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// Gesellschaft
08.05.2017
Von: sl

Regenwald am Arsch

Am Tag verbraucht der Durchschnittsdeutsche 57 Blätter Toilettenpapier, das ergibt im Jahr einen Pro-Kopf-Verbrauch von rund 15 Kilogramm. Die meisten Haushalte setzten auf Frischfaserpapier. Recyclingklopapier findet man in Privathaushalten selten. Liegt es am schlechten Image? Immerhin dominiert die Öko-Variante in öffentlich zugänglichen Sanitäranlagen. Vielleicht macht gerade dieser Umstand das Recyclingklopapier für viele unattraktiv, weil sie ungern auf öffentlichen Toiletten ihr Geschäft verrichten und es stets mit hartem, gräulichem Papier assoziieren. Die Industrie versucht deshalb, das Recyclingpapier weißer und weicher zu machen.


Regenwald am Arsch

Regenwald am Arsch (Foto: Paisit Teeraphatsakool/shutterstock.com | Denis Kovin/shutterstock.com | BlueRingMedia/shutterstock.com)

Bis in die 90er Jahre bearbeitete man es dazu mit der schadstoffreichen Chlorbleiche. Das Verfahren wurde in Deutschland verboten. Mit der fast chlorfreien ECF-Bleiche (elementar chlorine free) und der vollständig chlorfreien TCF-Bleiche (totally chlorine free) wurden bessere Methoden gefunden. Letztere bezeichnet das Umweltinstitut München als nicht umweltschädlich. Mittlerweile lässt sich Recyclingklopapier kaum noch vom Frischfaserklopapier unterscheiden. Bedenken bezüglich mangelhafter Hygiene von Recyclingklopapier sind ebenso unbegründet: Beim Recyceln wird der Brei aus Altpapier auf 100 °C erhitzt, wodurch sämtliche Keime und Bakterien abgetötet werden. Das macht es unmöglich, sich über Recyclingpapier mit Krankheitserregern zu infizieren.

Trotz der Weiterentwicklung waren die Bemühungen bislang vergebens. Der Hygienebereich gilt in der nachhaltigen Papierproduktion als Problemsektor. Nach Angaben von Greenpeace ist der Anteil von wiederverwendetem Altpapier in den letzten Jahren drastisch von 77 Prozent (2001) auf 51 Prozent (2014) gesunken. Noch immer werden allein in Deutschland pro Tag über 60.000 Tonnen Holz verbraucht. Ein Fünftel davon stammt aus den Regenwäldern, die weiterhin im großen Stil abgeholzt werden. Im brasilianischen Amazonas-Regenwald stieg die Entwaldung zwischen 2015 und 2016 rapide um 29 Prozent an – etwa 8.000 Quadratkilometer Wald wurden dort innerhalb eines Jahres gerodet.

Die Abholzungen müssen dringend gestoppt werden – zum Schutz der Umwelt und der Menschen. Der vollständige Umstieg vom Frischfaserklopapier auf die Recycling-Variante wäre ein großer Schritt in die richtige Richtung. Die Umweltvorteile sind nicht von der Hand zu weisen: Für 1 kg Recyclingpapier werden 1,15 kg Altpapier wiederverwendet. Dafür werden 5 bis 10 Liter Wasser sowie 1,5 kWh verbraucht. Für dieselbe Menge an Frischfaserpapier werden hingegen 2,2 kg Holz, 10 bis 1000 Liter Wasser und 4 kWh benötigt – und zudem ist die Abwasserbelastung auch noch um das Zwanzigfache höher.

Die Entscheidung zwischen den Papier-Varianten liegt momentan noch bei den Verbrauchern, aber die Politik sieht Veränderungen vor. Ende März traf die Bundesregierung mit der Verschärfung des Verpackungsgesetzes eine richtungsweisende Entscheidung: Das erklärte Ziel ist es, den Recyclingpapier-Anteil bis 2022 von 70 auf 90 Prozent zu erhöhen. Die Ambitionen sind nur dann realisierbar, wenn die Konsumenten dem Recyclingpapier im Hygienesektor eine Chance geben. Das Angebot richtet sich auch hier nach der Nachfrage. Wir Menschen müssten unserem Allerwertesten nur eine kleine Veränderung zumuten – und könnten damit bereits einen riesigen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Nachhaltiges Papier erkennen

Wer sich beim Papierkauf für eine nachhaltige Lösung entscheiden will, muss auf einiges achten. Es gibt eine Vielzahl von Siegeln, die nur einen umweltfreundlichen Anschein erwecken wollen, aber nicht die Verwendung von Recyclingpapier vorschreiben. Nach Angaben von Greenpeace garantiert nur der Blaue Engel die ausschließliche Verwendung von Altpapier sowie die Berücksichtigung von Gesundheitsund Umweltaspekten.

Mit dem Blauen Engel werden von einer Jury des Bundesumweltministeriums besonders umwelt- und gesundheitsfreundliche Produkte gekennzeichnet. Die Beurteilung erfolgt basierend auf den Empfehlungen des Deutschen Instituts für Gütesicherung und Kennzeichnung (RAL) und des Umweltbundesamtes. Toilettenpapier mit dem Blauen Engel besteht komplett aus Altpapier, 65 Prozent davon müssen aus niedriger Qualität sein. Dadurch wird garantiert, dass Papiere mehrmals recycelt werden. Außerdem sind krebserzeugende, erbgutverändernde und fortpfl anzungsgefährdende Inhaltsstoffe verboten, für andere Schadstoffe bestehen strikte Grenzwerte.

Alternativen zu Klopapier

Die Verwendung von Klopapier zur Reinigung nach dem Stuhlgang ist längst nicht in allen Ländern eine gängige Praxis. So säubern beispielsweise in Indien, Arabien und im südostasiatischen Raum die meisten Menschen unter laufendem Wasser aus einem Becher oder Schlauch mit der linken Hand ihren Analbereich. Es gibt zudem bereits Toiletten mit integrierten Drüsen, die den Allerwertesten mit einem Wasserstrahl vollständig reinigen und anschließend mit ausströmender Luft trocknen. Solche „Dusch-WCs“ sind vor allem in Japan verbreitet, haben sich in Deutschland aber – genau wie das separate Bidet – bislang nicht durchgesetzt. Auch deshalb ist Deutschland mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von rund 250 Kilogramm pro Jahr nach Angaben des Umweltbundesamtes eine der weltweit größten Papierverschwender-Nationen.


Weitere Informationen:
WWW.PAPIERATLAS.DE
WWW.UMWELTBUNDESAMT.DE



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