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// Gesellschaft
13.11.2017
Von: sl

Letzte Zuflucht für Papageien in Not

Margrit Reinhardt kümmert sich zusammen mit ihrem Ehemann Ralf und weiteren Helfern in der Papageienstation Arche Noah um physisch und psychisch stark geschädigte Papageien. Auf dem Gnadenhof in Hoope finden die misshandelten und vernachlässigten Tiere den Weg in ein besseres Leben.


Margrit Reinhardt bei der Arbeit in der Papageienstation Arche Noah

Margrit Reinhardt bei der Arbeit in der Papageienstation Arche Noah (Foto: Svenja Hanne/Papageienstation Arche Noah)

An einem schönen, warmen Tag erblickte Graupapagei Karl im Herzen Afrikas im Regenwald die Welt. Seine Kindheit verbrachte er zusammen mit seinen Artgenossen hoch oben in einer Urwaldpalme. Doch eines Tages nahm sein Leben eine traurige Wendung: Karl flog zusammen mit anderen Papageien zu einem Baum und kam von dort nicht mehr weg, weil die Rinde mit einer klebrigen Masse beschichtet war. Nach kurzer Zeit kamen Menschen, rissen Karls Flügel auseinander und hackten ihm die Schwungfedern ab. Nach einer langen Reise in einer Holzkiste, bei der viele der anderen Insassen starben, kam Karl zuerst in einem Zooladen an. Von da aus ging es weiter zu einem Mann ins kalte Oldenburg. Vor lauter Verzweiflung riss Karl sich dort die Federn aus, bis es blutete. Der Mann verlor das Interesse und zog weg, den Papagei ließ er im Keller zurück – bis eine Nachbarin ihn fand und zum Tierarzt brachte. Der Tierarzt versorgte Karl und gab ihn daraufhin in die Obhut der Papageienstation Arche Noah.

Margrit Reinhardt kennt derartige Schicksale zuhauf. Es sind diese Lebensgeschichten, die die Tierliebhaberin bewegen. Das war schon immer so. Vor 40 Jahren ging Margrit Reinhardt nach einem Hinweis ihrer Mutter in eine Hamburger Zoohandlung und kaufte sich für 980 DM den Amazonenpapageien Rico – keine durchdachte Entscheidung, sondern eine aus purem Mitleid. Der damaligen Greenpeace- Aktivistin lag schon immer nicht nur die Umwelt, sondern auch das Tierwohl am Herzen. Zu Papageien verspürte sie eine besondere Zuneigung. Anders lässt es sich auch nicht erklären, was die junge Hamburgerin in den kommenden Jahren auf die Beine stellte. „Eigentlich war ich nur auf der Suche nach einem Partner für Rico. Das führte dazu, dass ich jeden Samstag das Hamburger Abendblatt nach Kaufanzeigen für Papageien durchforstet habe“, sagt Reinhardt. Und so kaufte sie einen nach dem anderen Papagei aus seiner Gefangenschaft frei, um ihn aus dem traurigen Leben zu holen.

Damals hatte sie einen lukrativen Job in der Medienbranche, doch der ließ sich nach einer Zeit nicht mehr mit ihrer Passion vereinbaren. Rico war nämlich nicht mehr der einzige Pflegefall, Margrit Reinhardt kümmerte sich jetzt in einem abgelegenen Haus im damaligen Naturschutzgebiet Rosengarten in den Harburger Bergen vor Hamburg um 120 Papageien. „Ich wollte die Papageien aufpäppeln und einen nach dem anderen zurück in seine Heimat bringen und wieder auswildern“, erklärt Reinhardt ihre Motivation. Spätestens da wurde es ihr zum Verhängnis, dass ihre Triebfeder, die Liebe zu den Tieren, die rationale Sicht auf die Dinge versperrte. Denn Papageien, die einmal in Menschenhand waren, kann man nicht wieder auswildern. Sie können sich nicht eigenständig Nahrung suchen und kennen das Leben in freier Wildbahn nicht. Außerdem tragen sie fremde Krankheitskeime in die Heimatgebiete, an denen die Artgenossen dort sterben würden. „Diese Erkenntnis hat mich natürlich schockiert“, verrät die Tierschützerin.

Seitdem ist einiges passiert. Auf die Zwangsräumung ihres Domizils im Rosengarten wegen Eigenbedarf des Vermieters folgte die Einreise in die DDR kurz vor der Grenzöffnung, weil ein Brieffreund Reinhardt samt 120 gefiederten Freunden zu sich auf den Hof einlud. Aus der Not heraus ging es mit einem großen LKW in ein Zwölf-Seelen-Dorf bei Rostock, zuvor musste jeder einzelne Papagei mit seinen Papieren kontrolliert werden. Es folgten noch zwei weitere Neuanfänge, erst beim vierten Mal wurden Margrit Reinhardt und ihr Mann Ralf endgültig sesshaft. Seit knapp 20 Jahren leben sie in Hagen im Bremischen im Ortsteil Hoope und führen dort einen Gnadenhof für physisch und psychisch geschädigte Papageien: die Papageienstation Arche Noah, das erste staatlich anerkannte Tierheim für Großpapageien.

