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// Gesellschaft
15.11.2011
Von: Jochen Werwath

Herausforderung für Kommunen: Demographie & Fachkräftemangel im Landkreis Cuxhaven – ein Gastbeitrag von Jochen Werwath

Kürzlich erregte in der Kreishauptstadt Cuxhaven ein Artikel in einer süddeutschen Zeitung (!) Aufsehen und Missfallen zugleich. „Jeder Tag einer weniger“ lautete die Botschaft dieses Artikels, der den Umstand und die Prognose beschrieb, dass Cuxhaven jährlich im Schnitt rund 500 Einwohner verliert – und damit sogar jeden Tag mehr als einen. Und in der Tat sind nicht nur in der Stadt, sondern im gesamten Landkreis Cuxhaven bedrohliche demographische Prognosen auszumachen. Nicht nur, dass die Kreishauptstadt in großer Zahl Einwohner verlieren wird, sondern auch für den Landkreis Cuxhaven wird vorhergesagt, dass er in den nächsten Jahren mehrere 10.000 von seinen jetzt 200.000 Einwohnern einbüßen wird. Dabei ist es nicht so, dass die Leute in Scharen abwandern, sondern diese demographische Entwicklung ist überwiegend der Überalterung und damit der Biologie geschuldet.


Herausforderung für Kommunen: Demographie & Fachkräftemangel im Landkreis Cuxhaven

Herausforderung für Kommunen: Demographie & Fachkräftemangel im Landkreis Cuxhaven (Foto Cuxhaven: Thomas Leiss - Fotolia.com)

Auch die IHK Stade beschäftigt sich seit längerer Zeit mit diesem Thema, weil natürlich mit einem derartigen Einwohnerverlust auch ein massiver Fachkräftemangel zu erwarten ist, der dann wiederum entsprechende Standortnachteile für den Landkreis nach sich zieht. Und tatsächlich ist auch hier die Lage bedrohlich: In den nächsten rund 15 Jahren wird sich die Zahl der unter 20-Jährigen um rund 20 Prozent verringern und die Zahl der Schulabsolventen sogar um etwa 25 Prozent. Bedeutet: Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen sinkt und wird eine völlige Umkehr der heutigen Situation nach sich ziehen. Kann sich heute noch ein Betrieb unter mehreren jungen Bewerbern den am besten geeigneten künftigen Auszubildenden auswählen, so wird es morgen umgekehrt sein. Der Ausbildungswillige wird unter mehreren Firmenangeboten wählen und sich das für ihn Optimale heraussuchen können.

Eine weitere Zahl: Ebenfalls in den nächsten rund 15 Jahren wird die Zahl der 30- bis 40-Jährigen um rund 20 Prozent abnehmen und die Zahl der 50- bis 65-Jährigen im gleichen Maße zunehmen. Was auf den ersten Blick unter dem Stichwort „Schön dass wir länger leben“ positiv erscheint, ist für den Arbeitsmarkt nicht mehr so gut, denn es wird ein steigender Fachkräftemangel zu verzeichnen sein. Bedeutet: Die Menschen werden nicht nur länger arbeiten müssen, sondern die Nachfrage nach älteren Arbeitnehmern wird steigen. Und: Die Arbeitnehmer werden quasi bis zu ihrem letzten Arbeitstag dazulernen müssen, was wiederum erhebliche persönliche Belastungen bedeuten kann.

Es sind also Maßnahmen gefragt, um sowohl mit den beschriebenen Konsequenzen aus der demographischen Entwicklung umzugehen und sich darauf vorzubereiten, als auch sie zum anderen aber vielleicht zu lindern oder gar als Chance zu begreifen. Denn sowohl Betriebe als auch Kommunen können heute Instrumente einsetzen, die gar nicht mal so neu sind, sondern nur auch einmal eingesetzt werden müssen und die darüber hinaus auch in der Regel nicht viel Geld kosten.

