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// Ratgeber
06.11.2019

Füttern gegen das Vogelsterben?

Vögel und Kleinsäuger leiden unter den menschgemachten Veränderungen ihrer Lebensräume. Der Wegfall von Nahrungsquellen und Brutoptionen trifft vor allem zahlreiche Vogelarten in Nordeuropa.


Vögel richtig füttern (Foto:  Somogyi Laszlo / shutterstock.com)

Vögel richtig füttern (Foto: Somogyi Laszlo / shutterstock.com)

„18 Prozent der 451 Vogelarten der EU wurden als gefährdet eingestuft und könnten damit innerhalb der nächsten 100 Jahre komplett aus der EU verschwinden“, meldet der Naturschutzbund Deutschland NABU. „Auf kontinentaler Ebene wurden 13 Prozent von 533 europäischen Vogelarten als gefährdet eingeschätzt, zehn Prozent dieser Arten gelten sogar auf globaler Ebene als vom Aussterben bedroht.“

Bedroht sind nicht nur die großen und exotischen Vögel wie Seeadler, Großer Brachvogel oder die Eisente. Auch der Kiebitz, die Ringeltaube und viele kleinere Vogelarten sind bereits heute in ihren Beständen stark dezimiert.

Aber auch nicht alle Arten, die in dieser neuen EU-Liste als „nicht vom Aussterben bedroht“ geführt werden, befi nden sich in einem guten Erhaltungszustand. Nach dem Bericht der EU zum Zustand der Natur („State of Nature“-Bericht) gelten viele von ihnen als stark abnehmend oder bereits auf Restbestände reduziert, so dass sich insgesamt 48 Prozent aller Arten in einem schlechten Zustand befi nden und damit die Artenschutzziele der EU-Biodiversitätsstrategie für 2020 kaum zu erreichen sein werden.

Der Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland BUND weist auf die Entwicklung seit 1980 hin. Danach habe die Zahl der Vögel in den Staaten der Europäischen Union um 56 Prozent abgenommen. „Hunderte Millionen Tiere sind damit schlicht verschwunden, darunter Arten, die man früher als Allerweltsarten bezeichnet hat, wie Star, Feldlerche oder Goldammer. Kiebitze, Uferschnepfen oder Rebhühner sind flächendeckend zu Raritäten geworden oder regional ausgestorben. Das zeigen die Daten des »European Bird Census Council « im niederländischen Nimwegen, der die unterschiedlichen nationalen Zahlen zusammenträgt und auswertet.“ Auch der Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) e.V. warnt vor einem Verschwinden von Arten vor allem im ländlichen Agrarumfeld. Allein beim Rebhuhn läge der Bestandsverlust bereits bei 89 Prozent.

Die Ursachen für das millionenfache Vogelsterben sind vielfältig. Neben dem Verlust an Lebensraum und Brutmöglichkeiten durch eine immer intensivere Landwirtschaft, ist eine der Hauptursachen das Insektensterben. Die Analysen zum Insektensterben weisen nach, dass die Zahl der Insekten in Deutschland um etwa 80 Prozent abgenommen hat. Das Insektensterben ist die unmittelbare Folge des Einsatzes von Pestiziden in der Landwirtschaft. Die aggressiven Chemikalien vernichten nicht nur Schädlinge auf den Feldern, sondern nahezu alle Arten von Insekten und belasten darüber hinaus in vielen Fällen auch den Besatz des Bodens mit Mikroorganismen.

Eine weitere Ursache des Vogelsterbens ist der Vogelschlag. Der BUND schreibt dazu: Mindestens 18 Millionen Vögel sterben in Deutschland jährlich durch Vogelschlag an Glas. Es sei mehr als befremdlich, so der BUND, dass die 100.000 bis 200.000 Opfer der Windenergie so intensiv diskutiert werden, die Hauptursachen des Vogelsterbens aber nicht. „Glas tötet unspezifi sch, also potenziell alle Vogelarten, denn es wird in fast jeder Flughöhe verbaut. Es tötet Vögel unabhängig von Art, Alter, Geschlecht und Uhrzeit. Das belegen Studien aus den USA. Man kann natürlich sagen, dass Vögel, die oft vorkommen („Allerweltsarten“) natürlich auch oft betroffen sind, Vögel, die selten vorkommen nicht so oft, was aber nur an der vorhandenen Anzahl der Vögel liegt. Viele Vogelstationen haben regelmäßig Glas-Vogelschlag-Opfer aus verschiedensten Arten: Greifvögel, Spechte (sogar sehr oft), Singvögel, Waldschnepfen, Zugvögel, standorttreue Vögel... einfach alles... bis hin zu einem Storch, bei dem die Kollision sogar live beobachtet wurde“, sagt Dr. Judith Förster, Projektleiterin des Projektes „Vermeidung von Vogelschlag an Glas“ des BUND NRW.

