Abo   |   Ausgaben   |   Kontakt   |   RSS-Feed   |   Sitemap   |   Suche   |    Werben im LAUFPASS
LAUFPASS - das Online-Portal fr Bremerhaven, Cuxhaven und Umzu
Das Online-Portal für Bremerhaven, Cuxhaven und Umzu
 Startseite   |   Nachrichten   |   Kultur   |   Termine   |   Sport   |   Freizeit   |   Gesundheit   |   Lifestyle   |   Gastronomie   |   Ratgeber   |   Branchenbuch
|   Wirtschaft   |   Wissenschaft   |   Politik   |   Gesellschaft   |   Archiv   |
// Wissenschaft
15.02.2012
Von: mb

Ich bin doch nicht blöd! Der Intelligenzquotient ist keine feste Größe

Der Intelligenzquotient. Ganze Heerscharen von Wissenschaftlern und Autoren beschäftigen sich mit ihm und veröffentlichen ihre Thesen in allen verfügbaren Medien. Doch welche Erkenntnisse glauben die Forscher gewonnen zu haben? Und was bedeuten diese Erkenntnisse für unser Leben, unsere persönliche Entwicklung aber auch die unserer Kinder? Ist es zum Beispiel sinnvoll, Kinder bereits bei ihrer Einschulung zu testen und – ob bewusst oder unbewusst – so eine Prognose über ihre Zukunft abzugeben? Was wissen die Forscher inzwischen über die Entstehung von Intelligenz? Der Versuch einer Zusammenfassung.


Ich bin doch nicht blöd! Der Intelligenzquotient ist keine feste Größe

Ich bin doch nicht blöd! Der Intelligenzquotient ist keine feste Größe (Foto: stockxpert.com (id 1838391) © Helder Almeida)

Laut Dieter E. Zimmer, dem renommierten Wissenschaftsautoren, ist Intelligenz bedingt erblich. Der Intelligenzquotient sei nicht auf einen bestimmten Wert genau festgelegt, das Potenzial würde aber durchaus durch die Gene bestimmt. Auf welchen IQ-Wert man es am Ende bringt, sei aber schließlich durch Umwelteinflüsse bedingt. Durch eine Förderung in der Kindheit sei eine Intelligenzsteigerung durchaus möglich. Diese hält sich nach Zimmers Erkenntnissen, die er in seinem Buch „Ist Intelligenz erblich? Eine Klarstellung“ beschreibt, allerdings nur in bescheidenem Rahmen bis ins Erwachsenenalter. Auf den Punkt gebracht, sagt Zimmer: „Sehr günstige Umstände erlauben seine volle Ausschöpfung, sehr ungünstige lassen ihn verkümmern.“

Unterstützt wird diese These von dem norwegischen Statistiker Christian Brinch von der Universität Oslo sowie Taryn Ann Galloway von der Harvard University in Cambridge. Die beiden Wissenschaftler fanden in ihren Untersuchungen heraus, dass sich die Zahl der Schuljahre nachweislich auf den später erreichten Intelligenzquotienten auswirkt. Man war sich bisher zwar darüber im Klaren, dass es einen Zusammenhang zwischen der Dauer des Schulbesuchs und dem Intelligenzquotienten gibt, belegen konnten dies allerdings nun zuerst diese beiden Wissenschaftler. Die Forscher nutzten dazu eine Schulreform in Norwegen, die in den einzelnen Bezirken zu unterschiedlichen Zeitpunkten umgesetzt wurde, was ihnen somit die Möglichkeit gab, Männer eines Jahrgangs, die aufgrund der Schulreform teilweise zwei Jahre länger als ihre Altersgenossen die Schulbank gedrückt hatten, bei der Musterung zu testen. Der durchschnittliche Intelligenzquotient war um einen Punkt gestiegen. Damit glaubten die Wissenschaftler, die Auswirkung einer längeren Schulzeit auf den Intelligenzquotienten bewiesen zu haben. Nicht beurteilen lässt sich allerdings, ob nicht die Schulreform selber – durch eine mögliche Qualitätssteigerung – Grund für die positive Entwicklung des IQ gewesen sein könnte.

Nach neuesten Erkenntnissen ist der Intelligenzquotient gerade in der Pubertät großen Veränderungen unterworfen. Studien zeigen, dass die Schwankungen im Gehirn durchaus sichtbar sind. Die Wissenschaftler vom University College London machten zwei Hirnregionen aus, in denen Veränderungen im Zusammenhang mit Schwankungen im IQ sichtbar wurden. Dazu absolvierten die Jugendlichen nicht nur einen Intelligenztest, sondern ließen ihr Gehirn zusätzlich mittels einer Magnetresonanztomografie (MRT) untersuchen. In dem Testverfahren des University College London wurde der Intelligenzquotient zum einen im verbalen und zum anderen im praktischen Bereich ermittelt. Der verbale Bereich bildet die Intelligenz auf dem Gebiet der Sprache, des Allgemeinwissens und des Gedächtnisses ab, der praktische Bereich umfasst das Zusammenfügen von Bildern sowie das Lösen von Puzzles. Im Fachmagazin „Nature“ schildern die Forscher, dass die Probanden im ersten Test mit 12 bis 16 Jahren einen IQ von 77 bis 135 Punkten hatten, während sie mit 14 bis 20 Jahren bei einem dem Alter angepassten Test mit 87 bis 143 Punkten deutlich besser abschnitten. Dabei ist der IQ nicht bei allen Probanden gestiegen. Es gab auch Testpersonen, deren Werte sich extrem um -20 oder +23 Punkte veränderten. Dabei ging ein höherer verbaler IQ mit Veränderungen in einer Hirnregion einher, die beim Sprechen aktiviert wird. Veränderte sich der praktische IQ, so waren Veränderungen im vorderen Kleinhirn auszumachen, welches mit Bewegungen der Hand in Verbindung gebracht wird.