Aktuell leben 41 Papageien auf dem Hof. In Eigenregie haben Familie Reinhardt und Freunde die ehemaligen Garagen zu einem Papageienhaus mit Futterküche und Innenvolieren umgebaut, an die Außenvolieren angrenzen. Die Papageien haben dort wesentlich mehr Platz als in den kleinen, engen Käfigen, in denen sie oftmals als Haustiere gehalten werden. „Aber es sind immer noch Käfige. Ich kann mich bis heute nicht daran gewöhnen, sie hinter den Gitterstäben zu sehen“, gibt Margrit Reinhardt zu. Doch für die Papageien gibt es keinen anderen Ausweg mehr. Die Papageienstation Arche Noah ist kein Tierheim, das Tiere wieder abgibt, sondern eine Auffangstation, die Schwerstfällen ein möglichst schönes, sorgenfreies Leben ermöglicht.

„In erster Linie sind wir eine Art Psychiatrie mit Gruppentherapie. Jeder bei uns hat irgendwie einen Schaden“, schmunzelt Reinhardt und meint es dabei keinesfalls verachtend. Man merkt ihr die starke Bindung und die große Liebe zu den Tieren an. Auch das Mitleid, das sie vor 40 Jahren dazu bewog, in die Zoohandlung zu marschieren und Rico zu kaufen, ist immer noch präsent. Papageien sind gesellige und schlaue Tiere. Man sagt, sie besitzen die Intelligenz eines sechsjährigen Menschenkindes. Fluch und Segen zugleich, denn die Sprachbegabung ist neben der Schönheit einer der Faktoren, die Menschen zum Kauf und damit zur nicht artgerechten Haltung von Papageien bewegen – als Attraktion in den eigenen vier Wänden.

Häufig werden die Vögel alleine in einem kleinen Käfig gehalten, einige sogar mit einer Kette am Fuß. Das alles kann schwere psychische Schäden hinterlassen. Einige der Papageien in Hoope haben große kahle Flächen an ihrem Körper, weil sie sich als Reaktion auf den Stress immer wieder ihre Federn ausgerupft haben. Die Federn wachsen nie wieder nach. Wiederum anderen kann man die psychischen Leiden nicht auf den ersten Blick ansehen. Grundsätzlich rät Reinhardt vom Kauf von Papageien ab. Vor allem der Schmuggel aus ihren Herkunftsgebieten in Australien oder Afrika ist ein großes Problem. Im Durchschnitt sterben bei Fang, Transport und Quarantäne neun von zehn Tieren.

Reinhardt berät in ihrer Telefonsprechstunde Papageien-Halter, die ihre Tiere abgeben wollen oder Probleme mit ihnen haben. Die Leidenszeit der als Haustier gehaltenen Vögel ist oft besonders lang, denn Papageien haben eine Lebenserwartung von 60 bis 120 Jahren. Dementsprechend geschädigt sind sie, wenn sie auf den Gnadenhof kommen. In der Papageienstation finden die Vögel wieder Freude am Leben – trotz bleibender psychischer und physischer Einschränkungen. Nicht sofort, aber bei jedem einzelnen hat sich irgendwann die Verfassung durch den Aufenthalt verbessert. Reinhardt beobachtet gerne das Sozialverhalten der Papageien und freut sich über die kleinen Erfolgserlebnisse im Sozialisierungsprozess. Aber es verstehen sich natürlich nicht alle miteinander, das vertraute Kakadu- Pärchen würde zum Beispiel keine weitere Gesellschaft zulassen.

Einige Papageien sind schon seit weit über zehn Jahren unter der Obhut der Reinhardts. „In den vergangenen Jahren sind immer wieder Papageien gestorben, die uns sehr am Herzen lagen. Das geht einem natürlich nahe“, gibt Margrit Reinhardt einen Einblick in ihr Gefühlsleben. Der jüngste Verlust von Vogel Juppi wiegt schwer. Die Venezuela-Amazone ist nach zehn gemeinsamen Jahren in der Station ganz plötzlich verstorben. Nicht nur die Pfleger trauern, die Papageien müssen ebenso den Tod ihrer Partner verarbeiten. Das muss jetzt auch Juppis Freundin Coco, der die Trauer deutlich anzumerken ist. Im Moment sitzt Coco noch alleine still und fast regungslos auf der Stange in ihrem Käfig. „Bald werden wir wieder versuchen, sie in eine neue Gruppe einzugliedern“, plant Reinhardt. Das Leben geht weiter. Der Blick ist in der Papageienstation Arche Noah ohnehin stets nach vorne gerichtet, daran ändern auch Rückschläge nichts. Und Familie Reinhardt musste schon einige davon verkraften.

Vor allem finanziell ist die Station nicht auf Rosen gebettet. Noch immer muss Ralf Reinhardt regelmäßig einen Teil seines Gehalts investieren, um die laufenden Kosten zu decken. Diese sind enorm, weil das ganze Jahr über geheizt werden muss und die Tiere echte Feinschmecker sind, die nur spezielle Nahrung zu sich nehmen. Hinzu kommen die hohen Tierarztkosten. Das Tierheim ist zwar staatlich anerkannt, wird aber nicht vom Staat gefördert. Daher sind die Reinhardts auf Spenden angewiesen. Interessierte können auch Patenschaften für Papageien übernehmen und ihnen dadurch eine Zukunft geben. Eine Zukunft in Gesellschaft und in liebevollen Händen.


Papageienstation Arche Noah
WWW.PAPAGEIENSTATION.DE


Spendenkonto des gemeinnützigen Fördervereins PAN Fond e.V.
IBAN: DE18 2419 1015 1004 9940 00
BIC: GENODEF1SDE (Volksbank Stade)
Verwendungszweck: Papageienstation Arche Noah



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