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// Gesellschaft
11.11.2014

Urlaub im Tierheim: Langenerin engagiert sich gegen Hundemassaker in Rumänien

Zehn Tage war sie unterwegs, ist mit dem Auto die Strecke von Langen nach Rumänien und wieder zurück gefahren, insgesamt 4.000 km. Für den Tierschutz. Um zu schauen, wie es dort wirklich ist. Susanne Berghoff hat ein städtisches Tierheim (Shelter) für Straßenhunde in der Stadt Giurgiu besucht, das von einem deutschen Tierschutzverein betreut wird. Viel wurde dort bereits in kurzer Zeit erreicht – Susanne Berghoff kehrte dennoch erschüttert aus Rumänien zurück. Und zugleich ist sie bestärkt in ihrem Engagement für den Tierschutzverein „Deutschland sagt Nein zum Tiermorden e.V.“ (DsN).


Urlaub im Tierheim: Langenerin engagiert sich gegen Hundemassaker in Rumänien

Urlaub im Tierheim: Langenerin engagiert sich gegen Hundemassaker in Rumänien (Foto: hadkhanong/shutterstock.com)

Die Fahrt mit dem Auto führte sie von Langen bei Bremerhaven über Tschechien, die Slowakei, hinunter bis nach Szeged in Ungarn, dann weiter Richtung Osten in die rumänische Universitätsstadt Targu Jiu. Es folgte ein Zwischenstopp beim privaten Shelter eines Partners des Tierschutzvereins „Deutschland sagt Nein zum Tiermorden e.V.“, dann ging es weiter zum eigentlichen Ziel der Reise: Giurgiu, eine wirtschaftlich aufstrebende Stadt an der Donau. In der schönen Landschaft um die Stadt haben sich Logistik-Firmen und Spediteure angesiedelt, darunter viele namhafte deutsche Firmen, und auch die großen Autohäuser sind vertreten. Die Wirtschaft um Giurgiu boomt – dennoch ist nicht alles in Ordnung – da hilft auch der wirtschaftliche Aufschwung nichts. Jenseits der wirtschaftlichen Entwicklung bleiben viele Bereiche des öffentlichen Lebens unbetrachtet. So auch die Situation der Tiere in den aufstrebenden Regionen des Ostens. Und auch hier prägen streunende Hunde das Straßenbild, die Shelter sind voll mit herrenlosen Tieren.

Aufmerksam geworden auf die Arbeit des DsN war Susanne Berghoff über Facebook: Ende 2013 erreichte den Verein ein Hilferuf aus Rumänien. Im städtischen Tierheim der Stadt Giurgiu sollten 200 Hunde getötet werden, auch an Futter mangelte es dort, so dass weitere Tiere zu verhungern drohten. Der Hilferuf wurde im Internet weiterverbreitet, über E-Mail und über Facebook. Die anschließende Online-Petition wurde ein voller Erfolg: Die Tötung der Hunde konnte verhindert werden und der DsN übernahm dafür die komplette Versorgung der 500 Shelter-Hunde in Giurgiu. Die Arbeit des DsN begann dann auch gleich vor Ort in Giurgiu: Kranke und verletzte Tiere wurden versorgt, die Zwinger gereinigt, ausreichend Futter besorgt und Sachspenden nach Rumänien transportiert. Seitdem werden die Hunde im Shelter in Giurgiu jeden Tag durch ein engagiertes Ehepaar gefüttert und versorgt. Dank zahlreicher Spenden konnte begonnen werden, größere Zwinger zu bauen und im Spätsommer 2014 wurde damit begonnen, das Tierheim winterfest zu machen – denn richtige Außenwände hatten die Zwinger bislang nicht und die Hunde waren ganzjährig den Elementen ausgesetzt. Möglich wurde all dies durch Spenden, die den DsN nach dem Online-Hilferuf erreichten. Vor allem aber wurde etwas möglich, was es bis dahin noch nicht gegeben hatte: Am 16. August 2014 erreichte der DsN – als wahrscheinlich bisher einziger Tierschutzverein in Rumänien – einen Kooperationsvertrag mit der Stadt Giurgiu, der das Töten der Streuner und Shelter-Hunde untersagte. Zum Vertrag gehören die tierärztliche Versorgung der Hunde und die Modernisierung des Shelters. Darüber hinaus hat Giurgiu ein Gelände für den Bau eines neuen, zweiten Shelters zur Verfügung gestellt, das ab Anfang 2015 nach EU-Richtlinien gebaut werden soll.

