkreis Cuxhaven und Bremerhaven aufgebaut. Zwei Jahre später folgte die Gründung des „Zentrums für trauernde Kinder“. Aufgrund zunehmender Anfragen erwarb der Kinderhospizverein im Sommer 2009 eine geeignete Ferienwohnung. Diese steht nunmehr den betroffenen Familien als „Kleine Insel“ zur Verfügung, in der sie Entspannung und Erholung und im Notfall auch medizinische Hilfe finden. 105 Quadratmeter ist sie groß, behindertengerecht ausgestattet, bietet Schlafplätze für drei Kinder und fünf Erwachsene. Anstatt ortsüblicher 135,- €/Nacht werden überaus günstige Konditionen gewährt.

Der Kinderhospizverein hat es sich zur Aufgabe gemacht, Beratung und Begleitung von Familien mit schwerstbehinderten, sterbenskranken Kindern und Jugendlichen anzubieten. Dies tut er in Kooperation mit anderen Institutionen im Rahmen eines Netzwerkes. Es ist vernetzt mit dem Schulamt Lehe, dem Behindertenkindergarten in Debstedt, dem Jugendamt, dem Landkreis Cuxhaven und Bremerhaven, der Lebenshilfe und vielen anderen. Hier erfährt der Verein, wofür die jeweiligen Einrichtungen zuständig sind und kann beratend tätig werden. Er leistet Hilfe bei der Finanzierung stationärer Maßnahmen, wobei Leben und Sterben in häuslicher Umgebung primäres Ziel ist. Der Verein bietet Schulungsmöglichkeiten für die im Umfeld der Betroffenen Tätigen und unterstützt trauernde Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Bis auf einige wenige Festangestellte erfolgt der Einsatz der vielen Helfer ehrenamtlich. Andreas Smyk beispielsweise hat einen Fulltimejob und ist Koordinator und beratende palliative Fachkraft, wobei er sein Grundwissen in seiner Tätigkeit als Altenpfleger erworben hat. Alle Ehrenamtlichen durchlaufen eine umfassende Ausbildung in einem achtzigstündigen Seminar, erst dann dürfen sie helfend eingreifen. Für diesen Befähigungsnachweis ist eine Teilnahmegebühr von 240,- € zu entrichten, wobei allerdings Mitglieder des Hospizvereins davon befreit sind. Dabei wird entsprechend der Bedürfnisse der Eltern verfahren. So kann beispielsweise eine allein erziehende Mutter auch einmal ins Kino gehen, sich mit einer Freundin treffen. Müsste sie einen Kinderpflegedienst in Anspruch nehmen, wären 35,-€/Std. fällig. Bei nur drei Stunden wären das schon 105,- €. Soviel Geld haben die wenigsten Menschen. Durch die ehrenamtlich tätigen Helfer des Kinderhospizes ist diese Betreuung kostenlos, wie alle anderen Angebote ebenfalls. Als Koordinator besucht Andreas Smyk jede der betreuten Familien einmal im Quartal, denn man arbei­tet nach dem „Prinzip opi“: offen, part­nerschaftlich, integrativ. Dies um zu gewährleisten, dass sowohl die jeweiligen Familien als auch die Ehrenamtlichen in einem guten Einvernehmen miteinander umgehen. Nicht jeder Helfer ist für jede Aufgabe geeignet. Dies gilt es abzuklären.

Zunehmend interessieren sich auch ausländische Mitbürger für die Dienste des Hospizes. Dabei erfahren die Mitarbeiter durch das behandelnde Krankenhaus von solchen Familien und suchen diese dann auf. Ihre Hilfsangebote werden mit großer Dankbarkeit angenommen. Durch Supervisionen wird den Ehrenamtlichen aufgrund der mitunter belastenden Schicksale der Kranken und deren Familien auf Wunsch Hilfe angeboten.

Auch dieses Hospiz sucht dringend ehrenamtliche Begleiter. Wer sich dieser dankenswerten Aufgabe widmen möchte, kann sich wenden an:

Andreas Smyk
Bremerhaven | Grashoffstr. 36-38
27570 Bremerhaven
Tel: 0800/62 63 25 2 (kostenlos)
www.kinderhospiz-cuxhaven.de

HOMBRE
Hospiz-Modell Bremerhaven e.V.

