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14.05.2019
Von: bg

Wir reden mit!

Warum Teilhabe für Kinder wichtig ist


Wir reden mit! (Fotos: mielag/shutterstock.com | Lehe Treff)

Wir reden mit! (Fotos: mielag/shutterstock.com | Lehe Treff)

Kinder und Jugendliche haben das Recht mitzubestimmen. So sieht es auch das Sozialgesetzbuch vor. In § 8, Absatz 1, heißt es: „Kinder und Jugendliche sind entsprechend ihres Entwicklungsstandes an allen sie betreffenden Entscheidungen der öffentlichen Jugendhilfe zu beteiligen.“ Kinder sollten sich als Mitgestalter ihrer Umwelt wahrnehmen und ihr Handlungspotential voll ausschöpfen. Dafür müssen sie zunächst einmal von Erwachsenen ernst genommen werden. Dazu gehört auch, dass Erwachsene ihre Versprechen halten – und das gilt auch für die Politik.

Der Lehe-Treff wurde 1981 als eine der größten Freizeitstätten Bremerhavens ins Leben gerufen. Beheimatet ist er im Goethequartier des Stadtteils Lehe, das durch die Diversität seiner Bewohner immer wieder vor soziale Herausforderungen gestellt wird. Der Anteil an Migranten und Bürgern, die von Armut betroffen sind, ist sehr hoch. Das macht eine besondere Integrationsleistung notwendig. Der Lehe- Treff trägt bereits seit seinen Anfängen zur Integration und Zusammenführung von Kindern und Jugendlichen mit verschiedenen Hintergründen bei. Mit einem ausgewogenen Freizeit-, Kultur- und Sportangebot bietet der Treff eine Anlaufstelle für die Bewohner und schafft einen sozialen Zusammenhalt im Quartier.

Von den Erziehern und Pädagogen im Lehe- Treff lernen die Kinder und Jugendlichen ein gesundes Miteinander, das auf Respekt und Wertschätzung basiert. Sie lernen soziale Codes und Moral kennen und die Gemeinschaft wird gefördert. Bei der Planung von Projekten beziehen sie die Kinder und Jugendlichen in die Entscheidungsprozesse mit ein und die Kinder können ihren direkten Einfl uss auf ihre eigene Lebenswelt erleben.

2015 beschloss die Stadt, sich beim Bundesprogramm „Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur“ zu bewerben, um das in die Jahre gekommenen Gebäude des Lehe-Treffs zu sanieren. Die Bundesmittel wurden genehmigt und die Planung für die Sanierung konnte beginnen. 3,8 Millionen Euro wurden für den Bau veranschlagt, 10 Prozent dieses Betrags – also 380.000 Euro – sollte die Stadt übernehmen. Neben dem hohen Sanierungsbedarf des Gebäudes, sind auch das veraltete Raumkonzept und die nicht vorhandenen freizeitbezogenen Außenanlagen Grund für den Umbau.

Bei der Planung des Bauvorhabens sollten auch die Kinder und Jugendlichen an der Gestaltung ihres gemeinsamen Freizeit-Treffs mitwirken können. Dazu haben sie mit der Hilfe der Erzieher einen kleinen Film im Rahmen des Beteiligungsprojektes „Wir reden mit!“ gedreht, in dem sie ihre Wünsche äußern. Dieser Film wurde mit dem 1. Platz beim Kinderrechtepreis 2016 unter dem Motto: „In Bremerhaven sind uns Kinder viel wert!“ ausgezeichnet. Beispielsweise wünschten sich die Kinder für den angrenzenden Spielplatz eine Nestschaukel und einen kleinen Grillplatz. Auch für den Innen- und Außenbereich des Gebäudes machten die Kinder zahlreiche Vorschläge. Aufgrund von zu hohen Kosten, die mittlerweile auf insgesamt 4,5 Millionen Euro angestiegen sind, wurde bisher keine der Ideen umgesetzt. Im Zusammenhang mit dem Motto des Kinderechtspreises– Ironie pur.

Die Kinder und Jugendlichen des Stadtteils sind oft und gern im Lehe-Treff. Für manche ist die Einrichtung wie ein zweites Zuhause. Ihre Mitspracherechte haben sie wahrgenommen und sich intensiv in das Projekt eingebracht. Das entspricht auch der Stadtverfassung. Darin verpfl ichtet sich die Stadt Bremerhaven, die Teilhabe von jungen Menschen zu garantieren. Im Fall des Lehe-Treffs scheint aber die Beteiligung keine Wirkung in der Umsetzung zu zeigen. Für die zahlreichen Kinder eine Enttäuschung. Vielleicht ist das ihre erste Demokratieerfahrung: „Beteilige dich, sage, was du willst, wir ignorieren dich.“

Die Idee Kinder und Jugendliche an den Entscheidungen zu beteiligen, die sie betreffen, ist schon alt, stellt Richard Schröder, Autor von „Teilhabe und Mitwirkung als Kinderrecht“ fest. Schon in den 20ern gab es reformpädagogische Strömungen, die der Mitbestimmung und Partizipation von Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle in der persönlichen Entwicklung zusprachen: „Politisch war diese Pädagogik eingebettet in die Zukunftsvision, dass eine künftige sozialistische Gesellschaft nur von Menschen gestaltet werden kann, für die Demokratie und Gleichheit in allen Bereichen der Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit sein würde und die bereit und fähig sind, politische Verantwortung zu übernehmen.“ (EPPE, 1993, S. 38).

Es ist deshalb äußerst wichtig, dass man Heranwachsenden das Gefühl gibt, gehört zu werden. Dies führt zur Bildung vom Homo Politicus, dem Menschen als soziales und politisches Wesen. Er ist ein fester Bestandteil der Gemeinschaft, der nicht nur in dieser enthalten ist, sondern auch selbst aktiv tätig wird. Der Mensch wird zum Akteur und in seinem Wesen drücken sich die Aspekte einer mitwirkenden Grundhaltung aus. Er lernt, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und die anderer wahrzunehmen. Er kann Verantwortung für sich selbst und die Gemeinschaft übernehmen und sich selbstwirksam erleben.

Auf Anfrage des LAUFPASS-Magazins bestätigt Volker Heigenmooser, Pressesprecher des Magistrats der Stadt Bremerhaven, dass die Vorschläge der Kinder bei der Sanierung des Lehe-Treffs nicht umgesetzt werden konnten: „Aufgrund des unvorhergesehenen Kostenanstiegs bei der Sanierung des Lehe-Treffs, ist eine Realisierung der Kinderwünsche bis auf Weiteres nicht möglich.“

§ 18 Beteiligung von Kindern und Jugendlichen
Kinder und Jugendliche müssen bei Planungen und Vorhaben der Stadt, die ihre Interessen berühren, in angemessener Weise über die in dieser Verfassung vorgesehene Beteiligung der Einwohnerinnen und Einwohner hinaus beteiligt werden.

Verfassung für die Stadt Bremerhaven (VerfBrhv) vom 3. Dezember 2015 (Brem.GBl. 2015, 670)



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