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// Sport
11.08.2014
Von: nh

Weser-Boxring e.V.: Boxsport als Lebensphilosophie

Wer beim Weser-Boxring trainiert, dessen Weg führt zuallererst einmal in das verglaste Büro im ersten Stock. Dort sitzt Albert Fahlbusch – Trainer, 1. Vorsitzender, Urgestein des Vereins. An Albert Fahlbuschs Büro führt kein Weg vorbei: Wer hier boxt, braucht eine gute Kinderstube. Oder bekommt sie verpasst, dafür sorgt Fahlbusch persönlich. Beim Weser-Boxring werden nicht nur Boxsport-Talente geschmiedet, hier gibt es auch Lektionen à la Knigge – aber auch Unterstützung, wenn das Leben mal nicht ganz geradeaus laufen will.


Weser-Boxring e.V.

Weser-Boxring e.V.

Schlaksig marschiert ein Nachwuchs-Boxsportler im Teenie-Alter in Fahlbuschs Büro, streckt zielstrebig seine Hand aus, um den Trainer zu begrüßen. Fahlbusch verweigert ihm die Begrüßung, schüttelt den Kopf: „Erst die Dame!“ Der Junge wird rot, schüttelt unsicher die Hände der Gäste – in der richtigen Reihenfolge, ganz „Alte Schule“ – erst zum Schluss dann die Hand des Trainers. Fahlbusch nickt anerkennend, klopft ihm wohlwollend auf die Schulter, entlässt ihn in die Kabine. „Beim nächsten Mal weiß er das dann“, sagt er. Manieren sind Albert Fahlbusch mindestens so wichtig wie eine starke Rechte: „Gutes Benehmen ist die halbe Miete im Boxsport.“

Albert Fahlbusch ist die Seele des Weser-Boxrings, er gehört dazu wie Sandsäcke und Boxhandschuhe. Beim Weser-Boxring ist er seit den Anfängen dabei, hat zwischen 1949 und 1965 selbst als aktiver Boxer 153 Kämpfe bestritten. Seit 1961 ist er als Trainer dabei, später wurde er 1. Vorsitzender und ist dies bis heute. Er ist bescheiden geblieben – aber wenn es um seinen Verein geht, um seine Jungs, hört für ihn der Spaß auf: Für seine Schützlinge und den Weser-Boxring steigt Albert Fahlbusch auch heute noch – sprichwörtlich – in den Ring. Wer boxen möchte, bekommt seine Chance. Wer die nutzt, hat Fahlbuschs volle Unterstützung. Hier muss keiner mit dem Sport aufhören, weil er aus einer sozial schwachen Familie stammt. „Die werden hier durchgeschleppt, da muss keiner aufhören wegen Arbeitslosigkeit oder irgendwas“, sagt Fahlbusch. Dafür hat sich vor einigen Jahren aus Ehrenmitgliedern des Weser-Boxrings ein Förderverein gegründet: Diese Ehrenmitglieder zahlen ihre Beiträge in einen Topf, aus dem dann Ausrüstung für sozial schwächere Nachwuchs-Boxer angeschafft und Unterstützung geleistet wird, wo es notwendig ist.

Die Jugendarbeit ist für Albert Fahlbusch alles. „Wer hier boxt, prügelt sich nicht auf der Straße“, sagt er. Das funktioniert wohl wirklich, denn: „Klare Ansage: Wer sich schlägt, der wird vom Training ausgeschlossen“, sagt Fahlbusch und fügt schmunzelnd hinzu: „Passiert eigentlich nie. Davor haben die Jungs viel zu viel Angst.“ Dass der Boxsport dennoch immer wieder mit Vorurteilen zu kämpfen hat, findet Albert Fahlbusch schade: „Hier geht es um Sport. Wer sich nicht benimmt, fliegt raus, und das riskiert keiner. Hier trainieren 17 verschiedene Nationen mit Leib und Seele gemeinsam den Boxsport und alle sind vernünftig. Das sind Sportler mit Verstand, keine dummen Schläger.“

Auf seine Jungs lässt Albert Fahlbusch nichts kommen, er ist mehr als nur ein Trainer. „Teilweise habe ich auf sie mehr Einfluss als ihre Familien“, sagt er. Ein Erziehungsauftrag, den Fahlbusch ernst nimmt. Bei ihm muss man sich benehmen, gleichzeitig steht er voll hinter seinen Schützlingen. Hat jemand Probleme, klemmt sich Fahlbusch dahinter. Wer die Schule abgeschlossen hat, hat sich gefälligst einen Ausbildungsplatz zu suchen. Wenn nötig, kümmert er sich auch darum persönlich, schreibt Empfehlungen, legt ein gutes Wort ein, lässt nicht locker. Und seine Jungs danken es ihm. Wer Albert Fahlbusch in seinem Büro die Hand schüttelt, tut dies mit festem Händedruck.

Trainiert wird seit 1991 in der ehemaligen Hochgarage der Gewoba in der Georg-Herwegh-Straße. Der Weser-Boxring genießt den Ruf einer Talentschmiede, ist eines der modernsten und am besten ausgerüsteten Vereins-Boxsportzentren in Deutschland. „Ohne die Unterstützung der Gewoba gäbe es uns nicht: wir dürfen mietfrei das Gebäude nutzen und werden von der Gewoba zudem noch gesponsert. Das ist ein echter Glücksfall, wofür wir sehr dankbar sind“, sagt Albert Fahlbusch.

Das Boxsportcenter in der Siedlung Bürgerpark-Süd verfügt über eine große Boxsporthalle mit drei Ringen, dazu gibt es einen Athletikraum mit Spiegelwänden zur Haltungskorrektur, Kraftgeräte und unzählige Sandsäcke. Kämpfe und Meisterschaften werden in der Walter-Kolb-Halle ausgetragen; dort lagert der Hochring des Vereins und die Halle verfügt über Tribünen, Stühle und eine Ringbeleuchtung. Über 200 Mitglieder zählt der Verein, darunter knapp 40 Frauen, die aktiv boxen oder sich einfach nur fit halten wollen. „Anfangs konnte ich mich an boxende Frauen gar nicht gewöhnen“, sagt Albert Fahlbusch. „Aber das erste Mädel, das bei uns boxte, wurde gleich zweifache norddeutsche Meisterin, ein Jahr später kam eine weitere dazu. Die meisten boxen aber bei uns zur Selbstverteidigung oder für die Fitness.“ Mit dem Boxen anfangen können Jungs ab zehn Jahren, Mädchen ab zwölf – eine sportmedizinische Vorgabe, denn vorher haben die Hand- und Schultergelenke noch nicht ausreichend Muskulatur. Seit einigen Jahren besteht eine Kooperation mit mehreren Bremerhavener Schulen, die den Boxsport in ihr Angebot aufgenommen haben. Albert Fahlbusch ist darüber froh, auch dies ein wichtiger Teil der Jugendarbeit. Denn: Wer boxt, der lernt fürs Leben, sagt Albert Fahlbusch. Seine Philosophie: „Wenn man liegenbleibt, geht das Leben über einen hinweg. Wenn man aber aufsteht und weiterkämpft, kann man nur gewinnen.“

Wer beim Weser-Boxring einmal reinschnuppern möchte, kann dies montags von 18 bis 20 Uhr, donnerstags von 16 bis 21.30 Uhr. Mädchen und Frauen trainieren freitags von 18 bis 20 Uhr.

www.weser-boxring.de



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