Hombre ist ein 1991 gegründeter ambulanter Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst. In diesem Jahr begeht der Verein sein 20-jähriges Jubliäum. Wie andere Hospizvereine auch, organisieren die ehrenamtlichen Hospizfachkräfte im ambulanten Bereich die Begleitung und Beratung der Patienten und deren Familien. Hier werden schwerstkranke und sterbende Menschen im häuslichen Umfeld, im Heim oder im Krankenhaus betreut. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, den Patienten Gesellschaft zu leisten, ihnen vorzulesen, zuzuhören, Angehörige zeitlich zu entlasten, Einkäufe für die Kranken zu tätigen oder auch die Betreuung der gesunden Geschwister zu übernehmen, wenn die Mutter dazu nicht mehr in der Lage ist. Die Mitarbeiter führen palliativ-pflegerische Beratungen durch, sind im Umgang mit Ämtern, Behörden, Kliniken, Kranken- und Pflegekassen behilflich. Die Begleitung und Beratung ist unentgeltlich und erfolgt unabhängig von Herkunft, Religion oder Weltanschauung.

In Schulungs- und Vorbereitungskursen bildet der Verein ehrenamtliche Hospizmitarbeiter und Holspizmitarbeiterinnen zur Sterbebegleitung aus. Die Seminare kosten 100,- €, werden aber an diejenigen zurückerstattet, die anschließend die Arbeit im Verein aufnehmen. Im November beginnt das nächste Seminar, für das sich Interessenten anmelden können. Herzlich einladen möchte der Verein zum Projekt „Augenstern“. Als Auftaktaktion bietet der Verein am 20. August in der Zeit von 11 bis 18 Uhr Geschwistern von schwerstkranken, behinderten und verstorbenen Familienangehörigen einen erlebnisreichen Tag im Klettergarten Verden.

In den lichten Vereinsräumen selbst bieten Gesprächskreise für Trauernde die Möglichkeit zur Begegnung, zum Austausch und nachträglichen Abschiednehmen.

Bülkenstraße 31 | 27570 Bremerhaven
Tel: 0471/80 62 95 5, 24-Stunden-
Bereitschaftsdienst unter 0160/90 32 92 63
www.hospiz-modell-bremerhaven.de

Kinderhospiz Löwenherz e.V.

Hier werden Kinder und Jugendliche aufgenommen, die an einer tödlich verlaufenden Krankheit leiden, bei der eine Heilung aus heutiger Sicht ausgeschlossen ist. Einige der Erkrankungen gehen häufig mit einer schweren geistigen und oder körperlichen Behinderung einher. Es werden Familien unterstützt, deren Kräfte durch die jahrelange Pflege und auch das Wissen, dass ihr Kind nur noch kurze Zeit zu leben hat, erschöpft sind. Zudem kommen auch die Geschwister mit ihren Bedürfnissen häufig zu kurz. Betroffene Eltern, Kinderkrankenschwestern, Ärzte und weitere engagierte Menschen aus unterschiedlichsten Berufsgruppen gehören zu den Mitgliedern des Vereins. Gemeinsames Anliegen ist es, den schwerstkranken Kindern zu helfen und die Familien in ihrer Situation zu unterstützen.

Eingebettet in üppig blühende Blumenrabatte liegt das Kinderhospiz am Stadtrand von Syke, rund zwanzig Kilometer von Bremen entfernt auf einem großen Grundstück direkt am Waldrand. Überrascht stellt man beim Betreten des Gebäudes fest, wie fröhlich es hier aussieht und wie fröhlich auch die Mitarbeiter sind. Gelächter schallt durch die Flure, Scherzworte werden gewechselt. Alles ist hier kindergerecht gestaltet, freundlich, hell und sehr einladend. Die Zimmer sind liebevoll und bunt eingerichtet, im Aufenthaltsraum verbreitet ein großer Kachelofen eine behagliche Atmosphäre, im warmen Whirlpool baden Eltern mit ihren Kindern. In der großen Gartenanlage gibt es für die Geschwister viele Bereiche zum Toben, in einem Bauwagen können sie basteln und spielen, für eine zeitlang das sterbende Geschwisterchen vergessen. „Fröhlich sind hier alle, weil Kinder Leben sind und wir den Kindern trotz ihres Siechtums eine fröhliche Zeit bescheren,“ sagt die Leiterin Gaby Letzing.

