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// Politik, Gesellschaft
11.05.2012
Von: cj

Die Suche nach Gas – Fracking als neue Fördermethode?

Grenzenlos scheint die Jagd nach fossilen Rohstoffen zu sein und geht über den Schutz von Mensch und Natur hinweg. Die Öffentlichkeit und selbst Wasserversorgungswerke werden über vorgesehene Bohrungen nicht informiert und erfahren häufig erst durch die Presse, welche Claims bereits abgesteckt wurden. Die Propaganda der Gasindustrie und ihre politische Lobby sind imstande, die Angelegenheit zu verharmlosen. Um unkonventionelle Vorkommen zu fördern, wie zum Beispiel Gas aus Schiefergesteinsformationen, setzt man die Technik des „Fracking“ ein. Wegen des hohen Bedarfs an Wasser, dessen späterer Entsorgung und des Einsatzes von Chemikalien wird das umweltschädliche Verfahren in der Öffentlichkeit und in den Medien kontrovers diskutiert.


Fracking – neue Gasförderungsmethode mit erheblichen Folgen für Mensch und Umwelt? (Foto: © code6d | www.istockphoto.de)

Fracking – neue Gasförderungsmethode mit erheblichen Folgen für Mensch und Umwelt? (Foto: © code6d | www.istockphoto.de)

Besonders nach der Katastrophe von Fukushima, die Deutschland zum Ausstieg aus der Kernenergie bewogen hat, ist Erdgas gefragter denn je. Auf heimischem Grund unabhängig von Russlands Gasimporten zu werden, weckt die Vorstellung, dass in der Bundesrepublik bald Millionen Kubikmeter Gas gefördert werden könnten, ein Milliardengeschäft. Davon träumen nicht nur Unternehmen, sondern auch Politiker. Die Bundesregierung sieht sehr große Potenziale, zumal durch das Erschließen neuer Ressourcen aus Gas verstärkt Strom produziert werden könnte. Gaskraftwerke seien eine gute Ergänzung im deutschen Energiemix, denn sie stößen nur halb so viel CO2 aus wie Kohlekraftwerke. Ihre Stromproduktion ließe sich schnell hoch- und herunterfahren. Das mache sie zu einer idealen Ergänzung für die schwankende Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. Weniger CO2 im Abbrand steht aber eine andere Emission gegenüber: Bei der Gasförderung gelangt Methan in die Atmosphäre, laut Robert Howarth von der Cornell University zwanzigmal schädlicher für die Umwelt als Kohlendioxid.

Anders als bei der Erschließung von Gasvorkommen, die in großen unterirdischen Hohlräumen entstanden sind, ist die Förderung von Gas, das im Erdboden gespeichert ist, wesentlich aufwändiger. Um das Gas aus dichten Gesteinen, vor allem Schiefer, ökonomisch vertretbar entnehmen zu können, muss die Durchlässigkeit des Erdreichs künstlich erhöht werden. Zuerst wird dazu senkrecht ins Gestein gebohrt, dann viele Kilometer horizontal. Ziel ist, das gesamte Schiefervolumen zu durchlöchern. Dann wird eine Mischung aus Millionen Liter Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in das Bohrloch gepresst, um die umliegenden Gesteine aufzubrechen. Dabei löst sich das Gas aus dem zerbröselten Gestein.

Gefördert wird so genanntes Shale-Gas, ein brennbares Naturgas. Dabei werden Millionen Kubikmeter Wasser und Sand in die tiefen Bohrschichten geleitet. Das Wasser verursacht Risse, die mit dem Sand offen gehalten werden. Dieses Wasser-Sand-Gemisch ist mit toxischen Chemikalien vermischt, mit denen Menschen auf keinen Fall ungeschützt – beispielsweise durch das Trinkwasser – in Berührung kommen dürfen. Und darin liegt unter anderem ein großes Problem.

In Europa liegen bisher keine kommerziellen Erfahrungen mit der Shale-Gas-Förderung vor, wohl aber in den USA. Riesige Gebiete sind für die jeweils anzusetzenden Bohrungen erforderlich, ebenso gigantische Wassersammelbecken. Hunderte Tanklastwagen schaffen das Wasser heran, entsorgt wird es ebenfalls durch Tanklastwagen oder auch mittels Rohrleitungen. Pro Bohrloch werden ca. 20 Millionen Liter Frischwasser benötigt. Eine kaum vorstellbare Größe. Rechnet man laut ARD-Monitor die zugesetzten Chemikalien hinzu, wären es 19 Tonnen der Ammoniumverbindungen, 9,5 Tonnen der Petroleumverbindungen und 680 kg des Biozids, und dies pro Frackingvorgang, bei jeder einzelnen Bohrung.

In den USA wird seit Jahren trotz der ernormen Risiken mittels der Fracking-Methode Gas gefördert, obwohl zahlreiche Fälle belegt sind, in denen das Erdgas sich über Risse mit dem Grundwasser vermischt, sich darin löst und über Wasserhähne in die Haushalte gelangt. Die Konzentration des Gases in den betroffenen Wasserleitungen ist so hoch, dass sich das Wasser aus dem Wasserhahn mit einem Feuerzeug entzünden lässt. 2011 untersuchten Wissenschaftler der Duke University in North Carolina das Trinkwasser von 60 Haushalten in der Umgebung von Schieferbohrungen. 13 von 26 Trinkwasserbrunnen in einem Umkreis von einem Kilometer der Bohrungen waren so stark mit Methan angereichert, dass das Wasser Feuer fangen konnte. Am 15. Dezember 2007 kam es in den USA zur Explosion in einem privaten Wohngebäude. Als Ursache wurde eine größere Gasakkumulation im Gebäude festgestellt. Dieses Gas war im Trinkwasser gelöst und wurde bei der Wasserentnahme freigesetzt.

