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// Gesellschaft
14.02.2018
Von: sl

„Wir wollen aus Bremerhaven eine echte Klimastadt machen“

Vor einigen Jahren hat sich Bremerhaven den Zusatznamen „Klimastadt“ verliehen. Doch nicht alle Bürger sind der Meinung, dass die Klimaschutzprojekte in Bremerhaven ausreichen, um sich diesen Beinamen wirklich zu verdienen. Die Gründer des Vereins „H2BX – Wasserstoff für die Region Bremerhaven e.V.“ wollen ihre Mitmenschen verstärkt für den Klimaschutz sensibilisieren und sehen in Wasserstoff den regenerativen Energieträger der Zukunft. „Wir wollen aus Bremerhaven eine echte Klimastadt machen“, so die forsche Ansage der Mitgründer Claas Schott und Michael Labetzke.


H2BX

H2BX (Foto: Martina Buchholz | Antje Schimanke)

Der Name des Vereins bringt das Bestreben kurz und knapp auf den Punkt: „H2“ steht für die chemische Formel von molekularem Wasserstoff, „BX“ ist das alte Fischereikennzeichen Bremerhavens. H2BX versteht sich als regionale Initiative für einen regenerativen Energieträger. „Wasserstoff ist der Energieträger der Zukunft und bietet vor allem für unsere Region große Chancen“, sagt der Vereinsvorsitzende Claas Schott. Der Diplom-Ingenieur arbeitet für die Hochschule Bremerhaven und hat über zehn Jahre lang Offshore-Windparks mitentwickelt. Zusammen mit dem stellvertretenden Vorsitzenden Michael Labetzke und neun weiteren Gründungsmitgliedern hat er den Verein am 9. November 2016 in der Gaststätte „Der Wasserschout“ gegründet.

Mittlerweile tauchen auf der Mitgliederliste über 40 Namen auf, das Alter reicht von 13 bis 83 Jahren. Die unterschiedlichsten Menschen engagieren sich im Verein, darunter Unternehmer, Kinder, Wissenschaftler, Rentner. Eines haben sie alle gemein – eine Vision: Wasserstoff als Chance für den Standort Bremerhaven. Als Chance für die Wirtschaft, die Wissenschaft und die Umwelt. Für die Mitglieder ist H2BX nicht nur ein trefflicher Name, sondern gleichzeitig die ultimative Erfolgsformel. „Bremerhaven bietet die idealen Voraussetzungen dafür, zur Wasserstoff-Hochburg in der Region Nordwest zu werden“, sagt Claas Schott.

Die Seestadt könnte viel mehr Profit aus ihrer Funktion als Windenergie-Standort schlagen, meint der Wissenschaftler. Die Anlagen produzieren massenweise Energie, die in Form von Wasserstoff gespeichert werden könnte. Die überschüssige Energie ginge damit nicht mehr verloren. Hierzu standen die Verantwortlichen von H2BX bereits mit den Betreibern der Kavernen in Etzel im Landkreis Wittmund im Austausch, wo derzeit Erdöl und Erdgas gespeichert werden. „Sie haben uns signalisiert, dass es ohne Weiteres möglich wäre, Wasserstoff in ihren Kavernen zu speichern“, bekräftigt Michael Labetzke.

Die beiden Bremerhavener kennen sich mit den Problemen beim Speichern von Energie aus – sowohl in großen Dimensionen wie bei den Windkraftanlagen als auch im privaten Bereich. „Bei mir zuhause ist eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert, die im Jahr 6500 Kilowattstunden Strom erzeugt. Wenn ich den Strom speichern würde, wäre das mehr als ausreichend und ich könnte mich komplett mit Strom selbstversorgen“, erklärt Schott. Durch Elektrolyse könnte mit dem Strom, der nicht direkt benötigt wird, Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten und letzterer in einem Tank gespeichert werden. Bei Bedarf kann der Wasserstoff dann wieder verstromt werden. Man nennt diesen Prozess der Energiespeicherung „Power to Gas“.

