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// Wirtschaft
15.11.2011
Von: Thomas Klaus

Fahrrinnen, Facebook und Fackelmarsch: Die Gegner der Weservertiefung haben zurzeit Oberwasser

Für die Verfechter von Außen- und Unterweservertiefung zum einen und Elbvertiefung zum anderen war der Monat Oktober kein guter. Denn nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes in Leipzig dürfte die Außen- und Unterweservertiefung – wenn überhaupt – erst frühestens Ende 2012 beginnen können. Und das gilt, unabhängig von diesem bahnbrechenden Gerichtsurteil, auch für die Elbvertiefung, die sich ebenfalls verzögert.


Fahrrinnen, Facebook und Fackelmarsch: Die Gegner der Weservertiefung haben zurzeit Oberwasser

Fahrrinnen, Facebook und Fackelmarsch: Die Gegner der Weservertiefung haben zurzeit Oberwasser (Foto: Thomas Klaus)

Aus Sicht der Hafen- und Logistikwirtschaft ist diese aktuelle Entwicklung in Sachen „Vertiefung von Außenweser, Unterweser und Elbe“ eine mittlere Katastrophe. Das findet zum Beispiel auch der Eurogate-Konzern mit Emanuel Schiffer an der Spitze, dem sehr an der Weservertiefung gelegen ist. Der Vorsitzende der Gruppengeschäftsführung betont: „Sie ermöglicht eine wesentliche Erweiterung der von der Tide unabhängigen Erreichbarkeit. Nach Abschluss der Maßnahme ist an der Außenweser ein tideunabhängiges Ein- und Auslaufen bis zu einem Tiefgang von 13,80 Metern gewährleistet.“ So genannte Postpanmax-Schiffe mit einer Länge von rund 400 Metern könnten künftig bei einem größeren Zeitfenster mit einem Tiefgang von 15,50 Metern ein- und auslaufen, fügt Schiffer hinzu. „Die letzten Fahrwasseranpassungen in Elbe und Weser“, merkt der Eurogate-Chef an, „sind leider einen Meter zu kurz gesprungen.“

„Generalplan“ soll Bauern schützen
Die Befürworter der Vertiefungsmaßnahmen zücken gerne die Arbeitsplätze-Karte. Nach Angaben des Wirtschaftsverbandes Weser, dem der ehemalige bremische Bürgermeister Dr. Klaus Wedemeier vorsteht, sind von der seehafenorientierten Wirtschaft in dieser Region 96.000 Arbeitsplätze abhängig. Weitere 55.000 Arbeitsplätze in anderen Teilen der Bundesrepublik stehen laut Wirtschaftsverband Weser mit den Seehäfen an der Unterweser im Zusammenhang.

Demgegenüber führen die Gegner unter anderem ins Feld, dass die erneute Vertiefung der Weser noch mehr salzhaltiges Wasser in die Gräben und Siele fließen lassen würde. Dadurch würden diese, der Boden und das Grundwasser versalzen. Angeblich wäre eine Viehtränkung aus Gräben dann ausgeschlossen. Und viele Tier- und Pflanzenarten, die von intakten Gräben und Seen abhängig seien, würden aussterben.

Von Befürworter-Seite aus wird jedoch auf den Generalplan Wesermarsch verwiesen, der im Sommer von der niedersächsischen Landesregierung beschlossen wurde. Er soll die Landwirte vor einer Versalzung von Brauchwasser schützen, und zwar durch zusätzliche Kanäle zum Heranführen von entfernterem Süßwasser. 50 Millionen Euro kostet das Umsetzen des Generalplans. Davon übernimmt das Land 37,5 Millionen Euro.

Andere Stichpunkte der Vertiefungs-Widersacher sind die behaupteten schwerwiegenden Folgen für den Tourismus durch Verlandung und Verschlickung, Gefahren für die Deichsicherheit durch eine zunehmende Hochwassergefahr und das „Verbrennen von Steuergeldern“. Schließlich mache der JadeWeserPort in Wilhelmshaven, der im August 2012 eröffnet werden soll, die Vertiefungen überflüssig – was Eurogate als Betreiber dieses Tiefwasserhafens allerdings vehement bestreitet.

Gegner-Dialog mit der Hafenwirtschaft
Nach der jüngsten Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichtes, wonach mit den Baggerarbeiten vorläufig nicht begonnen werden solle, wollen die Gegner der Weservertiefung die gewonnene Zeit nutzen und ihren Protest verstärken. Auf der jüngsten Sitzung der im August 2010 gegründeten Bürgerinitiative gegen die Unterweservertiefung, bei der die LAUFPASS-Redaktion vor Ort war, wurden verschiedene Maßnahmen und Aktivitäten beschlossen. Sie sollen den Befürwortern des Projektes das Leben möglichst schwer machen.

Zu den geplanten Schritten der Weservertiefungs-Gegner gehören zum Beispiel die Präsenz im Internet – eine Facebook-Seite ist im Aufbau – und ein Fackelmarsch. Außerdem wol­len die Gegner der Weservertiefung die Zusammenarbeit mit den Gegnern der Elbvertiefung suchen, den Kontakt zum Deutschen Gewerkschaftsbund verstärken und die Tourismuswirtschaft als Mitstreiter gewinnen.

Bereits erreicht ist die Kooperation mit der atomkritischen „Aktion Z“. Deren Sprecher Hinrich Brader warnt, dass die drohende geringere Deichsicherheit auch negative Auswirkungen auf das Kernkraftwerk Unterweser haben könnte. Der Grünen-Kreisvorsitzende in der Wesermarsch und frisch gebackene Braker Grünen-Ratsherr Dragos Pancescu will sich trotz aller Gegnerschaft zur Weservertiefung aber auch nicht dem Dialog mit der Hafenwirtschaft verweigern. „Wir sollten keine Fronten aufbauen“, befand er während der Bürgerinitiativen-Sitzung. „Unter vernünftigen naturschutzfachlichen Bedingungen“, sagte der Grünen-Politiker, „sollten wir uns um eine Zusammenarbeit mit hiesigen Unternehmen bemühen. Möglicherweise lässt sich bei ihnen ein ökologisches Umdenken bewirken.“

Kurzinformationen
Bis Bremerhaven soll die Außenweser von 14 auf 15 Meter vertieft werden. Auf diese Weise können Containerschiffe mit einem Tiefgang von 13,80 Meter jederzeit die Stromkaje erreichen (bisher 12,80 Meter).

Das Ziel der Unterweser-Vertiefung: Tiefgänge von 12,80 Meter bis Brake (bisher 11,90 Meter) und 11,10 Meter bis Bremen (bisher 10,70 Meter) sollen ermöglicht werden. Die Bauzeit wird auf sechs bis neun Monate geschätzt. Die prognostizierten Kosten betragen rund 50 Millionen Euro. Dabei sind die Kosten für die Planung und für Ausgleichsmaßnahmen eingerechnet.

Die Elbvertiefung soll Schiffen mit einem Tiefgang bis 13,5 Meter tideunabhängig und bis 14,5 Meter tideabhängig die Zufahrt zum Hamburger Hafen garantieren.

Informationen der Befürworter:
www.weser.de
Informationen der Gegner:
www.bund-bremen.net


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