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// Gesellschaft
15.11.2011
Von: cj

Die Adern der Stadt – 600 Kilometer Labyrinth unter den Straßen Bremerhavens

Was wäre, wenn es sie nicht gäbe – die diskreten Dienstleister, die sich um unseren Dreck kümmern, um unser Schmutz- und Regenwasser? Wir versänken in Unrat, würden überschwemmt bei wolkenbruchähnlich anhaltenden Niederschlägen. Diskret räumen sie weg, was die Zivilisationsgesellschaft tagtäglich anhäuft. Abfälle in jeder erdenklichen Dimension, Abwasser und vieles mehr. Hinzu kommt die komplizierte Aufgabe, die je nach Wetterlage anfallenden Wassermengen intelligent durch das unterirdische Netz zu leiten.


Die Adern der Stadt – 600 Kilometer Labyrinth unter den Straßen Bremerhavens

Die Adern der Stadt – 600 Kilometer Labyrinth unter den Straßen Bremerhavens (Foto: Christel Jeschke / LAUFPASS)

Gedankenlos, dank jahrelanger Übung, betätigen wir die WC-Spülung und ziehen den Stöpsel aus der Wanne. Aus den Augen, aus dem Sinn – irgendjemand wird sich dann ja schon darum kümmern. Doch wohin läuft jetzt unser Abwasser aus Toiletten, Duschen, Waschmaschinen? In ein weitverzweigtes, tief unter der Erde liegendes Kanalnetz. Es weist eine Länge von rund 600 Kilometern auf. Dieses Kanalnetz besteht aus Misch- und Trennanlagen, zwei unterschiedlich umfangreichen Rohren, die durch den runden Kanal hindurchführen. Dabei überwiegt das Trennsystem mit einer Länge von 500 Kilometern. In die Trennanlage werden Regen- und Schmutzwasser getrennt geleitet – in der Mischanlage hingegen treffen beide aufeinander. Um mit diesem Netz in alle Bereiche der Stadt zu gelangen, werden Düker verwendet, durch deren Bauweise die Unterführung von Rohren unter Straßen, Deichen und Flüssen möglich wird. Vorstellen mag man sich dies wie breite Treppenstufen, die hinauf- und hinabführen. Wer es genau wissen möchte: die zwei Düker, die aufgrund der durch Bremerhaven fließenden Geeste zum Transport des Abwassers erforderlich sind, haben eine Tiefe bis zu 23 Meter, eine Länge von 628 Meter und einen Durchmesser von 2,50 Meter.

Wer nun glaubt, in den Tunneln, in denen sich jeweils zwei Rohre (Trenn- und Mischwasser) befinden, tummeln sich Ratten oder anderes Getier, der irrt: hier unten mögen sich Menschen mit Klaustrophobie vielleicht nicht gern bewegen, denn die Tunnelwände stehen recht eng beieinander, aber man kann ihn durchaus mit Anzug und guten Schuhen durchschreiten: hier ist alles pieksauber! Nutznießer dieser Tunnelnetze sind auch Telefongesellschaften, die hier unten ihre Leitungen verlegen. Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, tief unter der Geeste hindurch vom Nordmolenfeuer bis hin zur Südmole zu laufen. Bei Kontrollgängen werden die Mitarbeiter jedoch ständig überwacht, denn es besteht die latente Gefahr, dass Faulgase entweichen. Faulgas entsteht beim Ausfaulen der im Abwasser enthaltenen organischen Fäkalien. Alle 500 Meter stehen Melder, durch die die jeweilige Position des Mitarbeiters durchzugeben ist, außerdem sind die Männer mit Gasmeldern ausgestattet, die optische und akustische Signale abgeben, wenn Gefahr besteht. Um dieses Kanalnetz funktionsfähig zu erhalten, zu sanieren und erforderlichenfalls zu erneuern, werden jährlich etwa 10 Prozent der Kanalleitungen mit Kameras und auch durch Kanalbegehungen auf Schäden und Undichtigkeiten hin untersucht. Jährlich werden etwa sechs bis sieben Kilometer Kanal saniert. Das kostet gewaltige Summen – das jährliche Sanierungsvolumen beläuft sich laut BEG auf rund drei Millionen Euro, hinzu kommen jährlich etwa eine Million Euro für die Sanierung der Pumpwerke und sonstigen Anlagen. Kein Wunder also, dass der Entsorgungsanteil in der Wasserkostenrechnung nicht geringer werden kann.

