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14.11.2017
Von: sl

Überall Flaschen

8,3 Milliarden Tonnen Plastik hat die Menschheit seit den Anfängen der industriellen Produktion im Jahr 1950 bereits hergestellt. Die Masse entspricht dem Gewicht von 25.000 Empire State Buildings. Forscher erwarten, dass bis 2050 noch einmal fast die Hälfte dazu kommt. Das Problem: Es dauert Jahrhunderte, bis Kunststoff zersetzt wurde – und bereits jetzt schwimmen Unmengen an Plastikmüll in den Weltmeeren. Die Projekte „The Ocean Cleanup“ und „Refill“ kämpfen gegen die Müllflut an.


Die Projekte "Refill Deutschland" und "The Ocean Cleanup" wollen die Umweltverschmutzung stoppen

Die Projekte "Refill Deutschland" und "The Ocean Cleanup" wollen die Umweltverschmutzung stoppen (Foto: Nokuro/shutterstock.com)

Henderson Island ist eine Koralleninsel wie aus dem Bilderbuch. Kokospalmen, Schildkröten, Sandstrand – nicht zu Unrecht zählt das unbewohnte Eiland im Südpazifik zwischen Südamerika und Australien zum UNESCO-Welterbe. Doch diese Schönheit litt in den letzten Jahren enorm, der Grund: Henderson Island ist voller Müll. Der herrliche weiße Sandstrand lässt sich nur noch zwischen unzähligen Flaschen, Tüten und anderen Plastikteilen erahnen. Aus dem unbefleckten Paradies wurde eine Mülldeponie. Und das, obwohl die nächste Zivilisation über 5.000 Kilometer entfernt ist. Wissenschaftler gehen von 38 Millionen Einzelteilen aus, das Gesamtgewicht des angespülten Abfalls beläuft sich nach einer Untersuchung von Jennifer L. Lavers und Alexander L. Bond auf 17,6 Tonnen. Das Beispiel von Henderson Island offenbart, dass die Konsequenzen der Wegwerfkultur verheerend sind und die ganze Welt betreffen. Sollte sich daran nichts ändern, wird die Welt im Müll versinken.

Den meisten Menschen fehlt die Sensibilität für eine ressourcenschonende Lebensweise. Auch in Deutschland dominiert die Wegwerfgesellschaft. Das lässt sich bereits daran erkennen, dass ein Drittel unserer Lebensmittel nicht verzehrt wird, sondern ungenutzt im Abfall landet. Das teilte das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) mit. Nach Angaben des Ministeriums wirft jeder Bundesbürger pro Jahr 81,6 Kilogramm Lebensmittel weg, der Wert wird auf jährlich 235 Euro taxiert. Aber nicht nur die Biotonnen sind stets prall gefüllt, auch andere Abfälle produzieren wir in unvorstellbaren Massen. Die gesamte Menge der sogenannten Siedlungsabfälle aus dem Haushalt und gewerblichen Betrieben belief sich im Jahr der letzten Datenerfassung 2015 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes auf 51,6 Millionen Tonnen – der höchste Wert seit 2003.

Im Magazin „Science“ wurde unter dem Titel „Production, use and fate of all plastics ever made“ im Juli ein Bericht veröffentlicht, der die Menge der bisher produzierten Plastikprodukte in Zahlen fasst: 8,3 Milliarden Tonnen Plastik wurden bislang hergestellt, 79 Prozent davon befi nden sich in der natürlichen Umwelt und auf Deponien, dagegen wurden nur 9 Prozent recycelt, der Rest wurde verbrannt. Die Gesamtmasse entspricht dem Gewicht von 25.000 Empire State Buildings. Die Prognose der Forscher: Geht die Plastikproduktion weiter so rasant und ohne Umweltbewusstsein vonstatten, werden bis 2050 rund 12 Milliarden Tonnen Plastikmüll in der Natur zu finden sein. Dann würde bereits mehr Plastik als Fische im Meer schwimmen.

Plastikmüll ist ein allgegenwärtiges Problem, das in Zukunft weiter wachsen wird: Eine handelsübliche PET-Flasche zerfällt erst nach 450 Jahren, gleiches gilt für eine Wegwerfwindel. Eine Angelschnur ist sogar erst nach 600 Jahren vollständig abgebaut. Von dem bis jetzt produzierten Plastikmüll wird der Großteil also auch 2050 noch existieren, vieles wird noch in mehreren Jahrhunderten in den Ozeanen schwimmen oder in den Müllbergen auf Deponien lagern.

