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// Gesellschaft
04.02.2020
Von: vc

Tierquälerei und Jagdunfälle – Tierschützer fordern Ende der Hobbyjagd


Jagdunfälle: Tsuguliev/shutterstock.com

Jagdunfälle: Tsuguliev/shutterstock.com

Tragischer Jagdunfall in Stuttgart: Einem Bericht der „Allgemeinen Zeitung“ zufolge, tötete ein Jäger im Januar in Desloch versehentlich einen Esel. Der Mann wollte nahe einem Wirtschaftsweg in Richtung Lauschied ein Wildschwein erschießen, traf jedoch den Esel, der hinter einem Gebüsch auf einem umzäunten Gelände stand. Die Polizei in Kaiserslautern nahm nun Ermittlungen wegen eines möglichen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz auf. Die Tierschutzorganisation PETA weist darauf hin, dass jedes Jahr nicht nur Hunderttausenden Tieren erhebliches Leid durch Fehlschüsse zugefügt wird, sondern auch mehrere Dutzend Menschen von Hobbyjägern getötet und verletzt werden. Die Tierrechtsorganisation fordert ein Verbot der sogenannten Hobbyjagd in Deutschland.

Auch im Landkreis Cuxhaven wird leidenschaftlich der Jägerei nachgegangen. Alle Formen finden sich hier. Beliebt ist auch die Treibjagd, bei der die Tiere gezielt aufgescheucht und den Jägern vor die Flinte getrieben werden. Eine andere Praktik zeigte sich jüngst im Januar: Am Rande der Dorfhagener Wohnbebauung wurden Lebendfallen errichtet und massenhaft Reh-Kadaver-Stücke verteilt – sollte hier der „böse“ Wolf angelockt werden? Die Folge der Auslage der Köder war eine andere: ein kleiner Hund nahm die Witterung auf und ging zur 50 Meter vom Wanderweg entfernt installierten Falle, sah die Köder darin und wurde gefangen.

Auch das überwiegend verbotene Kirren – das Auslegen von Nahrungsabfällen, aber auch Mais und Fleischresten, gehört ins Repertoire der Hobbyjäger. Nicht selten melden Wanderer die Vergehen an die Behörden – in der Regel ohne Konsequenzen. Die Jägerschaft hat eine gute Lobby in Deutschland. Die Blutspur, die sich hinter den vorgeblich naturliebenden Weidmännern herzieht, ist lang und breit. Ein ökologischer oder ökonomischer Nutzen ist nicht zu ersehen und wird auch von der Wissenschaft verneint.

„Wie viele Lebewesen müssen noch schwer verletzt werden oder sterben, bevor die Hobbyjagd endlich verboten wird?“, so Nadja Michler, Fachreferentin für Wildtiere bei PETA. „Jahr für Jahr ereignen sich zahlreiche Tragödien, weil schießwütige Spaßjäger verantwortungslos in der Gegend herumballern. Ein Eingreifen des Gesetzgebers ist längst überfällig.“

In den vergangenen Jahren sorgten bereits zahlreiche schwere Jagdunfälle für Empörung. Im Oktober letzten Jahres schoss ein Jäger in Lützkampen ein Pferd an, das er mit einem Wildschwein verwechselt haben soll. Ein Jagdpächter erlitt im August 2019 eine schwere Knieverletzung, nachdem sich versehentlich ein Schuss aus der Waffe seines Begleiters löste. Im Januar 2019 wurde eine 19-Jährige in Ettlingen getötet, als sich ein Schuss aus der Waffe ihres Vaters löste, der zur Jagd aufbrechen wollte. Im November 2018 wurde eine 86-Jährige in Dalberg in ihrem eigenen Garten durch einen verirrten Schuss eines Jägers tödlich getroffen. Im Juli 2018 wurde eine Sechsjährige im thüringischen Saara beim Spielen im Garten durch den Schuss eines Jägers schwer verletzt. Zwei Tage danach starb ein Mann bei einem Jagdunfall im nordrhein-westfälischen Ochtrup; weitere zwei Tage später kam ein Jäger durch einen Schuss bei der Vertreibung von Wildtieren auf einem Feld in Unterwellenborn in Thüringen ums Leben.

Wissenschaftliche Studien belegen, dass die Jagd nicht geeignet ist, um Wildpopulationen dauerhaft zu regulieren. Wissenschaftler wiesen nach, dass die Geschlechtsreife der weiblichen Tiere beispielsweise in bejagten Wildschweinpopulationen früher eintritt, wodurch sich die Geburtenrate erhöht.1 Demnach bedingt ein hoher Jagddruck, dass in dem Gebiet die Population der betreffenden Wildtiere ansteigt. Auch Prof. Dr. Josef Reichholf, ein namhafter Biologe der TU München, sieht aus wildbiologischer Sicht keine Notwendigkeit in der Jagd: Die nahezu ausgerotteten Wölfe müssen nicht durch menschliche Jäger ersetzt werden, da eine natürliche Regulation der im Wald wohnenden Tierpopulationen durch Umwelteinflüsse wie Witterung, Nahrungsverfügbarkeit oder Krankheiten stattfindet.

Den mehr als 380.000 Hobbyjägern in Deutschland stehen nur etwa 1.000 Berufsjäger, vor allem Forstbeamte, gegenüber. Eine im Auftrag von PETA im vergangenen Jahr durchgeführte repräsentative Forsa-Umfrage2 bestätigt, dass mit 49 Prozent die Mehrheit der Bundesbürger die Hobbyjagd ebenfalls ablehnt.

Konsequenter Tierschutz, wie PETA e.V. ihn versteht, geht noch weiter. „Tiere sind nicht dazu da, dass wir an ihnen experimentieren, sie essen, sie anziehen, sie uns unterhalten oder wir sie in irgendeiner anderen Form ausbeuten. Die Organisation setzt sich gegen Speziesismus ein – eine Weltanschauung, die den Menschen als allen anderen Lebewesen überlegen einstuft.“

WWW.PETA.DE

(1) 1] Servanty et al. (2009): Pulsed resources and climate-induced variation in the reproductive traits of wild boar under high hunting pressure. Journal of Animal Ecology. Nr. 78, Issue 6.
(2) Forsa-Ergebnisse: https://www.peta.de/mediadb/Meinungen-zu-Hobbyjaegern- 6.pdf


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