Einer der wichtigsten Eckpfeiler des Vertrags mit Giurgiu ist die Vereinbarung zu großangelegten Kastrationsaktionen für die Haus- und Hofhunde der Stadt – denn hier liegt der Grund für die große Anzahl der streunenden Straßenhunde Rumäniens: Viele tierliebende Rumänen halten Hunde, aber fast alle sind unkastriert und werden laufend von anderen freilaufenden Haus- und Hofhunden oder Streunern gedeckt. Die daraus entstehenden Welpen werden irgendwann selbst zu Streunern und bilden so die nächste Generation Straßenhunde. Der DsN unterstützt eine mobile Kastrationsklinik in Rumänien und übernimmt in Giurgiu die Kosten einer Kastration: etwa 30 Euro pro Tier. Viel Geld für die meisten Rumänen, deren durchschnittlicher Monatsverdienst zwischen 200 und 400 Euro beträgt.
Was der Verein seit seiner Gründung 2012 und besonders durch seinen Einsatz in Rumänien erreicht hatte, faszinierte Susanne Berghoff sofort. Sie trat dem DsN bei, engagierte sich und stand auch mit guten Tipps zur Seite. So ist es der Pferdehalterin zu verdanken, dass Giurgius Shelter-Hunde in jedem Zwinger robuste Tränkeeimer, wie sie sonst in Pferdeboxen zu finden sind, zur Verfügung haben. Susanne Berghoff gefiel von Anfang an die Kreativität des Tierschutz-Teams, um Spenden zu sammeln – beispielsweise „einen Euro pro Stein“ für ein neues Welpenhaus im rumänischen Campulung zu geben. Vor allem aber die Möglichkeit, selbst entscheiden zu können, wo und wie man sich im DsN einbringen möchte, begeisterte die Langenerin. Um sich selbst ein Bild von der Situation der Straßenhunde in Giurgiu zu machen und vor Ort zu schauen, was sie persönlich für die Shelter-Hunde tun könnte, organisierte sie kurzerhand die Reise nach Rumänien und düste im Sommer 2014 los.

Dass es ein großer Unterschied ist, über etwas zu lesen und sich zu informieren, oder etwas mit eigenen Augen zu sehen, war Susanne Berghoff klar. Welche Zustände sie im Shelter in Giurgiu tatsächlich erwarteten, war dann aber doch ein großer Schock für sie. „Die Blicke der Hunde haben mich tief berührt“, erzählt sie. „Viele der Hunde begrüßten mich freudestrahlend, andere lagen traurig in den Ecken. Sie schienen das Vertrauen in den Menschen verloren zu haben. Eben diese Blicke waren erschütternd, das hat mich sehr mitgenommen.“

Tatsächlich mangelt es im Tierheim in Giurgiu vor allem an einem: der sozialen Versorgung der Hunde. „Dort leben etwa 500 Hunde im Shelter – eine für uns unvorstellbare Menge an Tieren. Wer soll mit all diesen Hunden spazieren gehen, sie streicheln und beschäftigen?“ Ideen sind hierfür bereits vorhanden, sie müssten nur umgesetzt werden. Aber es fehlt auch hier vor allem an Geld und Hilfe vor Ort. Zudem brauchen Veränderungen innerhalb einer Gesellschaft Zeit. Und obwohl der DsN bereits viel erreicht hat in Giurgiu, und sowohl Futter wie auch die medizinische Versorgung inzwischen gewährleistet ist, ist noch ein weiter Weg zu gehen. „Geplant sind Imagekampagnen in Giurgiu, wir möchten die dortigen Schulen mit ins Boot holen und ein Patenhundesystem, regelmäßiges Gassigehen oder soziale Interaktionen der Schüler mit den Hunden organisieren.“

Es sei aber nicht so, dass die Rumänen nicht tierlieb sind, sagt Susanne Berghoff. „Viele der Straßenhunde Rumäniens haben Besitzer: sie gehören jedem und niemandem, manchmal einem ganzen Wohnblock gemeinsam. Es ist immer schwierig zu sagen, welcher Hund ein Streuner ist und welcher nicht. Manchmal weiß keiner, wem ein Hund gehört, aber alle Anwohner sorgen gemeinsam für diesen Hund.“
Die Straßenhunde einfach zu retten und in ein Shelter zu bringen ist langfristig aber auch keine optimale Lösung. Denn viele der freiheitsgewohnten Tiere scheinen sich in der vermeintlichen Sicherheit des Shelters aufzugeben: „Es fehlt plötzlich nicht nur der intensive soziale Kontakt zum Menschen. Viele der Hunde im Shelter haben lange Zeit auf der Straße und in Freiheit gelebt und sind nun auf kleinstem Raum eingesperrt. Das sind sie nicht gewohnt“, sagt Susanne Berghoff. „Die Zwinger in den Tierheimen sind teilweise nur vier Quadratmeter groß und bis zu vier Hunde pro Zwinger müssen miteinander auskommen. Manchen Hunden geht es auf der Straße besser als in einem Shelter. Allein deshalb sind auch die Kastrationsaktionen so wichtig.“

Dass es den Hunden im Tierheim in Giurgiu gut geht, dafür sorgen zwei engagierte rumänische Mitarbeiter des DsN dauerhaft vor Ort: ein Ehepaar aus Giurgiu kümmert sich täglich um Hygiene, Fütterung und die Überwachung der Gesundheit der Hunde, und es fungiert zugleich als Interessenvertreter des Vereins der Stadt gegenüber. Auf lange Sicht soll das Straßenhunde-Projekt in Giurgiu selbsttragend und die Streuner-Problematik durch konsequente Kastration der Hunde eingedämmt werden. Susanne Berghoff fühlt sich in ihrem Engagement beim DsN nach ihrer Reise bestärkt: „Ich werde bald wieder nach Giurgiu fahren, dann aber mit einem konkreten Hilfsauftrag des DsN, so dass ich richtig aktiv mithelfen kann.“ Die Langenerin nimmt auch Sachspenden für die Straßenhunde in Giurgiu an, die dann mit dem nächsten Transport nach Rumänien gebracht werden.

Deutschland sagt Nein zum Tiermorden e.V.
www.deutschlandsagtnein.com
Susanne Berghoff
Tel.: 0170/58 53 670
E-Mail: susanne.berghoff(at)gmx.de



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