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// Gesellschaft
15.02.2012
Von: cj

Ein Stück weit ein Zuhause in der Fremde – Seemannsclub Bremerhaven

Der Treffpunkt der Deutschen Seemannsmission für Seeleute aus aller Welt am Containerhafen in Bremerhaven hat einen neuen Namen. Er heißt ab sofort „Welcome – Internationaler Seemannsclub“. Der Titel löst den alten Begriff „Gute Stube“ ab. „Der neue Name ist Programm und drückt am besten aus, was Besucher hier erwarten können“, sagt Seemannsdiakonin Antje Zeller. Es ist ein Zuhause auf Zeit.


Ein neuer Mitarbeiter wurde in das Team aufgenommen: es ist Peddy, ein australischer

Ein neuer Mitarbeiter wurde in das Team aufgenommen: es ist Peddy, ein australischer

Der Bremerhavener Club bietet auf einer Nutzfläche von rund 300 Quadratmetern unter anderem einen großen Versammlungsraum, internationale Telefonzellen für Gespräche mit der Heimat, einen Internetraum und eine Kapelle. In der zurückliegenden Zeit waren jährlich durchschnittlich 11.000 Menschen aus 70 Nationen hier zu Gast.

Seeleute erfahren die Welt – im wörtlichen und übertragenen Sinne. Viele Monate sind sie auf See, fernab von ihrer Heimat und ihren Familien. Es ist meist nicht das Fernweh, sondern die Not im eigenen Land, die Menschen ihre Heimat verlassen lässt. Wer auf modernen Containerriesen zur See fährt, sieht nichts von fernen Ländern, zu kurz die Zeiten im Hafen. Die Liegezeiten betragen zwischen zwei und vierundzwanzig Stunden. Gegen Heimweh und die vielen kleinen und großen Probleme, die die Seeleute mitunter auf großer Fahrt beschäftigen, hilft seit 125 Jahren die Deutsche Seemannsmission. Sie gibt Seeleuten in der Fremde an vielen Plätzen auf der Welt das Gefühl, ein stückweit zuhause zu sein.

Ein mit behaglichen Sitzmöbeln ausgestatteter großer, heller Raum empfängt die Fremden, die von ihren jeweiligen Schiffen im Umkreis bis zu 15 km abgeholt und wieder zurückgebracht werden, zusätzlich steht ihnen ein Shuttlebus für den Transfer zur Verfügung. Um den Counter scharen sich die Seeleute mit ihren Anliegen, die von freundlichen, meist ehrenamtlich tätigen Mitarbeitern zügig erledigt werden. Es herrscht Sprachengewirr, die meisten Maaten kommen von den Philippinen, aus Indien oder den osteuropäischen Ländern. Ohne Englischkenntnisse kommt hier keiner weiter, wenngleich Helfer, die der russischen Sprache oder des Filipino mächtig sind, herbeigerufen können werden.

Viele möchten ins Internet und belegen flugs die zahlreichen hochmodernen Computerplätze, die mit Webcams ausgestattet sind und für deren Bedienung eine Kurzeinweisung erforderlich ist. Strahlende Augen sieht man, wenn der Sichtkontakt zu den Daheimgebliebenen möglich wird. Andere streben zum Telefon und benötigen dafür Prepaid-Simkarten, mit denen günstig nach China oder Indien telefoniert werden kann. Viele möchten Geld wechseln, die Bank ist zu weit entfernt. Kein Problem – jetzt können Getränke oder Souvenirs erstanden werden.

Betätigungsmöglichkeiten gibt es zahlreiche: auf einem Klavier, mit Gitarren und Trommeln darf jeder seine Fähigkeiten zum Besten geben. Besonders beliebt ist das Karaoke. Eine moderne Anlage lädt dazu ein. Andere ziehen es vor, Billard oder Tischtennis zu spielen oder sich mit Schach und Kartenspielen zu zerstreuen. Auf einem großen Sportplatz mit Flutlichtanlage können die Seeleute Sport betreiben. Und zu besonderen Anlässen, beispielsweise großen Fußballereignissen, werden die Spiele auf einer Großleinwand übertragen.

Kreativität ist bei der Seemannsmission dringend erforderlich, mitunter auch Detektivarbeit. Zum Beispiel wenn ein chinesischer Seemann sich verlaufen hat und sein Schiff nicht wieder findet. Da er bei Durchgabe seines Standortes kein „R“ aussprechen kann, ist seine Standortbestimmung nur mit viel Einfallsleichtum zu erkunden. Besonders wichtig sind jedoch Gespräche, in denen Probleme angesprochen und Hilfestellung gegeben werden können. Da geht es um Eheschwierigkeiten, Probleme mit dem Arbeitgeber oder andere Nöte. Beratung wird gewährt, seelsorgerischer Beistand geleistet, an Land wie auch an Bord.

Die Aufgaben der Mitarbeiter sind umfangreich: neben der gastlichen Aufnahme in ihrem Club besuchen sie Patienten im Krankenhaus und auch straffällig gewordene Seeleute – meist wegen Drogenhandel – im Gefängnis.

Ein neuer Mitarbeiter wurde in das Team aufgenommen: es ist Peddy, ein australischer Sheppardwelpe. Hingebungsvoll wird er von rauen Männerhänden gestreichelt. Die Seebären erfahren so ein wenig Zärtlichkeit.


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