28 Tage im Jahr können die Familien Aufenthalte in diesem Haus in Anspruch nehmen. Die Warteliste ist lang. Dabei ist vorrangiges Ziel der Arbeit des Kinderhospizes, die Familien so weit zu stärken, dass sie wieder nach Hause zurückkehren können. Schwerstkranke Kinder können jedoch auch in ihrer letzten Lebensphase mit ihrer Familie ins Kinderhospiz kommen oder dort bleiben. Das Haus bietet stationäre Pflege und Betreuung der kranken und sterbenden Kinder, schmerzlindernde und medizinische Pflege, Krisenintervention, wenn die Pflege zu Hause nicht mehr geleistet werden kann, Mitaufnahme der Familienangehörigen, Beratung und Begleitung der Eltern und Geschwister, Sterbebegleitung für ein würdevolles Abschiednehmen und auch Trauerarbeit. Zur Betreuung der kleinen Patienten steht ausschließlich ausgebildetes Fachpersonal, also Kinderkrankenschwestern und Pfleger, bereit. In einem kostenlosen Seminar werden sie speziell auf die Bedürfnisse der Kinder und ihrer Familien geschult. Supervisionen können die Mitarbeiter bei Bedarf in Anspruch nehmen.

Diese Einrichtung entstand aus der praktischen Erfahrung von Gaby Letzing, die als Kinderkrankenwester in der häuslichen Pflege erfuhr, wie überlastet Eltern und Geschwister der kranken Kinder sind und war Motor zur Gründung dieses Hospizes. Auch diese Einrichtung ist immer auf Spenden und Solidarität angewiesen. Jährlich werden 1,2 Millionen Euro benötigt. Darum ist man dankbar, wenn beispielsweise Erlöse aus Bazaren, Kollekten anlässlich von Geburtstagen, Taufen, Hochzeiten, Testamentsverfügungen oder auch durch Gerichte verfügte Bußgelder von Verkehrs- und Steuersündern auf dem Spendenkonto landen.

Kinderhospiz Löwenherz e.V.
Plackenstraße 19 | 28857 Syke
Tel: 04242/59 25 0 | Fax: 04242/59 25 25
www.kinderhospiz-loewenherz.de

AVS & Friends e.V.

Einen ganz anderen Schwerpunkt setzt der Verein AVS & Friends e.V.. 2004 gegründet vom Bremer Schifffahrtskaufmann Andreas von Salzen, der sein Leben nach einem 13 Monate dauernden Kampf gegen die heimtückische Krankheit Krebs wieder erlangte und beschloss, eine Initiative zum Kampf gegen Krebs und seine Folgen zu gründen. Im Fokus stehen dabei an Krebs erkrankte Erwachsene in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Während seines langen Krankenhausaufenthaltes erfuhr er von den tragischen Schicksalen bedürftiger Patienten. Da gab es beispielsweise Patienten, die trotz einer nur noch sehr kurzen Lebenserwartung kein Geld hatten, um Ablenkung durch das Fernsehen zu erfahren, mit ihren Angehörigen oder Freunden zu telefonieren. Oder die junge allein erziehende Mutter von zwei Kindern, die nicht wusste, wohin mit ihren Kleinen während ihres Klinik- und Reha-Aufenthaltes. Er dachte an den erkrankten Vater, dessen Frau Tag und Nacht an seinem Bett weilte und sich darum kaum um ihre Kinder kümmern konnte, weil keine familiäre Betreuungsperson vorhanden war. Oder der Bettnachbar, dem für seinen Rehaaufenthalt das Nötigste fehlte, wie beispielsweise Badelatschen oder eine Trainingshose. Es gab den Kranken, der nach seiner Entlassung soviel Gewicht verloren hatte, dass er sich neu einkleiden musste, dafür aber kein Geld hatte. Sicherlich erhielt er nach seiner Erkrankung noch 72 Wochen Krankengeld, aber dann landet ein solcher Mensch, da nicht mehr vermittelbar, meist bei Harz 4. Ihm war die alte Dame vor Augen, deren drogenabhängiger Sohn ihr Konto geräumte hatte, so dass sie nach ihrer Rückkehr keine Miete mehr zahlen konnte. Bei solchen und ähnlichen Fällen greift AVS mit seinem Hilfe in Not-Fond unter dem Dach der Bremer Krebsgesellschaft ein.

Jetzt liegen täglich mehrere Tageszeitungen für Jedermann im Krankenhaus Bremen Mitte aus, Scheckkarten, die mit Fernseher und Telefon gekoppelt sind, werden für Bedürftige aufgeladen und zur Verfügung gestellt. Erkrankten Eltern und den sie ständig in der Klinik begleitenden erwachsenen Freunde des Patienten werden für ihre Kinder Babysitter, Hausaufgabenhilfe angeboten. Menschen werden für die Reha und auch nach ihrer Entlassung eingekleidet, für manche einige Monate die Mietkosten übernommen. Wie groß die Erleichterung und auch Dankbarkeit der Menschen ist, kommt in vielen Briefen zum Ausdruck, die an AVS gerichtet sind. So mancher der Genesenden stellt fortan sein Know-how dem Verein zur Verfügung.

