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// Wirtschaft
11.08.2017
Von: sl

Tötet die Digitalisierung den Einzelhandel?


Der Amazon-Effekt

Der Amazon-Effekt

Die Digitalisierung erobert die Welt und macht vor keinem Wirtschaftszweig Halt. Innovative Technologie bestimmt den Markt mehr denn je. Als Vorreiter bläst der Online-Versandhändler Amazon gegenwärtig zum weltweiten Angriff auf sämtliche Marktbereiche. Der Amazon-Effekt hat in den USA bereits den Einzelhandel erschüttert. Gerade die Unternehmen, die dem Fortschritt der Digitalisierung nicht folgen können, drohen auszusterben. Auch hierzulande wird die Wirtschaft davon nicht verschont bleiben.

Jeff Bezos ist der wohl erfolgreichste IT-Unternehmer der Gegenwart und zugleich der Schrecken sämtlicher Handelsbranchen. Der Gründer und CEO von Amazon wagt derzeit in immer kürzeren Abständen Angriffe auf ganze Märkte. Das Erfolgsrezept: Ein unaufhörlicher Innovationsdruck als wesentlicher Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Bisher gelangte Amazon mit Entwicklungen wie der digitalen Leihbücherei Kindle (2012), dem Streaming-Dienst Prime Video (2014) und der Vorratsbox Pantry (2015) sowie kürzeren Lieferzeiten des Versandhandels zu bahnbrechendem Erfolg. Jetzt muss selbst der stationäre Lebensmittelhandel vor dem Online-Riesen zittern: Kürzlich startete auch in Deutschland Amazon Fresh, ein Lieferdienst für den Wocheneinkauf mit einem Sortiment von über 85.000 Produkten – auch frischen Lebensmitteln.

In den USA hat der Online-Versandhandel den Einzelhandel bereits in eine tiefe Krise gestürzt. Die klassischen Kaufhäuser stehen derzeit massenweise vor dem Ruin. Seit Oktober 2016 wurden im Einzelhandel mehr als 90.000 Stellen gestrichen. Allein die große Kaufhaus-Kette Macy’s kündigte die Schließung von über 100 ihrer knapp 700 Filialen an. Dagegen verzeichnet Amazon ein rekordverdächtiges Wachstum: Das Unternehmen mit Hauptsitz in Seattle wuchs 2016 im Vergleich zum Vorjahr nach eigenen Angaben weltweit um 27 Prozent auf 136 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz.

Amazon agiert inzwischen nicht mehr nur als Online-Versandhändler, sondern hat in Seattle kürzlich unter dem Namen „Amazon Go“ auch den ersten völlig kassenlosen Supermarkt eröffnet und ist damit in den stationären Einzelhandel eingestiegen – mit revolutionären Innovationen. Kunden müssen sich am Eingang mit einem Code auf ihrem Smartphone ausweisen, können sich dann einfach ihren Einkauf aus dem Regal nehmen und das Geschäft verlassen. Durch spezielle Sensoren erkennt das System, welche Waren gewählt wurden und bucht die Summe über das Benutzerkonto ab. Ein perfektes Beispiel dafür, wie Digitalisierung nach und nach unseren Alltag verändert.

Innovationen sind im Zeitalter der Digitalisierung der Schlüssel zum Erfolg. Deshalb gerät der Einzelhandel vermehrt in die Bredouille. Seit Jahrzehnten verläuft der Besuch eines Geschäfts oder Supermarkts nach dem gleichen Muster. Die Kunden entscheiden sich – teilweise nach Beratung – für den Kauf bestimmter Produkte und bezahlen anschließend beim Kassenpersonal. Der Einzelhandel funktionierte bislang simpel, er kam sogar ohne Innovationen aus. Und dann kamen Amazon und Co., die sich seit ihrer Gründung der Technologie und dem ständigen Fortschritt verschrieben haben. Jetzt können Produkte kurzerhand über das Internet bestellt werden, der klassische Handel verliert an Reiz.