Zum Einen müssen die Arbeitsplätze in den Betrieben attraktiver werden. Attraktiver bedeutet dabei gar nicht mal mehr Geld, sondern attraktiver bedeutet, sich einzustellen auf veränderte Arbeitszeiten und auch auf sich verändernde Definitionen des Arbeitsergebnisses. Umfragen unter Auszubildenden haben gezeigt, dass die Jugendlichen eine Ausbildung in einem Betrieb suchen, der ein gutes Betriebsklima hat und der ihnen viel Wissen vermittelt. Materielle Überlegungen sind dem gegenüber eher nachrangig. Großunternehmen sind bei der Akquise von Auszubildenden nicht ohne weiteres im Vorteil. Ganz im Gegenteil können gerade kleine und mittelständische Unternehmen durchaus Ansatzpunkte für ein spezifisches Profil finden. Ein spezifisches Profil bedeutet für den Arbeitnehmer von heute auch, dass die Arbeitszeit flexibler gestaltet wird, dass Teilzeitmodelle möglich werden, der Wiedereinstieg erleichtert wird und es auch vermehrt zu Heimarbeitsplätzen kommen kann.

Das könnte auch bedeuten, dass zum Beispiel das Arbeitsergebnis des Mitarbeiters nicht mehr anhand der Zahl der im Betrieb verbrachten Stunden gemessen wird, sondern an dem Produkt oder der Dienstleistung, die er abliefert. Weitere sogenannte weiche Faktoren für einen modernen Arbeitsplatz sind eine familienbewusste Personalpolitik und gesundheitsfördernde und damit gleichzeitig risikomindernde Maßnahmen für den Arbeitnehmer. All diese Instrumente führen zu einem positiven Betriebsimage und damit zu begehrten Arbeitsplätzen.

Zur Begehrlichkeit gehören aber auch ein gutes Umfeld und eine hohe Lebensqualität am Arbeitsort. Insofern sind nicht nur die Betriebe aufgefordert, sich auf die Veränderungen einzustellen, sondern mindestens ebenso die Kommunen, in denen die Betriebe ihren Sitz haben. Auch Kommunen – egal ob klein oder groß – müssen als Wirtschaftsstandort attraktiver werden. Das fängt an bei dem Image, das eine Kommune hat. Um dieses im positiven Sinne zu ändern ist eine Standortprofilierung notwendig, die in der Regel mit einem Leitbildprozess beginnt. Solch ein Leitbild ist ein gutes Mittel, um nahezu alle Einwohner einer Kommune einbinden zu können und so von vornherein das daraus gewonnene Image solidarisch zu begründen. Quasi automatisch entwickelt sich dann aus diesem Prozess ein Stadtmarketing, mit dessen Hilfe die Kommune nach innen und außen positiv vermarktet und dargestellt wird. Beides Maßnahmen, die nicht unbedingt teuer sein müssen und die einen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Kommunen bedeuten können.

Im Landkreis Cuxhaven sind die Bemühungen und die Erkenntnisse um die demographische Entwicklung relativ weit gediehen. Auch kleinere Kommunen – beispielsweise Beverstedt, Bad Bederkesa oder Hemmoor – haben mit Leitbildprozessen und Stadtmarketing begonnen oder haben entsprechende Prozesse intensiviert. Die Betriebe informieren sich auf zahlreichen Veranstaltungen und Symposien über die Möglichkeiten, sich auf veränderte Arbeitsbedingungen einzustellen. Insofern sind wir im Landkreis Cuxhaven thematisch gut aufgestellt – aber wie sagte doch der deutsche Journalist Wolfgang Mocker? „Einige unserer Ziele ähneln dem Stern: Sie dienen lediglich der Navigation“.


Jochen Werwath
Jochen Werwath (58) ist Geschäftsführer der IHK Stade und Leiter der IHK Geschäftsstelle Cuxhaven. Zusammen mit seinem Team betreut er rund 8000 Gewerbetreibende im Landkreis Cuxhaven. Zu den Tätigkeiten einer IHK gehören hoheitliche Aufgaben wie die Berufsausbildung und die Abnahme von Prüfungen, die Vetretung des wirtschaftlichen Gesamtinteresses der Region oder allgemeine Beratungen zu wirtschaftlichen Fragen.


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