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// Gesellschaft
10.08.2016

Psychoonkologie - Begleitende Beratung bei Krebserkrankungen

In Deutschland erhalten jedes Jahr etwa 500.000 Menschen die Diagnose „Krebs“. Das ist für jeden Betroffenen und für seine Angehörigen ein schwerer Schock. Die meisten Betroffenen fühlen sich durch die vielen medizinischen Informationen überfordert. Sie verstehen die Fachsprache der Ärzte nicht und können den Details der Diagnose und der Therapie kaum folgen. Gleichzeitig werden durch die Diagnose viele Fragen aufgeworfen: werde ich geheilt? Werde ich große Schmerzen ertragen müssen? Werde ich wieder arbeiten können?


Psychoonkologie - Begleitende Beratung bei Krebserkrankungen (Foto: prudkov/shutterstock.com)

Psychoonkologie - Begleitende Beratung bei Krebserkrankungen (Foto: prudkov/shutterstock.com)

Besonders belastend ist die Frage nach der möglichen „Selbstverursachung“ der Krebserkrankung. Es ist eine Frage nach der Schuld: „Habe ich den Krebs selbst verursacht? Was habe ich falsch gemacht? Warum ich?“ Auch Freunde und Menschen aus dem persönlichen Umfeld scheuen sich nicht, dieses auszusprechen. Die Berichterstattung in den Medien kann diese Schuldgefühle verstärken. Nicht selten entsteht dabei ein Schuldbewusstsein. Wer glaubt, seinen Krebs selbst verursacht zu haben, muss sich schuldig fühlen. Es ist sicher nicht auszuschließen, dass sowohl die Lebensführung als auch belastende Umwelteinflüsse eine Krebserkrankung begünstigen können. Aber Krebserkrankungen sind multifaktoriell, d.h. sie können viele Ursachen haben, wie erbliche Belastungen, Ernährung, Umwelt.

Diese zentralen Fragen sind nur wenige, mit welchen sich die Erkrankten beschäftigen. Die neue Situation löst große Verunsicherung und Hilflosigkeit aus. Die Gefühle, die Patienten durchleben, sind intensiv: Verzweiflung, Panik, Depression, Wut, Sorgen. Die größte Belastung stellt aber die Angst vor dem Tod dar. An Krebs erkrankte Menschen müssen sich vorzeitig mit der eigenen Endlichkeit auseinandersetzen. Hinzu kommt die Angst vor einer möglichen langen Zeit der Leiden. In dieser kritischen Krankheitsphase ist es vielen Patienten kaum möglich, in den Arztgesprächen den Inhalten zu folgen und sie nachzuvollziehen. Daher ist es sehr ratsam, mit einer vertrauten Person zu wichtigen Gesprächen zu gehen. Weiterhin ist es sehr hilfreich, sich im Vorfeld Informationen und Orientierungshilfen einzuholen. Aus Untersuchungen weiß man, dass Unkenntnis, ungeklärte Fragen und Ungewissheit über anstehende Therapien eine Angstquelle sind. Angst kann als Stressfaktor ein Hindernis im Genesungsprozess sein. Angst blockiert. Angst belastet. Deshalb ist die Angstbewältigung ein wesentliches Anliegen der Psychoonkologie. Vermehrter psychoonkologischer Betreuungsbedarf besteht nach der Diagnoseübermittlung, im Rahmen der Behandlung und ihrer Nebenwirkungen, in der Rehabilitationsphase und während der Nachsorge. Auch bei erneut auftretenden Krebserkrankungen oder dem Auftauchen von Metastasen ist diese Begleitung wertvoll. Und nicht zuletzt in der palliativen und letzten Lebensphase.

Welche Themenbereiche konkret angesprochen werden, entscheiden der Patient oder der Angehörige, die mit entsprechenden Fragestellungen in die Beratung kommen. Dabei ist für viele Menschen das Aufsuchen einer psychoonkologischen Beratung bereits die erste Hürde, die es zu überwinden gilt. Die innere Abwehr, sich auf eine Beratung einzulassen, die mit „Psycho“ beginnt, ist groß. Mit „Psycho“ wird nicht selten „verrückt sein“ gleichgesetzt. Die Psychoonkologische Therapie hat jedoch einen anderen Fokus. Sie behandelt nicht die psychischen Erkrankungen, sondern hilft bei der Verarbeitung der seelischen Belastungen, die mit der Krebserkrankung einhergehen.

Für viele erkrankte Menschen ist es ein gutes Gefühl, den Behandlungsablauf aktiv mitgestalten zu können. Durch den Prozess der inneren Auseinandersetzung mit der Erkrankung steht am Ende oftmals die Erkenntnis, dass sich die Wahrnehmung im Hinblick auf das eigene Leben positiv verändert hat. Neue Wertigkeiten und Gewichtungen führen zu einer positiv veränderten Lebenseinstellung. Hier kann die Psychoonkologische Beratung ein wichtiger Begleiter sein, mit dem Ziel, mit einer Krebserkrankung ein sinnvolles Leben führen zu können und Lebensfreude zu empfinden.

Seit dem 13.Juli 2009 gibt es den gemeinnützigen und mildtätigen Verein „Lichtblicke“, gegründet von 12 Frauen – selbst Betroffene und betroffene Angehörige – die persönliche Erfahrungen mit einer Krebserkrankung gemacht haben und wissen, wie hilfreich eine seelische Unterstützung in dieser schweren Lebensphase sein kann.

www.lichtblicke-bremerhaven.de


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