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// Gesellschaft
13.02.2017
Von: sl

Handwerkliche Nichtskönner – Gefangen in der Welt der Medien

Am Computer und am Smartphone kann die junge Generation alles – vor allem die Eltern und Großeltern dumm dastehen lassen. Wenn der Vater mit der Tastatur nicht klarkommt, die Mutter bei WhatsApp wieder inflationär uncoole Smileys benutzt und zehn Minuten braucht, um einen Satz zu tippen; oder wenn die Älteren in ihrem Leben sogar in Gänze (!) auf internetfähige Geräte verzichten – dann ist für die Jungen die Zeit des Triumphs gekommen: es wird sich köstlich amüsiert, weil man mit seinen zahlreichen Gadgets ein digitaler Alleskönner ist. Die Eltern oder Großeltern werden schön durch den Kakao gezogen. Oft heißt es dann „Das ist doch so easy – warum checkst du das nicht?“, verbunden mit herablassendem Gelächter.


Handwerkliche Nichtskönner

Handwerkliche Nichtskönner (Foto: Halfpoint/shutterstock.com)

Die ältere Generation kommt mit und ohne Internet durchs Leben. Aber ohne handwerkliche Fähigkeiten kann man dagegen nur schwer bestehen. Natürlich kann man einen Handwerker rufen, aber auch das wird immer schwieriger und ist mit langen Wartezeiten verbunden. Das liegt daran, dass sich die Berufswelt in den letzten Jahren erheblich gewandelt hat. Statt Zimmermann wollen die Heranwachsenden lieber Mediengestalter, statt Elektroniker lieber Journalist oder statt Maurer lieber Webdesigner werden – Hauptsache irgendwas mit Medien.

In der Medienwelt sind in den vergangenen Jahren immer mehr Tätigkeitsbereiche hinzugekommen. Mittlerweile gibt es bereits 175 verschiedene Medienberufe. Von solch einer Entwicklung kann das Handwerk derzeit nur träumen. Dort sind einige Berufsbilder bereits ausgestorben (z.B. Stellmacher, Köhler) oder vom Aussterben bedroht, wie beispielsweise Schuhmacher, Steinmetze oder Buchbinder. Derzeit listet der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) noch 134 Berufe auf. Viele Handwerksbetriebe suchen händeringend nach Auszubildenden. Die Zahlen sprechen Bände: verzeichneten die deutschen Handwerksbetriebe im Jahr 1997 noch 632.545 Auszubildende, so sank die Anzahl bis 2015 rapide auf 364.363. Und das, obwohl die Nachfrage auf dem Markt nach wie vor groß ist. Nicht zu Unrecht sagt der Volksmund: „Handwerk hat goldenen Boden.“

Wie soll eine Welt ohne Klempner, Elektriker oder Dachdecker funktionieren? Noch gibt es keine Häuser aus dem 3D-Drucker. Irgendwann kommt jeder in die Situation, in der er mangels Erfahrung auf einen Handwerker zurückgreifen muss. Bei der jüngeren Generation ist das immer schneller der Fall. Dementsprechend läuft es in der Branche auf finanzieller Ebene auch bestens. Im Jahr 2015 erlebten die Handwerksbetriebe sogar ihr stärkstes Geschäftsjahr seit der Wiedervereinigung. Viele kleine Firmen könnten expandieren – wenn da nicht der Fachkräftemangel wäre.

Die Gründe dafür liegen auf der Hand: körperliche Beschäftigungen zählen einfach nicht mehr zu den Top-Hobbys der Jugendlichen. Sie wachsen mit Computer und Smartphone auf und verpulvern ihre Freizeit vor den großen und kleinen Bildschirmen. Die Zeiten, in denen man freiwillig viel draußen war und Schnitzen, Hämmern, Hobeln oder Sägen zu den Hobbys zählten, sind längst vorbei. In der Regel ist es eben so, dass sich der Berufswunsch aus den persönlichen Interessen entwickelt – und die liegen im digitalen Bereich.

Nicht wenigen scheint das Handwerk unattraktiv und gar als minderwertig verpönt. Doch da fehlt ihnen der Durchblick. Modernes Handwerk ist auch digital. Planung, Realisation und Projektmanagement nutzen die modernsten Tools. Sie fordern aber auch das menschliche Geschick und fördern körperliche und geistige Fähigkeiten. Die meisten Handwerker werden zu praktischen Universalisten. Denn sie beherrschen nicht nur ihr Handwerk, sondern lernen im Alltag alle anderen Handwerksberufe kennen. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks versucht seit 2010, mit einer Imagekampagne (www.handwerk.de) auf die Vielfalt des Handwerks aufmerksam zu machen und präsentiert die immer noch über 130 verschiedenen Ausbildungsberufe.

Dass heutzutage handwerkliche Berufe unattraktiv scheinen, liegt nicht nur an der medialen Prägung der Kinder und Jugendlichen. Um das Bild der faszinierenden Handwerkerwelten zu verändern, muss auch die Bildungspolitik handeln. „In vielen Handwerksberufen, aber auch in der Gastronomie und im Tourismus benötigen wir deutlich mehr Auszubildende. Wir versuchen auch, mehr junge Frauen in typische Männerberufe zu bringen“, sagt Bundesbildungsministerin Johanna Wanka, die auch durch die Flüchtlingswelle eine Chance fürs Handwerk sieht. Es wäre allerdings sinnvoll, den Hebel schon früher anzusetzen: bereits in der Schule sollten handwerkliche Berufe sowie das Erlernen von praktischen Fertigkeiten wesentlich stärker in den Fokus gerückt werden. Nur so lernt auch die digitale Generation berufliche Alternativen zu „irgendwas mit Medien“ kennen. Auch wenn sie dafür mal kurz das Smartphone aus der Hand legen muss.



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