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// Gesellschaft
09.08.2013
Von: Nadine Hünefeldt

Bremerhaven summt – Imkerei über den Dächern der Stadt


Bremerhaven summt – Andreas Bredehorn imkert über den Dächern der Stadt. (Foto: jeschke .)

Bremerhaven summt – Andreas Bredehorn imkert über den Dächern der Stadt. (Foto: jeschke .)

Seit 2011 summt es bereits in vier Großstädten Deutschlands, allen voran Berlin. Bienenvölker in der Stadt zu halten ist inzwischen zu einem globalen Trend geworden: Mitten in Paris, München und sogar auf den Dächern New Yorks kümmern sich Hobby-Imker um Bienenstöcke und versuchen so, die Aufmerksamkeit der Bürger für ihre Stadtnatur zu wecken – und die Abhängigkeit der Menschheit von funktionierenden Ökosystemen zu vermitteln. Denn wie Einstein gesagt haben soll: „Wenn die Bienen verschwinden, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“

Gäbe es keine Bienen mehr, würde sich die Artenvielfalt in der Landschaft dramatisch reduzieren, was zur Folge hätte, dass unsere Nahrungspalette stark eingeschränkt würde. Denn die Honigbiene ist unser wichtigstes Bestäubungsinsekt, ihre ökologische Bedeutung ist beträchtlich. Rund 80 Prozent der Kulturpfl anzen sind auf die Bestäubungsleistung von Bienen angewiesen. Honigbienen sorgen durch Bestäubung nicht nur für höhere Erträge, sondern auch für qualitativ bessere Früchte. Obstkulturen werden beispielsweise zu rund 80 Prozent von Bienen bestäubt; lediglich 20 Prozent werden von anderen Insekten wie Hummeln, Fliegen oder einzelnen Wildbienen bestäubt.

Bienenpopulationen in Gefahr

Doch den Bienen geht es nicht gut. Weltweit schrumpfen die Bienenpopulationen. Die Ursachen sind vielfältig und vor allem hausgemacht: Hauptursache des Bienensterbens ist, neben Pilz- und Parasitenbefall der Tiere – wie die Varroamilbe, gegen die die Imker bis heute noch völlig hilfl os sind – vor allem der Pestizideinsatz auf landwirtschaftlichen Monokulturen. Auch der Einsatz von genveränderten Nutzpfl anzen, die zumeist insektengiftig sind, steht vermehrt im Verdacht, für das Sterben von Bienen, Hummeln und Wildbienen verantwortlich zu sein. Der Biene helfen kann jeder einzelne auf recht einfache Weise: Durch Anlegen einer Bienenweide, die den Bienen eine reichhaltige Nahrungsgrundlage bietet – und zudem noch schön aussieht.

Dass eine Bewegung zum Erhalt des natürlichen Kreislaufs und zur Rettung der Bienen gerade aus dem städtischen Raum kommt, klingt erst einmal ungewöhnlich. Doch gerade der städtische Raum bietet Bienen einen perfekten Lebensraum. Fast das ganze Jahr lang blüht es in der Stadt, selbst Verkehrsinseln und Balkonpflanzen bieten den Tieren ein reichhaltiges Nahrungsangebot ab dem Frühjahr. Dazu kommt, dass der Honig aus der Stadt sogar noch gesünder ist als jener aus ländlichen Gebieten, die stark von Monokulturen geprägt sind – denn in der Stadt dürfen keine Pestizide gespritzt werden. Nektar und Pollen, aus denen die Bienen Honig produzieren, sind daher frei von Schadstoffen.

Es summt über den Dächern der Stadt

Begeistert hat die Idee von Berlin summt! auch den Bremerhavener Andreas Bredehorn. Er ist zurzeit Bremerhavens einziger Stadtimker und vom DIB (Deutscher Imkerbund) zertifiziert. Auf dem Dach des Lloyd-Gymnasiums leben seit diesem Frühjahr zwei seiner Bienenvölker, die eifrig Honig produzieren. Dass Andreas Bredehorn diesen eher ungewöhnlichen Ort nutzen darf, ist dem Direktor des Lloyd- Gymnasiums, Wolfgang Englert, zu verdanken. Als Bredehorn mit seiner Idee, Bienenstöcke auf dem Dach des Schulgebäudes zu platzieren, herantrat, hatte er Wolfgang Englert sofort auf seiner Seite: „Ich war von der Idee gleich begeistert. Das Dach unserer Schule ist ein perfekter Standort. Und die Bienen sind wichtige Bestäuber in unserer Stadt, sie sorgen für eine natürliche Artenvielfalt und sichern vielen anderen Tieren die Nahrungsgrundlage.“ Wenn es nach Wolfgang Englert ginge, gäbe es in Bremerhaven weit mehr Hobby- Imker. „Bienen sind sehr nützliche und hilfreiche Tiere. Besonders Obst- und Gemüsegärten können von den Bestäubern nur profitieren.“ Denn je mehr Blüten bestäubt werden, desto besser und üppiger wird die Ernte.

Andreas Bredehorn hat seine Bienenstöcke bewusst in der Stadt positioniert, da es ihm weniger um den Ertrag geht, sondern vielmehr um den natürlichen Kreislauf: „Menschen und Bienen profitieren voneinander. Pflanzen und Gemüse auf Balkon und im Garten werden bestäubt und die Bienen bekommen so gesunden Honig für den Winter.“ Einen Konflikt zwischen Biene und Stadtmensch sieht er dagegen nicht: „Bienen tun nichts: Sie stechen nicht einfach so, da sie wissen, dass sie nach einem Stich sterben müssen.“ Dass viele Menschen Angst vor Bienen und Hummeln haben, findet er daher sehr schade. „Bienen sind sehr interessante und vor allem organisierte Tiere, es macht unglaublich viel Spaß, sie zu beobachten.“

Der 27-Jährige würde sich wünschen, dass es mehr Hobby-Imker wie ihn in der Stadt gäbe. Denn es fehlt in Deutschland an Nachwuchsimkern, um die Überalterung der Imkerschaft aufzuhalten und die sinkende Zahl der Berufsimker zu ersetzen. „Imkern ist ein tolles Hobby. Es macht sehr viel Freude und ist im Prinzip auch gar nicht so zeitintensiv. Und am Ende bekommt man den leckeren Honig als Dank für den Einsatz.“

In diesem Sommer hat Andreas Bredehorn seine erste Honig-Ernte eingefahren und ist begeistert vom Resultat. In der kommenden Saison rechnet er mit noch mehr Ertrag. Dann wird auch der Handel mit seinen vielfältigen Imkereiprodukten beginnen.

Bienen-Fakten:
Für 1 kg Honig müssen Bienen ca. 2 Millionen Blüten besuchen und etwa 150.000 Mal aus dem Bienenstock ausfliegen.

Bienen sind blütentreu: Sie fliegen immer nur eine Blütensorte an, bis diese ausgeblüht hat; erst danach wechseln sie die Sorte.

Honigproduktion ist anstrengend: Eine Sammelbiene wird im Sommer nur etwa sechs Wochen alt.

In der EU werden zur Zeit etwa 8 Millionen Bienenvölker gehalten; das macht rund 200.000 Honigbienen auf einen km² Fläche.

Bienen sind friedliche Tiere, die sterben müssen, wenn sie stechen. Sie beschützen ihren Stock, sind dem Menschen gegenüber aber nicht aggressiv.

Kontakt:
Andreas Bredehorn
Tel: 0172 934 3079
E-Mail: a.bredehorn(at)gmx.de

Weitere Infos:
www.berlin.deutschland-summt.de
www.deutscherimkerbund.de



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