Die möglichen gesundheitlichen Folgen des mit Fracking-Chemikalien kontaminierten Trinkwassers sind bislang kaum untersucht. Einige der eingesetzten Chemikalien sind krebserregend, giftig oder anderweitig gesundheitsschädlich. Die Firmen halten diese Chemikalien teilweise als Firmengeheimnis unter Verschluss. Dennoch wurden bisher mehr als 200 unterschiedliche Chemikalien und Biozide identifiziert. Die Leiterin der Wasserbehörde Hagen (NRW) stufte mehrere der bei Probebohrungen in Deutschland verwendeten Stoffe als wassergefährdend ein.

Auch in Niedersachsen versuchen Energieoligopolisten neue Gasvorkommen mittels Fracking zu erschließen und beginnen mit Probebohrungen. Dabei wird bei Erdgas aus unkonventionellen Lagerstätten zwischen so genanntem Tight Gas, das ist Erdgas, das sich in schwer durchlässigen Gesteinen angesammelt hat, sowie Schiefergas (Shale-Gas) und Kohleflöz-Gas (coal bed methane – CBM) unterschieden. Allerdings wird in Niedersachsen laut Aussage des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr kein Erdgas aus Shale-Gas-Lagerstätten gefördert. Es liegen jedoch Anträge für Erdgasbohrungen in Tight-Gas-Lagerstätten vor, die in unterschiedliche Zonen eingestuft wurden. Dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie liegen derzeit keine Anträge für die Durchführung von hydraulischen Bohrlochbehandlungen an Erdgasbohrungen in Shale-Gas-Lagerstätten vor.

Laut Aussage des Niedersächsischen Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr wurden 2010 insgesamt 760.000 Kubikmeter Lagerstättenwasser von der Erdöl- und Erdgasindustrie über Bohrungen in ausgeförderten Erdöl- und Erdgaslagerstätten oder in tiefe geologische Formationen versenkt. Bei Lagerstättenwasser handelt es sich um Wasser, das natürlicherweise in einer Lagerstätte vorkommt. Die Zusammensetzung des Lagerstättenwassers ist von den jeweiligen Lagerstätten abhängig. In Norddeutschland besteht Lagerstättenwasser in der Regel vorrangig aus hoch salzhaltigen Lösungen von Natriumchlorid, Calciumchlorid, Kaliumchlorid und Magnesiumchlorid sowie aus Resten von Kohlenwasserstoffen. Je nach Lagerstätte können laut Wikipedia-Eintrag auch andere Stoffe wie Quecksilber enthalten sein.

Umweltverbände laufen Sturm gegen die Fracking-Methode. Einer der einflussreichsten Umweltverbände der USA, das Natural Resource Defense Council (NRDC), warnt vor Gefahren für Mensch und Umwelt. Man sorgt sich besonders um die Behandlung und Entsorgung der Mengen an Abwasser, die in der Gasindustrie anfallen. Das Wasser wird in Bohrlöchern verklappt und gefährde so das Grundwasser. Oder es wird in offenen Becken gelagert und verdunstet in die Atmosphäre. Es wird aber auch über Kläranlagen in Flüsse geleitet. Bestätigt ist ein Fall aus West Virginia, wo Abwasser in einem Wald versprüht wurde. Dort sind in der Folge die Bäume abgestorben.

Die Partei „Die Linke“ des Kreisverbandes Leer trug vor, hohe Risiken gingen vor allem von der Frack-Flüssigkeit aus. Recherchen des Norddeutschen Rundfunks bestätigen sowohl die Ausbringung hochgiftiger Substanzen als auch Schäden durch Fracking: „In Niedersachsen sind bei der Erdgasförderung giftige Stoffe wie Quecksilber und aromatische Kohlenwasserstoffe in Erdreich und Grundwasser gelangt. Die zuständige Aufsichtsbehörde, das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) in Hannover, bestätigte dem NDR Wirtschafts- und Verbrauchermagazin Markt: „An insgesamt neun Lokationen kam es zu einer Schadensausbreitung. Betroffen ist das Erdgasfeld Söhlingen im Landkreis Roten­burg/Wüm­me.“

Umweltschützer empören sich über zu erteilende Bohrgenehmigungen und führen aus, dass im Mittelalter Brunnen und Wasservergifter mit hohen Strafen zu rechnen hätten, während heutzutage lediglich die Interessen der Großunternehmen zählten – ohne Rücksicht auf die Belange der Bevölkerung. Sie sehen hierin den Anfang „amerikanischer Zustände“ für die Erdgasfördergebiete in Deutschland. Die Auflagen zur Genehmigungserteilung sind in Deutschland hoch, allerdings hätten sich laut Recherchen des TV-Magazins „Monitor“ weder das Umweltbundesamt noch ein Umweltministerium mit den möglichen Gefahren von Fracking intensiv beschäftigt. 



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