Auch Stromleitungen gelten als Risiken für Vögel: Insbesondere Greifvögel, Eulen, Kraniche, Weiß- und Schwarzstörche sind betroffen. Jedes Jahr sterben Tausende Tiere in den Drähten der Leitungen. Doch auch die legale Jagd mit 120 Millionen und die illegale Jagd mit 100 Millionen Vögeln pro Jahr, dezimieren die Bestände in Europa weiter.

Vor diesem Hintergrund stellen sich viele Menschen die Frage, wie sie den Vögeln helfen können. Insbesondere im Winter sorgen sich die Tierfreunde in Stadt und Land um das Nahrungsangebot der Vögel und füttern zu. Galt es früher als unbestritten sinnvoll, das ganze Jahr über zu füttern, hat die Erfahrung gezeigt, dass bei der Fütterung einiges zu beachten ist.

Wenn eine geschlossene Schneedecke die Nahrungsquellen der Tiere bedeckt, kann gezielt zugefüttert werden. Das sollte aber mit Blick auf die Ernährungsweise der jeweiligen Vogelarten passieren. Denn nicht alle Vögel fressen Sonnenblumenkerne. Körnerfresser sind unter anderen Grünfi nk, Sperling und Dompfaff. Sie fressen Körner von verschiedenen Getreiden und die Samen von Gräsern, Brennnesseln, Löwenzahn und Ampfer. Aber auch Nüsse (Wal- und Haselnuss), Bucheckern und Kürbissamen werden gerne angenommen.

Arten wie die Wacholderdrossel und die Amsel leben indes von Beeren. Zu ihren Lieblingsspeisen zählen die Beeren von Weißdorn, Sanddorn, Eberesche, Holunder und Schlehe. Viele Meisenarten, wie die Blau- oder Kohlmeise, zeigen sich fl exibel und ernähren sich sowohl von Beeren als auch von Körnern.

Vogelfutter gibt es einerseits im guten Fachhandel. Dieser achtet darauf, dass die Zusammensetzung der Futtersorten gesund ist und keine Anteile der hoch allergenen Ambrosia- Pfl anze enthalten. Andererseits findet man viele Futterarten auch in der Natur und kann Beeren und Körner für den Winter sammeln und bei starker Kälte dann verteilen. Beim „Ernten“ der Beeren und Körner in der Natur sollten die Büsche und Gräser jedoch nie vollständig abgeerntet werden, damit an diesen Standorten den Wildvögeln noch genug Nahrung bleibt.

Im eigenen Garten können die Lebensbedingungen für Vögel gezielt verbessert werden. Statt des sterilen englischen Rasens sollten heimische Gebüscharten angepflanzt werden. Hier fi nden die Vögel Nahrung und Nistmöglichkeiten. Wildblumenwiesen dienen Insekten als Nahrungsquelle und gleichzeitig auch dem Wachstum von Grassaaten – und liefern damit die Mahlzeiten für Körner-, Insekten- und Beerenfresser.

Wichtig ist zu beachten, dass die einseitige Fütterung zur Stärkung von wenigen Arten führen kann. Werden vor allem die Sperlinge gefüttert, vermehren sie sich sprunghaft. Das hat zur Folge, dass möglicherweise in der Folgezeit kleine Zugvögel keine Brutplätze mehr fi nden, da alle Wohnungen von Spatzen besetzt werden. Vogelschutz ist gelebter Umwelt- und Naturschutz. Wer das Thema ernst nimmt, sollte sich informieren. Es gibt sowohl für Stadt- als auch Landbewohner viele Möglichkeiten, artgerechte Lebens- und Nahrungsbedingungen zu schaffen.

Weitere Informationen:
www.nabu.de
www.bund.net


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