Die Forscher haben derzeit keine Erklärung für die Schwankungen des Intelligenzquotienten. Es wird in Fachkreisen diskutiert, ob die Schwankungen damit zusammenhängen könnten, ob ein Kind Früh- oder Spätentwickler sei. Auch das soziale Umfeld oder die Anforderungen in der Ausbildung könnten eine Rolle spielen.

Cathy Price, eine an der Studie beteiligte Forscherin, gibt in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass es heutzutage eine Tendenz gibt, Kinder relativ früh in ihrem Leben zu beurteilen und ihren Ausbildungsweg festzulegen, obwohl die Ergebnisse dieser Studie zeigen, dass sich ihr IQ noch gravierend verändern könnte. In jedem Fall lässt sich aus der Studie die Vermutung ableiten, dass das Gehirn im Laufe des Lebens formbar bleibt und sich entsprechend auf neue Herausforderungen einstellen kann. So gibt es zum Beispiel Erfahrungen mit Kindern, die aus einem sozial schwachen Umfeld in ein betreutes Wohnprojekt eingegliedert wurden, dort Lernförderung erhielten und ihren IQ um bis zu 10 Punkte steigern konnten.

Der Psychologe Edwin Boring hat schon in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts zum Ausdruck gebracht, für wie albern er diese Tests hält, indem er bemerkte, dass sie letztendlich nur die Fähigkeit bestimmen, in einem Intelligenztest gut abzuschneiden. Nicht mehr und nicht weniger. Die Psychologieprofessorin Angela Duckworth von der Universität von Pennsylvania kommt in ihren Untersuchungen zu der These, dass die Tests weniger den tatsächlichen Intelligenzquotienten der Teilnehmer bestimmen, sondern vielmehr die Motivation der Teilnehmer das Ergebnis bestimmt. So fand sie gemeinsam mit einem Team aus Co-Autoren ihrer Studie heraus, das der IQ bei Testpersonen, die eine materielle Belohnung für ein gutes Abschneiden in Aussicht gestellt bekommen hatten, höher war als bei jenen, denen keine Belohnung winkte. Der Durchschnitts-IQ stieg dabei um erhebliche zehn Punkte. Je höher die ausgelobte Belohnung war, desto höher war auch der IQ. Erstaunlicherweise gerade bei denjenigen, deren IQ eher im unteren Bereich angesiedelt war.

Ein weiterer Teil ihrer Untersuchung konzentrierte sich auf eine Gruppe von 500 Jungen, die Ende der 80er Jahre an einem Intelligenztest teilgenommen hatten und dabei gefilmt wurden. Den Lebensweg von 250 dieser Jungen verfolgte Duckworth. Das Filmmaterial aus dem damaligen Test ließ sie von geschulten Wissenschaftlern hinsichtlich der Motivation der Jungen auswerten und verglich die Ergebnisse mit denen aus dem späteren IQ-Test. Natürlich ließ sich mit dem IQ-Test nicht prognostizieren, ob ein Schüler einen tollen Job bekommen und überhaupt einen Schulabschluss machen würde. Wohl aber, ob er gute Schulnoten haben würde. Betrachtete man die Motivation der Schüler, so konnte man Erfolgsfaktoren wie einen guten Job oder das Erreichen des Schulabschlusses schon eher prognostizieren. Wer in einem IQ-Test besonders gut abschneidet, ist also nach Duckworth nicht unbedingt schlauer als alle anderen, sondern vielleicht einfach nur ehrgeiziger.

Bei allem Verständnis für den Wunsch, sich oder seine Mitmenschen „einordnen“ zu können, darf nicht vergessen werden, dass es durchaus menschliche Fähigkeiten gibt, die ein Intelligenztest nicht ermitteln kann. Diese Fähigkeiten sind es oft, die einen Menschen besonders prägen und ihm ein glückliches Leben bescheren. Aber auch hier versuchen Wissenschaftler inzwischen, weitere Kategorien zu finden, die das „Sortieren“ erleichtern sollen. Der „EQ“ soll den Faktor der Emotionalen Intelligenz angeben. Eines der hierzu neu entwickelten Messinstrumente nennt sich „Multifactor Emotional Intelligence Scale“ und verlangt von den Testpersonen Lösungsvorschläge für emotionsbezogene Aufgaben. Immerhin ließ sich hierdurch bereits ermitteln, dass die EQ-Werte nicht unbedingt in Wechselbeziehung zu den IQ-Werten stehen.

Und welchen Schluss lassen diese Erkenntnisse zu? Vielleicht den, dass ein hoher Intelligenzquotient nicht allein durch „gute Gene“ herbeizuführen ist und ein Garant auf ein gutes Leben in Wohlstand ist. Ganz sicher lässt sich aber festhalten, dass Interesse und lebenslange Lernbereitschaft den IQ mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht senken und überdies in der Regel auch sehr zufrieden machen. 



// ONLINE DURCHBLÄTTERN
LAUFPASS 04/17 (Aktuell)
LAUFPASS 03/17
LAUFPASS 02/17
Anzeige
Anzeige
Anzeige
// VERANSTALTUNGEN (HEUTE)
Newsletteranmeldung
Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:

 AGB   |   Datenschutz   |   Impressum   |    Mathilde_drop