H2BX will das Ziel der vollständigen Abkehr von fossilen Rohstoffen durch die Entwicklung wasserstoffbasierter Energieversorgungssysteme in den Fokus der Gesellschaft rücken. Das betrifft nicht zuletzt den Bereich der Fortbewegungsmittel. Nach der Idealvorstellung sollen LKW und Schiffe, die in Bremerhaven ankommen und abfahren, mit Wasserstoff angetrieben werden. Vielleicht sogar mit Antriebssystemen, die in Bremerhaven erforscht und erprobt wurden. In der Praxis sind die alternativen Energieträger ohnehin in der Umgebung verwurzelt. An der Hochschule und den ansässigen Instituten könnte die Technologie der Energiespeicherung und -Verwertung mit dem Speichermedium Wasserstoff weiterentwickelt werden. Damit würde ein praxisnahes Forschungszentrum entstehen. „Wenn die Hochschule Bremerhaven sich weiter auf das Thema Wasserstoff spezialisiert und in diesem Bereich im Land Bremen zum Vorreiter wird, verbessert das auch den Ruf Bremerhavens. Damit würde die Stadt für Studenten und Wissenschaftler an Attraktivität gewinnen“, hofft Schott auf einen positiven Effekt für das Image.

Die Visionen einer Wasserstoff-Stadt Bremerhaven mögen derzeit noch wie ein großes Luftschloss wirken. Doch H2BX setzt alles daran, ein reelles Fundament zu schaffen, um den Traum zu verwirklichen. Bremerhaven zur echten Klimastadt zu machen, wie es Labetzke und Schott formulieren – das ist das große Ziel des Vereins, der sich der Öffentlichkeitsarbeit verschrieben hat. Aufklären, Beraten und Vernetzen sind die Kernaufgaben von H2BX. Das Interesse in der Bevölkerung ist bereits spürbar: Beim ersten öffentlichen Auftritt auf den Energietagen im Fischereihafen im vergangenen Oktober hatte der Verein alle Mühe, den Ansturm auf seinen Stand zu bewältigen. Und auch erste Unternehmen zeigen sich interessiert, ihre Logistik nachhaltiger zu gestalten und unterstützen die Idee der Wasserstoff- Experten. Als erster Autohändler aus der Region ist seit Oktober 2017 Toyota Auto-Box Mitglied im Verein. „Toyota hat als erster Hersteller Wasserstoffautos in Serie produziert. Zusammen mit H2BX wollen wir die Menschen für diese Technologie begeistern“, begründet Fabian Hornbogen, der mit seinem Bruder Thomas das Autohaus leitet, den Schritt. Vorreiter Toyota will den Großraum Tokio bis zu den Olympischen Spielen 2020 mit 100 Brennstoffzellenbussen ausrüsten.

In Bremerhaven hat H2BX neue Prozesse angestoßen und Wasserstoff als Energieträger auch regional ins Spiel gebracht. Damit die H2-Mobilität richtig ins Rollen kommt, müssten das Interesse und der Tatendrang wachsen. Das könnte durch ein Leuchtturmprojekt geschehen. „Die Stadt könnte dafür sorgen, dass die stadteigenen Fahrzeuge und zum Beispiel die Busse der Verkehrsgesellschaft Bremerhaven mit Wasserstoff angetrieben werden anstatt mit Diesel und so mit bestem Beispiel vorangehen“, schlägt Michael Labetzke vor und verweist im selben Atemzug auf den hohen Dieselverbrauch der 72 Bremerhavener Busse im Jahr 2016. Nach eigenen Angaben hat die Verkehrsgesellschaft in dem Jahr 2,131 Millionen Liter Treibstoff verbraucht, was fast dem Füllvermögen eines olympischen Schwimmbeckens entspricht.

Nach und nach könnten Logistikunternehmen auf Wasserstoffantriebe umsatteln. Die Möglichkeiten sind bereits vorhanden. Die Hoffnung liegt auf der Forschung, die die Kosten weiter senken und neue Fahrzeuge mit Wasserstoffantrieb entwickeln soll. „Wir reden hier von einer großen Industrierevolution“, sind sich die H2BX-Gründer einig. Bremerhaven könnte bei dieser Revolution eine Schlüsselrolle einnehmen, in der Wissenschaft und in der Wirtschaft. Als echte Klimastadt.

WWW.H2BX.DE


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