Die Bremer Krebsgesellschaft, die aufgrund ihrer langjährigen Tätigkeit über hinreichend Erfahrung verfügt, ist zunächst Anlaufstelle für Hilfesuchende. Sozialarbeiter erledigen den Wust von Papieren, die erforderlich sind, um zunächst die staatliche Hilfe auszuschöpfen, erst dann füllt AVS die nicht selten noch große Lücke. Der Verein nimmt also keinen Einfluss auf die Auswahl der zu betreuenden Patienten, ihre Daten bleiben anonym. Die vorgesehenen Leistungen werden aus dem vereinseigenen Fond gezahlt.

Wenngleich das Hauptaugenmerk von AVS auf an Krebs erkrankten Patienten liegt, so schließt die Satzung doch Ausnahmen nicht aus. In Einzelfällen können auch bedürftige Ruheständler, die von einer kümmerlichen Rente leben müssen, unterstützt werden. Gefördert wird auch die Deutsche Knochenmarkgesellschaft, die erst kürzlich eine Zuwendung von 5.000,- Euro erhielt.

Alle AVS & Friends-Mitglieder und -Untertützer arbeiten ehrenamtlich. Jede Spende hilft also zu 100 Prozent und ist steuerlich begünstigt. 150.000,- Euro hat Andreas von Salzen gemeinsam mit Freunden und Weggefährten unter dem Vereinsnamen AVS & Friends in den vergangenen Jahren gesammelt. Aus seinem persönlichen Schicksalsschlag entstand eine erfolgreiche Bürgerinitiative aus dem Bremer Mittelstand mit der klaren Botschaft: „Gemeinsam statt einsam“ oder „nicht reden – sondern handeln“.

www.avsandfriends.de


Sterbebegleitung als Ehrenamt

Ingrid Schoppenhauer, Anfang 50, berufstätig und Mutter von vier Kindern ist ehrenamtliche Mitarbeiterin im Hospizverein Loxstedt e.V.. Sie sieht sich als Teil unserer Gesellschaft, die nehmen darf, aber auch geben muss. Was wäre, fragt sie, hätten wir keine freiwillige Feuerwehr? Sie spendet Blut, weil sie es vielleicht irgendwann selbst benötigt, hat einen Organspenderausweis und setzt sich für den Hospizdienst ein, sieht darin eine wichtige Aufgabe. „Im Gegensatz zu anderen Völkern unserer Erde, die einen würdevollen Totenkult pflegen, mit dem sie viele Tage oder manchenorts auch Wochen in großer Gemeinschaft von dem Verstorbenen Abschied nehmen, haben wir dafür heute keine Zeit mehr“, sagt Ingrid Schopenhauer. Abgesehen davon, dass immer mehr Menschen einsam einschlafen, kann der Umstand, dass eine Fremdperson, also kein Familienmitglied, den Patienten begleitet, oft dazu beitragen, dass zerstrittene Familienangehörige sich am Sterbebett versöhnen. Menschen, die von ihrem bevorstehenden Ableben wissen, seien eher bereit, sich gegenüber einer außenstehenden Person als ihren Familienangehörigen all das von der Seele zu reden, was sie zeitlebens bedrückt und belastet hat. Häufig sind es bei älteren Patienten nicht verarbeitete Kriegserlebnisse oder auch andere Vorkommnisse, die das Gewissen belasten. Das Abschiednehmen fällt nach einem solchen Gespräch dann leichter, hat Ingrid Schoppenhauer erfahren. Sie empfindet ihre Tätigkeit auch für sich selbst als überaus fruchtbar und hat dadurch gelernt, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Sie hat zutiefst begriffen, dass unser Leben endlich ist, Geburt und Sterben einen Kreis bilden, innerhalb dessen wir uns bewegen. Auch am letzten Abschied, der Bestattung ihres Patienten, nimmt sie teil, denn während ihrer Sterbebegleitung entstand eine Beziehung, die sie glücklich gemacht hat und von der auch sie sich endgültig lösen muss. Sie teilt die Erfahrung der vielen ehrenamtlichen, die gemeinsam mit Angehörigen und den Sterbenden die schweren Zeiten des Lebens und Sterbens durchleben: Gemeinsam lässt sich das Unerträgliche besser ertragen.

Wer eine in seinem wohnbereich nahegelegene Hospizvereinigung sucht, erfährt dies in der Regel von den Sozialarbeitern in den jeweiligen Krankenhäusern.


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