Im deutschen Einzelhandel herrscht die Ruhe vor dem Sturm

Momentan geht es dem deutschen Einzelhandel noch deutlich besser, als man angesichts der Dominanz von Amazon, Zalando, Otto und anderen Versandhäusern denken könnte. Immerhin baut der Einzelhandel nach den aktuellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit weiterhin Jobs auf. Bei der letzten statistischen Erhebung am 30. September 2016 waren in der Branche 3,04 Millionen Arbeitnehmer beschäftigt, was im Vergleich zum Vorjahr einem Zuwachs von einem Prozent entspricht. Demnach wurden innerhalb eines Jahres 31.000 neue Jobs geschaffen.

Dennoch machen sich die wachsenden Umsätze des Onlinehandels in Form eines deutlichen Strukturwandels bemerkbar: Jeder zehnte Euro wird heute schon im Handel online umgesetzt – Tendenz steigend. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes kauften 2015 über 47 Millionen Menschen in Deutschland über das Internet ein, was 77 Prozent der Nutzer ab einem Alter von zehn Jahren entspricht. Nicht zu Unrecht wird das Onlinegeschäft als Wachstumsmotor des Handels beschrieben.

Der derzeitige Status quo könnte so etwas wie die Ruhe vor dem Sturm sein, der in naher Zukunft über den klassischen deutschen Einzelhandel hinwegfegen wird. Aus dem Wachstum der Beschäftigtenzahlen wird sich in Kürze ein Rückgang entwickeln. Unterstützt durch den demographischen Wandel haben es insbesondere ie Einzelhändler in ländlichen Gegenden zunehmend schwer, die nötigen Umsätze für Gehälter oder Mieten einzufahren. „Der aktuelle Strukturwandel im Einzelhandel wird nicht spurlos an der Branche vorübergehen. Bis 2020 könnten 50.000 Handelsstandorte wegfallen“, erklärt Stefan Hertel, Pressesprecher es Handelsverbands Deutschland e.V. (HDE). Davon werden aber ebenso die urbanen Regionen nicht verschont bleiben. Der HDE rechnet damit, dass in den Fußgängerzonen der deutschen Städte in großem Ausmaß mit Leerständen zu rechnen ist.

Steht der deutsche Einzelhandel also vor dem Kollaps? Vertraut man dem aktuellen Trend, wird die Entwicklung jedenfalls für viele Unternehmen relativ kurzfristig den Tod bedeuten. Das Beratungsunternehmen Oliver Wyman geht in einer Studie sogar davon aus, dass in den nächsten 10 bis 15 Jahren jedes zweite Filialunternehmen vom Markt verschwunden sein wird. Aber eine Sache macht den Einzelhändlern Hoffnung: Dass Amazon mit Amazon Go sein erstes stationäres Geschäft gegründet hat – und darauf in den nächsten Jahren vermutlich die Eröffnung weiterer Läden auf der ganzen Welt folgen lassen wird, zeigt, dass der stationäre Einzelhandel auch in Zukunft immer von Bedeutung bleiben kann.

„Es geht darum, zum Multichannel-Händler zu werden und auf allen Kanälen für die Kunden da zu sein. Die Kunden wollen ihre Händler on- und offl ine fi nden, beim Innenstadtbummel genauso wie beim Internet-Surfen auf der Couch“, sagt Stefan Hertel vom HDE. Die These ist gewagt, denn Digitalisierungsprojekte wie Online-Shops für Einzelhändler sind in der Regel zum Scheitern verurteilt. Im Internet können Verbraucher bei den Großanbietern ihre Produkte bereits zu Preisen erwerben, die unter den Einkaufspreisen für Einzelhändler liegen – ermöglicht wird das durch die Massen, in denen Online-Versandhäuser Waren einkaufen. Verbraucher kaufen Produkte dort, wo sie am günstigsten sind und der Aufwand am geringsten ist. Amazon und Co. warten mit Features wie kostenloser Rücksendung und problemloser Kaufpreiserstattung auf, die für Einzelhändler unrealisierbar sind. Zudem wird auch der einzige Vorteil des stationären Handels, die gute Beratung, vom Internet abgelöst. Immer mehr Internethändler bieten einen unkomplizierten Technik-Service und Video-Tutorials zu ihren Produkten an.



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