Initiativen gegen Plastikmüll

Die „American Association for the Advancement of Science“, die weltweit größte wissenschaftliche Gesellschaft, veröffentlichte 2015 einen Bericht, nach dem jährlich zwischen 4,8 und 12,7 Millionen Tonnen Plastikmüll im Meer landen. Mit der Verschmutzung der Ozeane soll bald Schluss sein – zumindest, wenn es nach den Verantwortlichen von The Ocean Cleanup geht. Sie wollen zunächst den Plastikmüll aus dem Pazifik fischen. Der Anfang wird also im Meer mit der größten Mülldichte gewagt, wie am Beispiel von Henderson Island unschwer zu erkennen ist. Die Idee stammt vom 23-jährigen Boyan Slat. Der Niederländer erfand schwimmende Barrieren, in die der Müll mithilfe der Meeresströmung hineingetrieben werden soll.

The Ocean Cleanup wurde per Crowdfunding finanziert, binnen 100 Tagen kamen durch 38.000 Spender aus 160 Ländern über zwei Millionen US-Dollar für einen ersten Prototypen zusammen. Im nächsten Jahr soll das Projekt beginnen. Ob es etwas bewirken kann, bleibt bis dahin unklar. Der erste Testversuch musste nach zwei Monaten abgebrochen werden, da der 100 Meter lange Prototyp zu stark beschädigt worden war. Dennoch sind die Wissenschaftler zuversichtlich, dass es Anfang 2018 mit der Säuberung des Pazifiks losgehen kann.

Die Aktion Refill („Nachfüllen“) setzt an einem wesentlich früheren Punkt an, nämlich schon vor Beginn der Wertstoffkette. Es soll gar nicht erst dazu kommen, dass so viel Plastik produziert wird. Damit werden die natürliche Ressource Erdöl geschont sowie die Umweltauswirkungen der Produktion eingedämmt. Für die Produktion von zwölf PET-Flaschen wird ein Liter Erdöl benötigt, dessen Förderung wiederum negative Folgen für die Natur hat und mit hohem Energieaufwand verbunden ist.

Das Konzept von Refill ist simpel: In allen teilnehmenden Cafés, Bars und Shops können sich Besucher ein mitgebrachtes Gefäß kostenlos mit Leitungswasser auffüllen. Die Idee stammt aus dem englischen Bristol und erfreut sich dort bereits großer Beliebtheit. In Deutschland machte Hamburg den Anfang, seit August wird das Projekt in ganz Deutschland umgesetzt. „Nichts schont die Umwelt so sehr, wie etwas, das gar nicht erst produziert wurde“, sagt Mareike Knebel von Refill Bremerhaven.

Refill will in der Bevölkerung das Umweltbewusstsein wecken, zur Abkehr von der Wegwerfkultur beitragen. Gerade bei Einweg-Trinkflaschen besteht enormer Handlungsbedarf: Pro Tag gehen nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe allein hierzulande rund 46 Millionen Einweg-Plastikflaschen über die Ladentheke. Die Zahl steige stetig an – und diesen Trend wollen die Refill-Aktivisten umkehren. „Wir möchten Menschen dazu animieren, sich bewusster mit dem eigenen Konsum von Verpackungen, insbesondere Verpackungen von Wasser, zu beschäftigen. Denn nichts braucht so wenig Verpackung wie ein in Deutschland konsumierter Schluck Wasser“, erklärt Mareike Knebel.

Das Engagement der Umweltorganisationen zeigt, dass vielen Menschen die Natur am Herzen liegt. Aber nur ein Umdenken in der Bevölkerung und in der Politik kann dazu führen, dass die Abfallmassen verringert werden. Sollte weiterhin in derartigem Ausmaß Plastik und damit auch schwer zersetzbarer Abfall produziert werden, bleibt die Arbeit der Umweltschützer ein Tropfen auf den heißen Stein.


MITMACHEN!
Wer mit seinem Café, Restaurant oder Bistro ebenfalls ein Teil von Refill Deutschland werden will, kann sich unter bremerhaven@refill-deutschland.de mit den Organisatoren in Verbindung setzen.

WWW.THEOCEANCLEANUP.COM
WWW.REFILL-DEUTSCHLAND.DE



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