Und was passiert, wenn es allzu heftig und zu lange regnet und die Trennsysteme volllaufen? Dann wird die aus den Sinkkästen (wir sagen Gulli dazu) eindringende Wasserflut in Regenrückhaltebecken mit einem Gesamtvolumen von 26.000 m³ aufgefangen. Sollten auch diese überzulaufen drohen, wird das Wasser in die Geeste geleitet. Übrigens verdünnt sich das Mischwasser durch die Zufuhr von Regenwasser auf nahezu 95 Prozent, so dass auch diese Abwässer im Extremfall, der bislang kaum vorgekommen ist, schadlos in die Geeste abgeleitet werden können.

Die geografische Lage Bremerhavens, die Höhenlage und die Bodenverhältnisse des Stadtgebietes sowie die besonderen wasserwirtschaftlichen Bedingungen des Gezeitenflusses erfordern eine gesicherte und schadlose Ableitung überschüssigen Wassers sowie die Aussperrung schädlicher Hochwässer. Zu diesem Zweck werden von der BEG etwa 50 km Gewässer einschließlich der entsprechenden Anlagen, wie Schöpfwerke, Staue und Durchlässe, betrieben. Diese Gewässer sind eingebettet in ein weitverzweigtes Netz von kleineren Gräben, deren Ufer als Lebensraum für Fauna und Flora und als Versickerungsbecken zur Anreicherung des Grundwassers dienen.

Zunächst jedoch kommen unsere Abwässer in die Kläranlage. Acht Stufen durchläuft der Reinigungsprozess. Vom Anlagenzulauf, über das Rechengebäude, in dem große Rechen die gröbsten Verunreinigungen, wie Holz, Papier, Textilien entfernen. Dann werden die Feststoffe gesammelt und bei 1000 Grad im Verbrennungsofen verbrannt. In einer biologischen Stufe wird dem Abwasser Luft zugeführt, damit Mikroorganismen die Schmutzstoffe aufnehmen können. Schließlich wird das Ganze in Nachklärbecken geleitet, in denen sich Schlamm absetzt. Über weitere Stationen fließt das nunmehr biologisch gereinigte Wasser dann in Nachreinigungsteiche und ist somit geklärt.

Öffnungszeiten:
Deponie Grauer Wall:

Mo. 07.00 – 20.00 Uhr
Di.-Fr. 07.00 – 15.30 Uhr

MHKW – Hexenbrücke:

Mo.-Fr. 07.00 – 18.30 Uhr
Sa. 07.00 – 14.00 Uhr

Containerplatz:
Mo.-Fr. 07.00 - 18.30 Uhr Sa. 07.00 – 14.00 Uhr

Service wird bei der BEG groß geschrieben. Ein 24-Stundenservice im Abwasserbereich ist bei Störfällen immer unter 0471/186-666 erreichbar.


BEG – Bremerhavener Entsorgungsgesellschaft mbH

Die BEG mit ihrer Tochtergesellschaft BELG (BEG logistic Gmb) sowie der Bauer Rohstoff-Großhandel GmbH & Co. (BAUER) betreiben in Bremerhaven das Müll-Heizkraftwerk (MHKW), die Deponie Grauer Wall sowie zwei Kläranlagen. Rund 10 Prozent des Strom- und 30 Prozent des Wärmebedarfs in Bremerhaven werden durch sie gedeckt.

Das Serviceangebot der BELG im Abfallbereich reicht von der Sammlung und dem Transport der häuslichen Abfälle und des Altpapiers sowie der Leichtverpackungen in der Stadt Bremerhaven bis hin zur Gewerbeabfallsammlung auch in den Umlandgemeinden. Insgesamt erfasst die BEG eine Fläche von 200 km Radius um Bremerhaven. Täglich sind 25 Fahrzeuge unterwegs. 300 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen, 300 weitere kommen bei den Revisionsarbeiten im MHKW und den Reparaturarbeiten an den Kanälen und Pumpwerken hinzu.

www.beg-bhv.de


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